„Wenn es wer schafft, dann der Martin“. Martin Göksu aus Stockerau erreichte letzte Woche als erster Arzt den verletzten Höhlenforscher. Freunde zittern mit.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 17. Juni 2014 (08:15)
NOEN, privat
Die große Leidenschaft des Arztes Martin Göksu ist die Erforschung von Höhlen. Das kommt ihm jetzt bei seinem Rettungseinsatz in der Riesending-Höhle in Bayern zu Gute. Foto: privat
Als am vergangenen Mittwoch die Meldung durch die Medien ging, dass ein Arzt aus Niederösterreich in die Riesending-Schachthöhle in Bayern klettert, war für Freunde und Bekannte sofort klar: „Da kann nur der Martin unterwegs sein!“

Seit über zehn Jahren Mitglied der Höhlenrettung NÖ

Martin Göksu aus Stockerau war der erste Arzt, der den verletzten Höhlenforscher in rund 1.000 Metern Tiefe erreichte. Der 52-jährige Johann Westerhauser aus Stuttgart erlitt durch einen Steinschlag ein Schädel-Hirn-Traum, seit Pfingstsonntag läuft die Rettungsaktion.

Der 36-Jährige Göksu ist seit über zehn Jahren Mitglied der Höhlenrettung Niederösterreich und pendelt derzeit zwischen seiner Arbeitsstätte in Bayern und Stockerau. Dort hofft nicht nur die Familie auf ein baldiges Wiedersehen mit dem zweifachen Familienvater.

Auch viele ehemalige Handballkollegen des UHC Stockerau halten die Daumen, dass alles nach Plan läuft. Dazu zählt auch Ernst Hanke, der selbst schon mit Göksu in einer Höhle unterwegs war. „Er macht das schon jahrelang und ist äußert professionell“, beschreibt Hanke seinen Kollegen. Seiner Leistung bringt er größten Respekt entgegen: „In diesem finsteren Loch stelle ich es mir für die Psyche sehr anstrengend vor.“

„Er ist von Kraft und Ausdauer her total zäh“

Seine große Leidenschaft sei es, Höhlen zu erforschen, aber auch Nasshöhlen zu durchtauchen. Vor Jahren berichtete die NÖN über eine Expedition zum Palfauer Wasserloch, wo Göksu gemeinsam mit fünf anderen Höhlentauchern erkunden wollte, warum der Wasserstand im Wasserloch unabhängig von Niederschlägen so stark schwankt.

„Ich habe mir gleich gedacht, es kann nur einen geben“, schildert Joachim Westermeier seine ersten Gedanken, als er von der Rettungsaktion durch einen niederösterreichischen Arzt erfuhr. Der Mediziner aus Korneuburg und Göksu kennen sich schon aus Kindergartenzeiten. Göksu hatte es immerhin als erster Arzt geschafft, zu dem Verletzten zu gelangen - physisch und psychisch eine enorme Herausforderung.

„Er hat immer schon alles Extreme geliebt“, weiß Westermeier. „Er ist bezüglich Kraft und Ausdauer wahnsinnig zäh.“ Auch im Industriebereich sei Göksu immer wieder zu schweren Taucheinsätzen gerufen worden. „Das war neben seinem Studium seine große Leidenschaft“, erinnert er sich. Ob Göksu lange überlegt hat, diesen Einsatz zu machen? „Garantiert nicht“, ist Westermeier überzeugt, „denn wenn das einer schafft, dann er!“