Lenker (28) schoss auf S3 auf Autofahrer: Prozess. Heute, am 28. August, begann am Landesgericht Korneuburg ein Schwurgericht gegen einen heute 29-Jährigen, der auf der Weinviertler Schnellstraße (S3) bei Sierndorf aus seinem Wagen einen gezielten Schuss auf einen anderen Fahrzeuglenker (55) abgegeben haben soll.

Von Jutta Hahslinger. Update am 28. August 2019 (10:38)
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Der 55-Jährige blieb bei dem Vorfall unverletzt, sein Glück war, dass das Projektil in der Gummidichtung des Seitenfensters stecken geblieben war.

Überholmanöver, Lichthupengeplänkel – und ein Schuss

Am 27. Mai dieses Jahres (2019) kam es auf der Weinviertler Schnellstraße S3 im Bezirk Korneuburg zwischen zwei Fahrzeuglenkern zu Szenen, die man sonst nur im Film vermuten würde: Einem rüden Überholmanöver folgte ein Geplänkel mit der Lichthupe und letztlich folgte eine Schussabgabe. Zum Glück durchschlug das Projektil nicht die Seitenscheibe und das anvisierte Opfer aus dem Bezirk Hollabrunn blieb unverletzt.

Nachdem der 55-Jährige über Notruf die Polizei verständigt und das Kennzeichen des mutmaßlichen Schützen durchgegeben hatte, wurde dieser – ein 29-jähriger Weinviertler – in Stockerau angetroffen. Er soll gegenüber den Polizisten einen Disput mit einem anderen Fahrer zugegeben, aber eine Schussabgabe geleugnet haben. Weitere Angaben verweigerte er.

Nachdem die Ermittler eine Waffe im Kofferraum gefunden hatten, wurde der 29-Jährige festgenommen und verweilte bis zum Prozess wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

S3 Korneuburg Lenker (28) schoss auf Autofahrer:  Prozess wegen versuchten Mordes
Richter Helmut Neumar leitet das Schwurgericht.
Jutta Hahslinger

Der Geschworenenprozess wird von dem erfahrenen Strafrichter Helmut Neumar geleitet. Die Anklagebehörde wird von Staatsanwalt Stefan Dunkl vertreten. Mit Spannung wird erwartet, wie sich der 29-jährige Angeklagte mit seinem Rechtsbeistand Werner Tomanek verantworten wird.

UPDATE: Angeklagter leugnet Mordversuch

„Es steht außer Frage, dass ich geschossen habe“, gesteht der 29-jährige Weinviertler vor Gericht die Schussabgabe auf der Weinviertler Schnellstraße S3 am 27. Mai dieses Jahres. Er habe aber nicht auf den Lenker gezielt, sondern nur über das Auto geschossen, beteuert er und leugnet den angeklagten Mordversuch. Sein Verteidiger Werner Tomanek sieht in der Schussabgabe eine gefährliche Drohung.

Der Angeklagte präsentiert sich vor Gericht als liebevoller Familienmensch und Vater eines dreijährigen Kindes. Er sei gelernter Koch und Kellner und habe zuletzt als Veranstaltungsleiter gearbeitet.

„Ich habe geschossen, aber nicht auf Lenker“

„Ich bin damals beruflich und privat unter Strom gestanden. Ich hatte Tage vor dem Vorfall einen heftigen Streit mit meiner Lebensgefährtin. Ich hegte den Verdacht, dass sie mich betrügt. Deshalb habe ich viel getrunken und auch Kokain konsumiert. Hinzu kamen dann noch Probleme mit der Heimhilfe meiner Oma. Ich war aus der Spur. Auf der Rückfahrt nach Stranzendorf hat mich dann noch der Lenker provoziert. Erst verursachte dieser fast eine Kollision während meines Überholmanövers, dann zeigt er mir noch den Vogel und betätigt die Lichthupe“, so der Angeklagte.

Er habe sich geärgert, sei nicht mehr ganz Herr seiner Sinne gewesen und habe im Zorn dann zur Waffe gegriffen, das Seitenfenster geöffnet und einen Schuss abgegeben: „Ich wollte aber doch nie jemanden töten oder verletzten“, beteuert der 29-Jährige und erklärt: „Es war saudeppert. Ich war ein Idiot!“

Opfer im Zeugenstand: „Ich hatte Todesangst“

„Ich hatte mich über das rüde Überholmanöver geärgert und dem Rowdy meinen Unmut mit der Lichthupe gezeigt“, schildert das Opfer, ein 55-jähriger Weinviertler aus dem Bezirk Hollabrunn, im Zeugenstand. Der Weinviertler räumt auch ein, dass er eventuell auch die Geste des „Scheibenwischers“ gemacht und geschimpft habe. Seltsam sei ihm dann vorgekommen, dass der Lenker auf der Überholspur sein Tempo reduziert hat: „Er war mit meinem Fahrzeug auf gleicher Höhe. Ich ahnte Böses, und so war es dann auch. Ich schaute rüber und sah, dass er eine Waffe in der Hand hielt und damit auf meinen Kopf zielte. Ich dachte noch, er will mich erschießen, da hörte ich einen lauten Knall. Er hat geschossen, dachte ich und schaute geschockt ich in den Spiegel, ob er mich am Kopf getroffen hat. Ich zitterte so stark, dass ich nicht gleich das Handy bedienen und die Polizei anrufen konnte. Ich wollte auch die nächste Abfahrt nicht nehmen, weil der Schütze da abgefahren ist. Ich hatte Todesangst, dass er auf mich wartet und mich erschießen wird“, schildert der Weinviertler, der nach dem traumatisierenden Vorfall in medizinischer Behandlung ist und nach wie vor an Panikattacken, Angstzuständen und Schlafstörungen leidet. „Ich übe wieder. Aber derzeit kann ich alleine noch keine Autofahrten unternehmen“, erzählt der 55-Jährige. Er sagt klipp und klar, dass für ihn der Angeklagte gezielt auf ihn geschossen habe.

S3-Schütze beteuert: „Ich wollte nie jemanden verletzen oder töten!“

Der Angeklagte bleibt bei seiner Beteuerung, dass er nicht auf den Kopf des Lenkers gezielt habe. Er will auch nicht bemerkt haben, dass er einen Treffer gelandet hat: „Sonst hätte ich doch die Waffe weggeworfen. Sie war von meinem Opa und die hatte ich zufällig dabei, weil ich sie ummelden wolle“, sagt er vor Gericht. Er räumt aber ein, dass er als Inhaber einer Waffenbesitzkarte gewusst habe, dass er die nicht registrierte Waffe nicht mitführen durfte.

Eine Waffe und deren Munition dazu geeignet waren, einen Durchschuss einer Autoscheibe zu verursachen und einen Menschen zu töten, bestätigt der Waffenexperte, und dieser führt weites aus, dass die Waffe voll funktionsfähig war.

„Es war ein Riesenglück für den 55-Jährigen, dass das Projektil die Scheibe nicht durchschlagen, sondern abgelenkt wurde und im Gummi stecken geblieben ist“, sieht Ankläger Stefan Dunkl in der Tat weder eine gefährliche Drohung noch eine versuchte schwere Körperverletzung, wie Verteidiger Werner Tomaenk plädiert, sondern einen versuchten Mord.

Die Geschworenen ziehen sich zur Beratung zurück.