„Anti-Homo-Haus“: Wirbel um Unterkunft

Erstellt am 09. Februar 2022 | 04:36
Lesezeit: 3 Min
Beherbergungsbetrieb in Aggsbach Markt nimmt keine homosexuellen Gäste auf. Gemeinde löschte Haus von Website.
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Zimmer, Preise und Kontakt, das sind die üblichen Kategorien, die bei der Buchung einer Unterkunft für Gäste interessant sind. Auf der Homepage des „Arbeiter-Monteur-Quartiers“ in Aggsbach Markt ist es allerdings ein anderer Punkt, der sofort ins Auge sticht.

„Warum wir ein Anti-Homo-Haus sind“, unter diesem Aufhänger ist nachzulesen, warum in dem Beherbergungsbetrieb in der Wachau keine homosexuellen Gäste erwünscht sind. Man wolle nichts mit „AIDS oder Syphilis zu tun haben“, heißt es da unter anderem.

In den Hausregeln wird präzisiert: „Homosexualität, Pädophilie und Gender-Ideologie“ seien „Philosophien“, die „die seelische Gesundheit aller Betroffenen zerstören.“

Hausherr: „Homosexualität ist eine Krankheit“

Betreiber der Zimmervermietung ist der gebürtige Wiener Michael Hirschmann. Vor zehn Jahren habe er das Haus am Rande des Bezirks Krems gekauft. Im Telefonat bestätigt er, dass gleichgeschlechtliche Paare bei ihm tatsächlich nicht erwünscht sind. Kontrollieren könne er die sexuelle Orientierung seiner Gäste aber nicht.

Hirschmann, der sich selbst als gläubigen Christen und Homosexualität als „Krankheit“ bezeichnet, bestreitet die diskriminierende Intention seiner Maßnahme. Sie habe lediglich „gesundheitliche Hintergründe.“ Und: „Ich verdiene lieber Geld, als politisch korrekt zu sein“, meint er, dass seine vornehmlich ausländischen Gäste die Linie des Hauses befürworten.

Bürgermeister Josef Kremser (ÖVP) wusste nichts von dem „Anti-Homo-Haus“ in seiner Gemeinde. „Das ist starker Tobak. So etwas geht gar nicht.“ Bis zuletzt war der Beherbergungsbetrieb auf der offiziellen Gemeinde-Homepage gemeinsam mit mehreren anderen Unterkünften verzeichnet. Kremser sorgte inzwischen für die Löschung des Beitrags.

Kritik an der irritierenden Hausordnung übt Ann-Sophie Otte, die Obfrau der Homosexuellen Initiative Wien (HOSI). Es handle sich dabei um „ein neues Extrem“, das man sich anschauen müsse. Auf der Website werde mit vielen Falschinfos Desinformation betrieben.

Rechtlich sieht Otte wenig Angriffsfläche, weil „wir in Österreich leider keinen vollumfassenden Diskriminierungsschutz haben“. Keine Möglichkeit, aktiv zu werden, hat die NÖ Antidiskriminierungsstelle. Zwar behandelt die Institution des Landes Beschwerden gegen Diskriminierungen der sexuellen Orientierung. Voraussetzung sei aber, dass ein NÖ Landesgesetz greift. Bei Privatzimmervermietungen sei dies nicht der Fall.

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