Anrainer pochen auf Lösung für Heidstraße in Stockerau. Die hohe Verkehrsbelastung ist für die Anrainer unerträglich geworden. ÖVP: „Wir arbeiten an einer Lösung.“

Von Michaela Höberth. Erstellt am 28. April 2021 (05:09)
Alltägliche Situation beim NÖN-Lokalaugenschein: Zwei Lkw zwängen sich auf der engen Heidstraße aneinander vorbei. Als letzte Konsequenz wird auch auf den Gehsteig ausgewichen.
Höberth, Höberth

Freitagmorgen, 8 Uhr: Ein Fahrzeug nach dem anderen donnert vorbei, während die Anrainer der Heidstraße der NÖN ihre Sorgen schildern. Dabei braucht es nicht viele Worte, denn die Geschehnisse auf der Fahrbahn sprechen für sich: Autos preschen mit zu viel Tempo durch die 30er-Zone, zwei Lkw kommen in der schmalen Straße kaum aneinander vorbei. Und dem Lenker eines Schwertransporters bleibt nichts anderes übrig, als seinem Gegenüber über den Gehsteig auszuweichen.

„Dabei ist es heute noch ruhig“, versichern die Bewohner, die merklich genug von der täglichen Verkehrsbelastung haben. Der viele Verkehr vor ihrer Haustür ist längst in ihr Zuhause und ihre Gärten eingezogen. „Besonders arg sind die Traktoren, die fahren sieben Tage die Woche“, erzählt Erich Weiskirchner. Man könne sich abends problemlos danach die Uhr stellen. Sorglos radfahren oder flanieren? Bei dieser Situation undenkbar. Sogar beim Verlassen das Hauses müsse man die Augen offen halten.

„Anstieg des Verkehrs ist Horrorszenario!“

„Dabei wohnen viele Familien in der Straße“, weiß Christa Niederhammer, ehemalige ÖVP-Vizebürgermeisterin und Anrainerin. Zwischen der Fahrbahn und den Häusern gibt es auf einer Seite der Straße keinen Puffer, man tritt direkt auf den Gehsteig. Und da sich viele Radfahrer nicht sicher fühlen, weichen sie auf den Gehsteig aus.

Die Anrainer der Heidstraße sind mit diesen Problemen schon mehrmals an die Stadtregierung herangetreten. Das bisherige Ergebnis ist die Markierung einer 30er-Zone, die jedoch, so die Bewohner, von vielen Lenkern ignoriert wird. „Wir sind dankbar dafür, aber die Tempobeschränkung müsste auch kontrolliert werden“, macht Niederhammer klar. Und das können die Anrainer auch in Zahlen belegen: Franz Neumayer, der aus eigener Tasche ein Tempomessgerät finanziert hat eine Spitzengeschwindigkeit von 147 km/h gemessen. „Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 70 km/h“, schüttelt Traude Steffal den Kopf.

Was es also braucht, ist eine dauerhafte Verkehrslösung; die Heidstraße ist lang und schmal, was viele Lenker als Einladung für überhöhtes Tempo verstehen. Lkw-Verkehr von umliegenden Unternehmen befährt die Route seit vielen Jahren. Doch die Situation droht sich noch zu verschärfen: An einem Ende der Straße entsteht ein neuer Wohnbau, der weitere Autos bringen wird. Und für die künftigen Bewohner der Gustav-Mahler-Promenade wird der Weg zur Autobahn-Auffahrt durch die Heid-straße führen.

„Derzeit befahren schon zirka 1,3 Millionen Fahrzeuge unsere Straße. Ich schätze, dass durch diese neue Siedlung der Verkehr um mindestens 20 Prozent ansteigen wird. Ein Horrorszenario für alle Anwohner!“, will Franz Neumayer gar nicht daran denken. Mit dem Baustellenverkehr müsse man schon jetzt leben, bedauert er.

Was sich die Bewohner wünschen würden, wäre ein Austausch zwischen Stadt, Verkehrsexperten und den Anrainern. „Eine Einbahn wäre eine Möglichkeit, die auch Platz für einen Radweg bieten würde. Aber dafür bräuchte es ein Verkehrskonzept, das auch die Umgebung berücksichtigt“, macht Niederhammer klar. Bisher scheint man davon aber weit entfernt, schon der Wunsch nach Radarboxen blieb bisher unerfüllt. „Der zuständige Stadtrat Herwig Hödl (Anm.: ÖVP) hat uns vor 1,5 Jahren versprochen, zu prüfen, wie andere Gemeinden zu fixen Radarboxen gekommen sind und welche Voraussetzungen es braucht. Seither haben wir dazu keine Informationen erhalten, wir wissen also nicht, warum uns das nicht ermöglicht wird. Wir haben Hödl eingeladen, sich die Situation mit uns vor Ort anzusehen, doch dieser Einladung ist er nicht nachgekommen“, bedauert Niederhammer.

ÖVP-Bürgermeisterin Andrea Völkl betont auf NÖN-Anfrage, dass man sich der problematischen Verkehrssituation in der Heidstraße bewusst sei, „weswegen wir auch immer wieder Gespräche mit den betroffenen Bewohnerinnen und Bewohnern führen. Selbstverständlich haben wir uns die Situation vor Ort angesehen und arbeiten an einer Lösung in Abstimmung mit der Bezirksverwaltungsbehörde und der Polizei.“ Die 30er-Zone sei nur ein erster Schritt für eine Verbesserung gewesen. „Als Nächstes werde ich mich für ein mobiles Radargerät einsetzen“, kündigt Völkl an.