Pendler kritisieren ÖBB nach Zugunfall. Erboste Fahrgäste schilderten der NÖN ihre Erlebnisse nach dem Unfall in Wien-Floridsdorf. Einhellig berichten sie von der „katastrophalen Informationspolitik“.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 10. Juli 2019 (03:22)
APA/Helmut Fohringer
Auslöser für die Ausfälle war der Zusammenstoß einer nicht besetzten Doppelstock-Garnitur mit einer S-Bahn zwischen Floridsdorf und Siemensstraße.Helmut Fohringer

Die Heimatfahrt Richtung Laa/Thaya endete für die Pendler am Montag vor einer Woche im Chaos. Nach einer Zugkollision in Wien-Floridsdorf ging im
S-Bahn-Verkehr in Richtung Norden nichts mehr. Die Schilderungen der Pendler, die das Krisenmanagement der ÖBB kritisieren, decken sich.

„Seit über 30 Jahren hat es noch nie ein derartiges Chaos gegeben“, erzählt Karl Mechtler, Obmann der Ladendorfer Pendlerinitiative. Passieren könne immer etwas, ist ihm bewusst, „aber die Informationspolitik der ÖBB war katastrophal.“ In die gleiche Kerbe schlägt Nikolaus Authried, der heim nach Kapellerfeld fahren wollte. „Vier Stunden hat es gedauert, bis die ÖBB einen Schienenersatzverkehr auf die Beine stellen konnte“, schüttelt er den Kopf.

 Anruf bei ÖBB-Hotline half nicht weiter

 Am Handelskai wurden die Wartenden informiert, dass der nächste Zug in einer Stunde fährt. Nachdem Authried eine Stunde die Zeit totgeschlagen hatte, kam die knappe Info, dass nun doch kein Zug fahre. Auch ein Anruf bei der ÖBB-Hotline brachte keine Hilfe. Man solle sich eine alternative Möglichkeit suchen, riet die Dame, ehe sie einfach auflegte.

Schließlich wurden die Passagiere nach Leopoldau dirigiert, von wo ein Zug losfahren sollte. Tatsächlich wartete dort eine S-Bahn. Als die Fahrgäste einsteigen wollten, kam die Durchsage, es gäbe nun einen Schienenersatzverkehr. „Dann ist die Bahn plötzlich doch gefahren“, greift sich Authried an den Kopf.

Die ÖBB bedauert auf NÖN-Anfrage die Unannehmlichkeiten. Man hätte laufend über die Einstellung des Zugverkehrs zwischen Floridsdorf und Leopoldau via Durchsage informiert, wehrt sich Sprecher Daniel Pinka gegen die Vorwürfe. Die Kunden seien aufgefordert worden, nach Leopoldau zu fahren, „von dort sind durchgängig S-Bahnen gefahren.“