Bluttat in Gerasdorf: Beschuldigte schweigen weiter. Das im Zusammenhang mit der Bluttat in Gerasdorf bei Wien (Bezirk Korneuburg) an Mamichan U. alias Martin B. (43) vom Samstagabend festgenommene Duo schweigt ...

Von APA, Redaktion. Update am 07. Juli 2020 (12:22)
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Die beiden Beschuldigten haben bis Dienstagvormittag geschwiegen und weiter keine Angaben gemacht. Wie Friedrich Köhl, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg auf Anfrage mitteilte, war auch das vorläufige Obduktionsergebnis ausständig.

Resultate des seitens der Anklagebehörde in Auftrag gegebenen Schießgutachtens seien erst in mehreren Wochen zu erwarten, sagte Köhl zudem. Eine solche Expertise sei "sehr aufwendig".

Für die Polizei sei die Motivlage weiterhin offen, sagte Roland Scherscher, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) Niederösterreich .

Es könnte demnach eine politische Handlung ebenso vorliegen wie etwa ein Streit, sagte Scherscher. Er bestätigte, dass das Opfer an der B7 in Gerasdorf von mehreren Schüsse getroffen worden war, wir hatten berichtet:

Bestätigt wurde von der Landespolizeidirektion Niederösterreich bereits am Montag, dass Mamichan U. alias Martin B. "vor der an ihm ausgeführten Gewalttat einen polizeilichen Personenschutz abgelehnt hat". Über die Beschuldigten - neben dem 47-Jährigen auch ein zunächst als Zeuge geführter zehn Jahre jüngerer Mann, ebenfalls aus der tschetschenischen Community, so Friedrich Köhl von der Staatsanwaltschaft Korneuburg, wurde noch am Wochenende die U-Haft verhängt.

Der 37-Jährige war mit dem späteren Opfer nach Gerasdorf gekommen. Das bestätigten sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft. Der Mann wurde ebenfalls am Samstagabend festgenommen.

Erschossener war mehrfach vorbestraft

Am Montag wurde zudem bekannt, dass Mamichan U. alias Martin B. mehrfach vorbestraft war. Er wurde u.a. wegen Schlepperei, Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung und falscher Zeugenaussage verurteilt. Zuletzt hatte er bis Spätsommer 2019 eine Freiheitsstrafe verbüßt, aus der er Anfang September bedingt entlassen wurde.

Der mutmaßliche Schütze soll in strafrechtlicher Hinsicht ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt sein. Der 47-Jährige war in Ansfelden (Bezirk Linz-Land) gemeldet, wo nach seiner Festnahme eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde. Ob dabei Beweismaterial sichergestellt wurde, das in Richtung eines Auftragsmordes deuten könnte, blieb vorerst unklar. Als gesichert kann gelten, dass der am Samstag getötete 43-Jährige mit seinem Youtube-Channel, in dem er sich in den vergangenen Monaten äußerst kritisch mit der Führung der russischen Teilrepublik Tschetschenien auseinandergesetzt hatte, den dortigen Regionalpräsidenten Ramsan Kadyrow gegen sich aufgebracht haben dürfte.