Harmannsdorfer Rohrwald als letzte Ruhestätte. Seit einem Monat kann man sich im Klosterwald im Bezirk Korneuburg beisetzen lassen, eine Bestattung gab es bereits.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 03. Juni 2020 (05:54)
Ein eigener Andachtsplatz ist für das Gedenken an die Verstorbenen eingerichtet, der Ruheplatz für die Urne befindet sich schlicht und unauffällig beim „Wunschbaum“.
Klosterwald

Seit Anfang Mai ist eine Beisetzung mitten im sogenannten Klosterwald möglich. Konkret handelt es sich um ein zehn Hektar großes Waldstück im Rohrwald nahe dem Goldenen Bründl, das dem Stift Klosterneuburg gehört.

Seit rund einem halben Jahr gibt es die Klosterwald Verwaltungs-GmbH mit Sitz im Klosterneuburger Stift, die Waldstücke vorbereitet, erklärt Geschäftsführer Axel Baudach. Die Idee dazu hat er vor 20 Jahren in Deutschland entwickelt. Auch am Kahlenberg und bei Heiligenkreuz gibt es diese Plätze.

„Junge Leute sind sehr daran interessiert“

Natürlich kann mitten im Wald kein Grab für einen Sarg ausgehoben werden, nur biologisch abbaubare Urnen sind erlaubt. Nachdem bei einer Feuerbestattung die „große“ Zeremonie in der Feuerhalle stattfindet, sind es laut Baudach dann meist nur die engsten Angehörigen, die zur schlichten Beisetzung kommen. Die kann individuell gestaltet werden, allerdings gibt es weder Grabstein noch Grabschmuck, die Grabpflege wird von der Natur übernommen.

Eine Bestattung hat im Rohrwald schon stattgefunden, drei weitere sind geplant. Zuvor mussten Eschen entfernt und eine „Bauminventur“ gemacht werden, danach wurden die Wege befestigt und geschottert. Wer schlecht zu Fuß ist, sollte einen Rollstuhl verwenden, rät Baudach. Sonst ist festes Schuhwerk günstig.

Rund 200 Bäume stehen zur Verfügung; die ersten wurden bereits ausgesucht, bei jedem können etwa zehn Urnen beigesetzt werden. Im Klosterwald gibt ein Vorsorgekonzept: „Wir vergeben deutlich mehr Grabstellen an Lebende, man sucht sich selber einen Platz aus. Junge Leute sind sehr daran interessiert“, führt Baudach aus, wobei „jung“ mit 50plus definiert ist.

Im Schnitt sind die Interessenten, die sich ihren letzten Ruheplatz aussuchen, 50 bis 70 Jahre alt. „Man hat oft nicht mehr so einen Bezug zum Friedhof wie noch vor zwei, drei Generationen“, nennt Baudach den Beweggrund für eine Beisetzung im Klosterwald. Was auch für ihn überraschend ist: „Viele haben eine Urne von Verwandten daheim, jetzt wollen sie eine würdevolle Beisetzung.“

Die offizielle Einweihung folgt noch, dazu wird Prälat Bernhard Backovsky erwartet. Geplant ist ein weiterer Standort: Zwischen Stammersdorf und Hagenbrunn wird es ab Herbst einen Klosterwald geben.