Vortragsreihe: „Schindlers Liste“ und die Realität. Dank NMS-Lehrer Rainer Bugl wird die Schriftstellerin Erika Rosenberg die Region besuchen.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 28. März 2018 (05:00)
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Reinhard Bugl und seine Schüler Elias Scharrenbroich, Armando Tahirovic, Leon Taucher, Alexander Binder und Alexander Lehner bei ihrem Ausflug in Polen. „Sie haben für all das den Anstoß gegeben“, so Bugl.

Er gehört zu dem Standard-Repertoire jedes guten Geschichtsunterrichts: der Film „Schindlers Liste“, der die Geschichte des deutsch-mährischen Unternehmers Oskar Schindler erzählt. Schindler und seine Frau Emilie bewahrten zwischen 1939 und 1945 über 1.200 Juden vor dem sicheren Tod durch die Nationalsozialisten.

Schauplätze von Schindlers Leben besichtigt

„Mein Wissen war lange Zeit auch nur auf Filmniveau“, gibt Rainer Bugl, Deutsch- und Geschichtslehrer an der Informatik-NMS, unumwunden zu. Seine Schüler waren es, die den Grundstein für eine intensivere Beschäftigung mit dem Ehepaar Schindler legten. „Ich zeigte ihnen den Film, und sie wollten zu Schindlers Fabrik nach Krakau reisen“, erzählt Bugl. Gesagt, getan: Im Sommer brach der Lehrer mit fünf Schülern nach Polen auf und besichtigte die Schauplätze von Schindlers Leben.

Im Zuge der Recherchen für die Reise stieß Bugl auf den Namen Erika Rosenberg, eine Schriftstellerin, die eine Reihe von Büchern zu den Schindlers verfasst hat. „Durch ihre Arbeit entstand eine Freundschaft zu Emilie Schindler, die im Film kaum erwähnt wird“, weiß Bugl.

Start der Vortragsreihe im Lenausaal

Aus Neugier schrieb er Rosenberg auf Facebook an und erhielt prompt eine Antwort. Und weil Fragen nichts kostet und Bugl wusste, dass Rosenberg auch Vorträge hält, lud er sie kurzerhand nach Stockerau ein. „Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich das nicht alleine schaffen kann!“, lacht er. Mit der Stadt fand er den richtigen Partner, um einen würdigen Rahmen für Rosenbergs Besuch zu schaffen: Sie wird am 9. April ihre Vortragsreihe in der Region mit einer Veranstaltung im Lenausaal starten.

Rosenberg wird dabei der schillernden Figur, die Hollywood mit „Schindlers Liste“ geschaffen hat, einiges an Glanz nehmen. Eine Ausstellung begleitet den Vortrag. „Die Wandlung, die Schindler durchlebt hat, ist faszinierend. Er kam nach Krakau, um Geld zu scheffeln. Als er jedoch das dortige Grauen erlebte, wurde er zum Menschenretter“, weiß Bugl. Dennoch sieht er die Person Schindler heute differenzierter als früher: „Es hat mich zum Beispiel enttäuscht, dass er einen Ring, den er von den Juden geschenkt bekommen hat, später eingetauscht hat“, erzählt er.

„Die Wandlung, die Schindler durchlebt hat, ist faszinierend. Er kam nach Krakau, um Geld zu scheffeln, und wurde zum Lebensretter.“Rainer Bugl

Kulturstadträtin Andrea Völkl und Stadtamtsdirektorin Maria-Andrea Riedler stehen voll und ganz hinter dem Projekt: „Es ist toll, was Rainer auf die Beine gestellt hat!“ Dass Bugl mit seinem Engagement so viel bewegen würde, hätte er nie gedacht. Rosenberg wird mehrere Schulen besuchen und in Wien und der Region Vorträge anbieten. „Jeder, den ich gefragt habe, wollte mitmachen!“, freut sich Bugl.

Und sogar die Reise, die er damals mit seinen Schülern unternahm, wird von der Firma Gansberger neu aufgelegt. „Meine Schüler haben für all das den Anstoß gegeben“, ist er dankbar.