Wird Au verkitscht?. STOCKERAU / Der geplante Familienradweg in der Au ist der „Projektgruppe Au“ ein Dorn im Auge: „Das passt nicht!“

Von Michaela Höberth. Erstellt am 04. März 2014 (23:59)
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Von Michaela Höberth

Ein Radweg scheidet die Geister: Wie berichtet, ist zwischen Stockerau und St. Andrä-Wördern eine Familienradroute geplant. Entworfen wurde diese vom Weinviertel Tourismus und via donau. 17 Kilometer lang soll die Strecke insgesamt werden, das Maskottchen des Weinviertels, Betty Bernstein, soll die Familien dabei mit Wissenswertem und Aufgaben begleiten.

Spielstationen in der Au sind ein veraltetes Konzept

„Die Familienradroute ist ein künstliches Projekt. Das passt nicht in die Au“, findet ÖVP-Stadtrat Karl Kronberger. Er ist Teil der „Projektgruppe Au“, die sich im Rahmen der Stadterneuerung formiert hat. Diese hat sich die Revitalisierung des Lenauwegs an die Fahnen geheftet, versucht aber auch auf anderen Wegen, einen schonenden Tourismus in der Au zu forcieren. Die geplanten Stationen des Familienradwegs seien jedenfalls nicht das, worauf man hingearbeitet habe.

„Auch nach Verbesserungsvorschlägen durch unsere Projektgruppe entspricht das Vorhaben schon im Grundsätzlichen nicht dem Gedanken der sanften touristischen Vermarktung“, so Kronberger. Die Stationen seien starre Installationen, die nur auf eine minimale Zielgruppe ausgerichtet sind. Das findet auch Grünen-Stadtrat Andreas Straka, ebenfalls Projektgruppenmitglied, für den der Radweg eine Verkitschung ist. „Künstliche Spielstationen in der Au sind ein veraltetes Konzept. Zusätzlich sind sie auch sehr betreuungsintensiv“, kritisiert er.

Familienradroute nur Teil eines umfassenden Konzepts

Die Leiterin des Projekts, Sonja Eder vom Weinviertel Tourismus, wundert sich über die Aufregung. Vor allem, da das Konzept bereits überarbeitet und an die regionalen Gegebenheiten angepasst worden sei. „Es wird sogar noch einen Termin dazu geben“, verspricht sie. Ziel des Projekts sei es, den Ausflugstourismus zu stärken. „Die Familienradroute ist dabei nur ein Teil eines umfassenden Konzepts“, erklärt sie. Die Au wurde deshalb als Standort gewählt, da es sonst keine autofreien Flächen in der Region gäbe.

Eder sieht keinen Grund, wa-rum nicht sowohl die Radroute als auch der Lenauweg in der Au Platz finden könnten. „Die beiden Projekte haben unterschiedliche Zielgruppen. Sie würden sich sogar ergänzen“, findet sie. Ähnlich sieht das SPÖ-Bürgermeister Helmut Laab: „Die Konzepte stehen für mich in keinem Widerspruch. Außerdem befinden wir uns erst in der Projektphase, es sind also noch Änderungen möglich.“ Im Juni soll der Radweg - so der Plan - jedenfalls eröffnet werden.

Zitate zum Thema

„Sinnvoller als dieses Projekt wäre es, die bereits bestehenden Angebote besser aufeinander abzustimmen und zu vermarkten. Dazu müssen alle Beteiligten an einen Tisch und die Möglichkeiten diskutieren. So könnte das Kleinod Stockerauer Au als Dachmarke positioniert und touristisch schonend vermarktet werden. Jedenfalls ließe sich hier einiges machen, ohne viel Geld in die Hand nehmen zu müssen. Der eigentliche Hintergrund des Vorhabens ist sicherlich, dass in Fördertöpfen noch Gelder vorhanden sind, die noch zu bekommen wären.“
Karl Kronberger, Mitglied der „Projektgruppe Au“

„Mit den Fördergeldern hat das Projekt nichts zu tun. Es wurde schon vor Auslauf der Mittel eingereicht. Es ist ohnehin nur Teil eines ganzheitlichen Konzepts, das den Ausflugstourismus in der Region forcieren soll. Die Au haben wir deshalb gewählt, weil es sonst nirgendwo in der Region autofreie Flächen gibt. Ich verstehe nicht, warum nicht verschiedene Projekte verwirklicht werden können. Sie richten sich doch an ganz unterschiedliche Zielgruppen und würden sich sogar ergänzen.“ Sonja Eder, Projektleiterin