Hotel, Garage etc.: Mega-Projekt für Kremser Innenstadt. Bis 2024 sollen unter anderem Hotel und Tiefgarage entstehen. Über 20 Mieter müssen ausziehen.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 14. Oktober 2020 (06:03)
2022 soll das Ensemble in der Innenstadt, das vier Teilobjekte umfasst, abgerissen werden. Davor muss der Spar-Markt ebenso wie einige andere Mieter, die in einem der Häuser beruflich tätig sind, ausziehen. Ob das Lebensmittelgeschäft nach der geplanten Fertigstellung des Neubaus 2024 zurückkehrt, ist offen. Bis dahin ist es aber ohnehin noch ein weiter Weg. Die behördliche Einreichung des Projekts erfolgt erst nach dem Abschluss eines Architekturwettbewerbs im ersten Quartal des Jahres 2021.
s: Johann Lechner, Kremser Bank

Die Innenstadt erwartet eines der größten Projekte seit Jahrzehnten. Die Häuser in der Oberen Landstraße, in denen aktuell eine Selbstbedienungsfiliale der Kremser Bank und ein Spar-Markt beheimatet sind sowie das Gebäude, in dem bis November 2019 der deutsche Drogerieriese Müller eine Filiale hatte, sollen abgerissen werden.

Es handelt sich dabei um ein Ensemble mit 2.900 Quadratmetern Grundfläche, das im Eigentum der SK Immobilien GesmbH, einer Tochterfirma der Kremser Bank, steht, und bis in die Sparkassengasse und Spitalgasse reicht.

Federführend verantwortlich in einem einjährigen Entwicklungsprozess zur bestmöglichen Neunutzung der Fläche war Christian Hager, Direktor der Kremser Bank und Geschäftsführer der SK Immobilien GesmbH. Er gab der NÖN einen exklusiven Einblick, was sich hinter dem Mega-Projekt mit dem Namen „Sparkassengasse 1“ verbirgt.

„Das ist die größte Chance für die Kremser Innenstadt in den letzten Jahrzehnten.“Christian Hager, Direktor der Kremser Bank

Geplant ist die Errichtung eines Hotels mit 110 Zimmern, einer zweigeschossigen Tiefgarage mit 150 Parkplätzen, von Eigentumswohnungen und modernen Geschäftsflächen. Seit 5. Oktober läuft ein Architekturwettbewerb, aus dem im ersten Quartal 2021 ein Sieger hervorgehen soll. Der Spatenstich soll 2022 erfolgen, die Bauzeit zwei Jahre betragen.

Federführend für das Projekt verantwortlich: Christian Hager, Geschäftsführer der SK Immobilien GesmbH.
F: Kremser Bank

Die Kremser Bank möchte mit dem Projekt einen erheblichen Beitrag zur Attraktivierung der Innenstadt leisten. Hager sieht gar die „größte Chance für die Kremser Innenstadt in den letzten Jahrzehnten“ gekommen und bezieht sich dabei vor allem auf den touristischen Aspekt.

Bei einer durchschnittlichen Auslastung des Hotels im Vollbetrieb könne man von rund 50.000 zusätzlichen Nächtigungen ausgehen. „Bezogen auf die durchschnittlichen Tagesausgaben eines Touristen bedeutet das einen Kaufkraftgewinn von rund 12,5 Millionen Euro pro Jahr, der, bei entsprechendem Angebot, primär den Unternehmen der Kremser Innenstadt zugutekommen wird.“

Besonders wichtig ist Hager, dass der Neubau im Einklang mit dem historischen Umfeld in der Innenstadt steht. Die UNESCO, die der Wachau vor 20 Jahren den Weltkulturerbe-Status verliehen hat und ICOMOS Austria, das Österreichische Nationalkomitee des Internationalen Rats für Denkmalpflege, seien deswegen von Anfang an eingebunden gewesen.

Die behördliche Einreichung des Projekts am Anlagenamt des Magistrats wird nach dem Abschluss des Architektenbewerbs und der anschließenden Detailplanung erfolgen. Das grundsätzliche Wohlwollen des Stadtoberhauptes gibt es aber schon jetzt: „Eine weitere Attraktivierung und Belebung unserer Altstadt ist zu unterstützen“, teilt Bürgermeister Reinhard Resch auf NÖN-Anfrage mit.

So verheißungsvoll das Projekt für die Innenstadt ist, so schmerzhaft ist es für einige der über 20 Mieter, die aktuell noch in den vier Häusern leben. Sie alle müssen spätestens bis 2022 ausziehen. Betroffen sind neben dem Spar-Markt auch Zahnarzt Roland Ketzer, der erst vor wenigen Jahren seine Ordination erneuert hat, die Fahrschule Wachau, ein Kosmetikstudio, ein Fußpflegestudio, ein Friseursalon und einige private Mieter.

Seit 45 Jahren Mieterin: „War psychisch fertig“

Eine davon ist Eva Ehrgott, die mit ihrem Mann Adolf seit 45 Jahren in dem Haus in der Sparkassengasse 1 lebt. Die 76-Jährige ist verzweifelt: „Mir ist es scheußlich gegangen, als ich davon erfahren habe. Ich war psychisch fertig. Ich kann nicht mehr so weit gehen und will deshalb unbedingt in der Stadt bleiben.“ Sie könne nicht jedes Mal ihre Söhne um Hilfe bitten, wenn sie etwas vom Fleischhauer oder aus der Apotheke brauche, sagt Ehrgott.

Keinesfalls ausziehen will auch Monika Göllner, die seit 44 Jahren in besagtem Haus lebt. Sie sei „paralysiert“ gewesen, als ihr Hager, der alle Mieter persönlich informiert hat, die Nachricht mitgeteilt hat. Die 72-Jährige sucht nun Hilfe beim Mieterschutz und ihrer Anwältin. „Herr Hager hat gesagt, es wird eine Ersatzwohnung gesucht. Ich ziehe aber sicher nicht in die Mitterau und auch nicht nach Stein“, sagt Göllner, die sich Rückendeckung von der Stadt erwartet.

Auf die Einzelschicksale eingehen wollte Hager der NÖN gegenüber mit dem Verweis, dass dies „unseriös“ wäre, nicht. Er könne jedoch versichern, dass die Situation sehr ernst genommen werde und kein Mieter „einfach so im Regen stehen gelassen“ werde. Rechtlich gesehen ist die SK Immobilien GesmbH jedenfalls auf der sicheren Seite. Die Kündigung der Mietverträge im Zuge eines Neubaus ist durch das Mietrechtsgesetz gedeckt, sofern den Mietern Ersatz beschafft wird.

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  • Mega-Projekt für Kremser Innenstadt: Gute Idee?