Jüngere im Bezirk Korneuburg sind eher Impfmuffel. Auffrischungsimpfungen sind als Schutz vor Krankheiten ebenso wichtig wie die Hygiene. Erwachsene sind oft nachlässig.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 12. Februar 2020 (05:39)
Impfen ist auch bei Erwachsenen ein Thema. Häufig fehlen Auffrischungsimpfungen. Symbolfoto: Shutterstock/Syda Productions
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Impfmuffel sind selten, das Unwissen über den Impfschutz scheint aber groß zu sein, ergab eine Umfrage der NÖN. „Selbst in Österreich sollten einige Impfungen regelmäßig aufgefrischt werden“, rät der frühere Stadtarzt von Korneuburg, Ewald Priessnitz. Dazu zählt er die Vierfach-Impfung gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung und Keuchhusten.

„Eine Impfung, die in unserer Gegend wichtig ist, ist FSME“, gerade da ortet Priessnitz aber Nachlässigkeit. Er kritisiert, dass die Grippeschutzimpfung nur sehr schwach angenommen wird, und räumt mit dem Vorurteil auf, dass man nach der Impfung meist krank werde. „Das passiert nur, wenn man die Viren schon in sich trägt.“

„Nur bei der mittleren Generation zwischen etwa 30 und 50 Jahren gibt es mehr Vorbehalte gegen Impfungen“Matthias Zaloudek, Arzt in Großmugl

Grundsätzlich rät der Mediziner auch dazu, sich gegen Hepatitis A und B impfen zu lassen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass man sich auch in Österreich ansteckt. Sehr empfehlenswert ist für ihn eine Masernimpfung ab ca. 50 Jahren. Selbst wenn man die Krankheit einmal hatte, sei nicht sicher, dass genug Abwehrstoffe im Körper sind.

Matthias Zaloudek setzt in seiner Ordination in Großmugl auf den offiziellen Impfplan. Wie Priessnitz ist auch für ihn die Immunisierung gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung, Keuchhusten, FSME sowie Hepatitis A und B die Basis. Dazu rät er bis zu einem Alter von 30 Jahren zur HPV-Impfung, und empfiehlt die jährliche Grippeschutzimpfung. Auch den Schutz gegen Masern und Röteln sieht Zaloudek als unerlässlich an, erinnert aber, dass jeweils zweimal geimpft werden muss.

In der Praxis zeige sich oft, „dass Patienten mit einem nur schlecht geführten Impfpass kommen. Da muss ich einmal umfassend beraten“, erklärt Zaloudek. Meist würden seine Empfehlungen angenommen, „nur bei der mittleren Generation zwischen etwa 30 und 50 Jahren gibt es mehr Vorbehalte gegen Impfungen“, so Zaloudek.

Kritisch sieht er das Internet: „Bei Impfgegnern stößt man öfter auf Unwissenheit – verursacht durch das Internet.“ Da muss er über angebliche Nebenwirkungen aufklären. Wenig Chancen sieht der Mediziner aber, wenn es darum geht, eingefleischte Impfgegner zu erreichen: „Die kommen einfach nicht in die Ordination.“

Handdesinfektion ist das Um und Auf

Zur Hygiene merkt Priessnitz an, dass das Desinfizieren der Hände gerade in Grippezeiten unbedingt nötig ist. Eine Ansteckungsgefahr in der Öffentlichkeit müsse man zwar ernst nehmen, dürfe deshalb aber nicht in Panik verfallen.

Für die Pflegemanagerin vom Hilfswerk in Stockerau, Heide-Maria Ley, ist klar: „Unser Job ist es auch, den Klienten und ihren Angehörigen zu erklären wie richtig desinfiziert wird.“ Da werden dann Türschnallen, Armaturen und Handläufe vorgeputzt. „Das muss man durchaus öfter machen, bis es auch angenommen wird“, weiß sie. Dafür stellt Ley der Generation, die vom Hilfswerk daheim betreut wird, ein gutes Zeugnis bei der Impfmoral aus: „Die ist viel höher als bei den Jungen.“

„Es ist eher nicht üblich, dass sich Kunden für Hygiene interessieren“, erklärt Daniel Danninger von der Rohrwaldapotheke in Leobendorf. Er ortet massive Wissensdefizite etwa darüber, dass PC-Tastaturen oder eine Maus genauso oft desinfiziert gehören wie Türschnallen. Oft gelte das Prinzip „was man nicht sieht, kann einem nicht schaden.“ Informationen zu Impfungen werden hingegen in der Apotheke eher selten abgefragt.

Wichtig ist Hygiene auch für Lehrer. In der Sport- und Kreativmittelschule Korneuburg hat Direktor Reinhard Rössler schon vor zwei Jahren im Lehrerzimmer und im Turnlehrerkammerl Spender zur Handdesinfektion installieren lassen. „Gerade im Turnunterricht kann man an den Geräten wie etwa Reckstangen mit vielen Bakterien in Kontakt kommen“, so Rössler. In den Klassen stehen dann Waschbecken zur Verfügung.

Umfrage beendet

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