Erstellt am 04. Juni 2014, 07:01

Uhr tickt für Casa Carla. Eine alleinerziehende Mutter zweier Pflegekinder weiß nicht mehr ein und aus: Das Dach ihres Hauses droht einzustürzen und tatkräftige Hilfe ist weit und breit nicht in Sicht.

Die Bauschäden sind offensichtlich. Bürgermeister Gottfried Muck und Carola Rabl-Schuller beim Lokalaugenschein.  |  NOEN, Wilder
Von Albert Wilder

Carola Rabl-Schuller ist verzweifelt. Das alte Bauernhaus auf der Hauptstraße in Unterparschenbrunn, in dem sie mit ihren zwei Pflegekindern lebt, ist baufällig. Die Familie hat mehrere Kredite laufen und im letzten Jahr ist Rabl-Schullers Ehemann aus dem gemeinsamen Haus, das sie seit 2000 bewohnten, ausgezogen: „Der lässt uns alleine und ist einfach gegangen“, fasst Carola Rabl-Schuller das bevorstehende Ende der Ehe zusammen.

Das Dach überlebt keinen Winter mehr

Die beiden Pflegekinder, ein Mädchen im Alter von 14 und ein Bub im Alter von zwölf Jahren, bleiben bei der Pflegemutter, benötigen aber laufend Betreuung. Ein 30-Stunden-Job in Wien hält die Frau finanziell über Wasser. All das wäre noch verkraftbar, wenn das Haus nicht 90 Mängel aufweisen würde. Der größte Mangel muss so bald wie möglich behoben werden: Das Dach des Hauses überlebt keinen Winter mehr.

Es droht einzustürzen, wenn der Dachstuhl nicht komplett erneuert wird. Die prognostizierten Kosten sind jedoch zu hoch, um die Reparatur aus eigener Kraft finanzieren zu können.

„Die hätten uns aus einer Wohnung rausgeschmissen“

Den Verkauf des Hauses möchte die körperlich bereits gezeichnete Pflegemutter vermeiden. Einerseits sind die Schulden höher als der Wert und andererseits kann Rabl-Schuller mit den Pflegekindern nicht in eine Wohnung ziehen: „Die hätten uns aus einer Wohnung rausgeschmissen“, erzählt sie im Hinblick auf das schwierige Verhalten der Kinder.

Um ihre prekäre Situation öffentlich zu machen, wendet sich Rabl-Schuller nun an die Medien und geht demnächst mit einem Blog online. Die Domain www.casa-carla.at hat sie bereits angemeldet. Ihr Ziel ist es, das Projekt „Casa Carla“, wie sie ihr Haus nun nennt, am Leben zu erhalten.

Um den Dachstuhl bis zum Winter zu erneuern, soll im ersten Schritt der alte Dachstuhl abgeräumt werden. Die Dachziegel und das Holz müssen entfernt werden. „Das sollte bis zum 15. August passieren“, offenbart Rabl-Schuller, die selbst erst kürzlich an der Schulter operiert wurde und daher körperlich gehandicapt ist. In einem weiteren Schritt soll ein Betonring am Dach gemacht werden, um dem neuen Dachstuhl die nötige Stabilität zu verleihen.

„Es war beschämend“

Danach erfolgt die Montage des neuen Dachstuhls. Beim Land Niederösterreich hat die Pflegemutter um einen zinsfreien Kredit für dieses Vorhaben angesucht. Nachdem eine So-zialarbeiterin die finanzielle Situation geprüft hatte, kam nun die Ablehnung.

Anfang Mai ging sie bereits in Unterparschenbrunn von Tür zu Tür, um Hilfe für den Abbau des alten Dachs zu erbitten. „Es war beschämend“, gesteht sie. Nur wenige Freunde haben ihre Unterstützung zugesagt. Auch Bürgermeister Gottfried Muck versucht zu vermitteln: „Soweit ich durchgehört habe, können drei bis vier Personen aus Unterparschenbrunn im August kommen, um zu helfen.“

Wer selbst die Familie unterstützen möchte, sei es mit körperlicher Hilfe oder mit Mate-
rialspenden (Dachziegel, Spenglermaterial, Lattung, etc.), kann sich unter der Telefonnummer 0676/790 54 83 direkt an Carola Rabl-Schuller wenden.