Jüdischer Friedhof: Schlüssel zurück an Stadt. Lenaustadt unterzeichnet als erste eine Pflegevereinbarung: Die israelitische Kultusgemeinde legt die Erhaltung des jüdischen Friedhofs in die Hände der Stockerauer.

Von Theodora Höger. Erstellt am 08. September 2017 (05:00)
Höger
Friedrich Ofenbauer vom Land Niederösterreich, Leiterin des Fonds zur Instandsetzung der jüdischen Friedhöfe in Österreich Hannah Lessing, SP-Nationalratspräsidentin Doris Bures, SP-Bürgermeister Helmut Laab, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch, Oberrabiner Arie Folger, ein Veranstaltungsteilnehmer und der ehemalige Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Ariel Muzicant.

„Die Ruhe der Toten sollte unantastbar sein – in der Zeit des Nationalsozialismus ist sie aber nicht nur gestört, sondern mit Füßen getreten worden“, erinnerte Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) bei ihrer Ansprache anlässlich der Schlüsselübergabe des jüdischen Friedhofs.

66 jüdische Friedhöfe gibt es in Österreich – einer davon befindet sich in der Lenaustadt. Mit der finanziellen Hilfe von Bund, Land und der israelitischen Kultusgemeinde hat die Stadt ihn bis zum Winter 2016 renoviert.

Die Pflege hatte bis dato die israelitische Kultusgemeinde übernommen. Nun übergibt sie den Schlüssel und damit die Pflege wieder der Stadt Stockerau, in deren Händen der Friedhof auch schon zuvor gelegen war.

Stadt hat in Österreich eine Vorreiterrolle

Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, der gemeinsam mit seinem Vorgänger Ariel Muzicant sowie mit Oberrabbiner Arie Folger nach Stockerau gekommen war, ist zuversichtlich: „Helmut Laab ist der erste, der eine solche Pflegevereinbarung unterschrieben hat. Ich freue mich, dass der Friedhof nun wieder der Stadt übergeben werden kann“, lobt er die Pionierarbeit Stockeraus. Andere Gemeinden sollen in Kürze ebenfalls mitziehen.

Auch österreichweit ist Deutsch mit den Entwicklungen rund um die Renovierungsarbeiten positiv gestimmt: „Nach ein paar Startschwierigkeiten läuft das Werkl jetzt. Das ist ein großes Projekt für unsere kleine Kultusgemeinde.“

"Bin stolz, dass Stockerau den Schlüssel bekommt"

SP-Bürgermeister Helmut Laab zeigt sich über den Erhalt des Schlüssels erfreut: „Ich bin stolz, dass Stockerau den Schlüssel bekommt“, so Laab in seiner Ansprache, „die Rahmenbedingungen für den Erhalt des Friedhofs sind mittlerweile vorhanden“, spielt er auf den Fonds zur Instandsetzung der jüdischen Friedhöfe in Österreich an, dessen Leiterin Hannah Lessing ebenfalls dem Festakt beiwohnte. „Das ist wichtig, damit diese letzte Ruhestätte und andere Einrichtungen jüdischen Lebens in der Stadt erhalten und gepflegt werden können“, betonte der Stadtchef.