Unabhängigkeit. fördert Mütter mit Migrationshintergrund.

Erstellt am 26. Juni 2012 (00:00)
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VON MICHAELA HÖBERTH

KORNEUBURG / HIPPY - was lustig klingt, steht für „Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters“. Es ist ein Integra-
tionsprogramm, das sich an Mütter von drei- bis siebenjährigen Kindern mit Migrationshintergrund wendet. Sie werden einmal pro Woche von Betreuerinnen mit selber Herkunft besucht, gemeinsam werden Lernprogramme für die Kinder erarbeitet. So wird nicht nur den Kindern ein besserer Start ins Schul- und in späterer Folge ins Berufsleben ermöglicht, auch die Mütter werden im Alltag selbstständiger, ihnen wird in der Familie mehr Respekt entgegen gebracht.

Seit Anfang 2012 wird das Projekt in Korneuburg umgesetzt, und das mit großem Erfolg. „Derzeit werden hier sechs Familien betreut“, erzählt Stephanie Krauck, die für die Koordination von HIPPY in Niederösterreich verantwortlich ist. Auch in sechs weiteren Bundesländern hat HIPPY bereits Fuß gefasst. Das Programm wurde vor 40 Jahren an der Universität in Jerusalem entwickelt, von Frauen für Frauen. 2007 wurde es durch den Verein „beratungsgruppe.at“ nach Österreich gebracht und seitdem kontinuierlich ausgebaut. Der Verein „menschen.leben“ setzt HIPPY neben Nie-
derösterreich auch in Salzburg, Tirol und dem Burgenland um. Rund 100 Familien werden derzeit besucht, allein 56 davon in Niederösterreich. Sowohl der Bund als auch das Land und die Gemeinden unterstützen die Initiative.

Der Clou: Betreuerin und  Mütter haben selbe Herkunft

Korneuburg war eine der ersten Gemeinden, die das Programm umgesetzt hat. Man nimmt eine Vorreiterrolle in Sachen HIPPY ein. „Korneuburg steht mittlerweile für Integration“, ist Vizebürgermeisterin Helene Fuchs-Moser überzeugt und spielt damit auf andere Projekte wie „ZusammenReden“ oder das Lerncafé an. Fuchs-Moser war die Wegbereiterin von HIPPY, hat dafür gesorgt, dass entsprechende Gelder zu Verfügung stehen. Sie ist die Schnittstelle zwischen dem Verein „menschen.leben“ und der Gemeinde und vermittelt wichtige Kontakte. So fand man durch ihre Hilfe in den Kindergärten Mütter, die Hilfe brauchen. „Wir haben uns mit den Betreuerinnen in den Kindergärten kurzgeschlossen, welche Mütter für HIPPY in Frage kämen. Unsere Betreuerin hat sich mit ihnen in Verbindung gesetzt, und so kam das Programm ins Rollen“, erzählt Krauck von den Anfängen.

Fatma Gümüs ist für die Hausbesuche in Korneuburg zuständig. Die Türkin lebt seit 20 Jahren in Österreich, Deutsch zu sprechen ist für sie kein Problem. Sie hat selbst Kinder und kann bestätigen: Das Konzept von HIPPY wirkt. „Ich setzte die Lernprogramme auch bei meinen eigenen Kindern um, und die Fortschritte sind großartig!“, freut sie sich. Diesen Elan gibt sie an die betreuten Mütter weiter, die sie jeweils einmal pro Woche besucht. „Normalerweise dauern die Treffen rund eine Stunde. Dabei gehen wir die Lernspiele, die allesamt auf Deutsch gehalten sind, Schritt für Schritt durch. Die Mütter können bei Unklarheiten fragen stellen, da ich auch Türkisch spreche, kann ich ihnen die Begriffe erklären. So können die Mütter täglich die Spiele mit ihren Kindern durchgehen“, beschreibt Gümüs. Ganz nebenbei werden so auch die Sprachkenntnisse der Mütter aufgebessert, ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstbestimmung. Um die Erfolge festzuhalten, wird Woche für Woche Protokoll geführt. Doch auch, wie es den Frauen zurzeit geht und was sie brauchen, wird besprochen. So kann der Gemeinde Feedback gegeben werden, an was es den Frauen fehlt.

Ab Herbst werden auch  Gruppentreffen angeboten

Eine Mutter, die das Angebot seit dem Frühjahr in Anspruch nimmt, ist Huriye Elden. Sie nimmt teil, um ihren Kindern mehr Möglichkeiten zu verschaffen. „Meine Kinder lieben die Lernprogramme. Wir üben jeden Tag, sie verlangen sogar danach“, ist sie begeistert. Dafür werden ihr über das HIPPY-Programm Lesebücher, Bastelbögen und Spielzeug zu Verfügung gestellt. Sie kann den Wert von HIPPY nur bestätigen; in ihrem Wohnbau leben viele immigrierte Familien. Vor allem die Mütter stehen den Herausforderungen des Alltags oft hilflos gegenüber und bitten Elden daher um Hilfe.

Im Herbst wird HIPPY ausgebaut. Zwölf Familien sollen dann an dem Programm teilnehmen, außerdem möchte man Gruppentreffen mit den Frauen abhalten. „Wir wollen sie nicht nur über die Stadt informieren, sondern auch etwas mit ihnen unternehmen“, erklärt Krauck. Den Frauen soll die Scheu genommen werden. „Gemeinsam geht das leichter“, so Krauck.