Landwirtschaft geht alle an: Ehepaar setzt ein Zeichen. Die Wetzleinsdorfer Landwirte Rudi und Sonja Lehner setzen ein Zeichen: Sie möchten mit grünen Kreuzen auf die schwierige Lage vieler Bauern aufmerksam machen.

Von Stefanie Schmid. Erstellt am 27. November 2019 (05:13)
„Nur wenige Bauern haben ein ausreichendes Einkommen“, mahnt Rudi Lehner.
Schmid

Grüne Kreuze sieht man derzeit auf einigen Feldern der Familie Lehner. Diese haben Symbolcharakter: Sie wurden gesetzt, um auf das Bauernsterben aufmerksam zu machen. Die Idee dazu holte sich Rudi Lehner aus Deutschland, wo die Kreuze aufgrund eines Agrarpakets aufgestellt wurden.

Lehner zeigt sich solidarisch: „Die Landwirtschaft kommt in schwierige Gewässer, denn der Bauer steht mit seiner saisonalen Arbeit oft in Konflikt mit den Interessen der Anrainer.“ Dabei werde die Landwirtschaft zunehmend zum Spielball zwischen politischen und gesellschaftlichen Interessen.

„In Wahrheit haben nur wenige Bauern ausreichend Einkommen“

„Man produziert für eine globalisierte Welt, in der es große unterschiedliche Voraussetzungen gibt, jedoch wird der Preis immer von den Produktbörsen abgeleitet. In diesen Preisen gibt es keinen Ausdruck der unterschiedlichen Produktionsstandards. Aus diesem Grund bin ich für eine Herkunftskennzeichnung bei allen Lebensmitteln, auch bei verarbeiteten Produkten.“ Für ihn steht fest: Auch der Konsument trägt Verantwortung, er sollte sich mit dem Thema Lebensmittel und deren Herkunft auseinandersetzen.

Lehner selbst hat als gelernter Konditor mit seiner Frau Sonja, die als Lehrerin gearbeitet hat, den elterlichen Betrieb übernommen. Die landläufige Meinung, alle Bauern seien reich, liegt für ihn weitab der Realität: „In Wahrheit haben nur wenige Bauern ausreichend Einkommen. Viele Betriebe gibt es nur, weil Grundflächen seit Generationen weitergegeben wurden und oft durch persönliche Entbehrungen erhalten werden konnten.“ Und wie sieht er seine Zukunft als Landwirt? „Man muss innovativ sein und neue Dinge ausprobieren.“ Seit einigen Jahren betreibt seine Frau eine Direktvermarktung.

„Lebensmittel unterliegen Modeerscheinungen und Trends, die man in gewisser Weise mitmachen muss“, sagt er. Aber auch Innovationsbereitschaft wird nicht immer gutgeheißen: „Heutzutage soll man neue Dinge ausprobieren, und dann steht man vor Gericht wegen der Lärmbelastung von Weidegänsen.“ Ein Umstand, der sich durch mehr Akzeptanz gegenüber landwirtschaftlichen Tätigkeiten und einen verantwortungsvolleren Umgang mit heimischen Lebensmitteln auflösen könnte, ist Lehner sicher.

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