Fischwanderhilfe: Jetzt fließt das erste Wasser. LIFE Network Danube Plus: Die neue Fischwanderhilfe Altenwörth ist die längste im ganzen Land und macht das Donaukraftwerk auch für Wasserbewohner passierbar.

Von Günter Rapp. Erstellt am 19. April 2021 (05:29)
Seit wenigen Tagen ist der Damm zum Krems-Kamp-Gerinne entfernt und damit die fischfreundliche Verbindung der beiden Waldviertler Flüsse mit der Donau wieder hergestellt worden.
Verbund AG, Verbund AG

Das Donaukraftwerk Altenwörth wird dank Niederösterreichs längster Fischwanderhilfe nun auch für Wasserbewohner passierbar. Das Umgehungsgerinne schafft zwölf Kilometer neuen Lebensraum entlang der Donau. Zusätzlich verbessert die Verbund AG als Kraftwerksbetreiber zusammen mit der Marktgemeinde Kirchberg die Badequalität am Altenwörther Altarm.

Nach einjähriger Bauzeit ist das Bett der neuen Fischwanderhilfe weitgehend fertiggestellt. Insgesamt werden bei den Arbeiten 580.000 Kubikmeter Kies und Feinsediment bewegt. Das Aushubmaterial wird vor Ort im Bereich des Altarmes genutzt. Der Bagger entfernte vor wenigen Tagen den Damm zum Krems-Kamp-Gerinne und stellte damit die fischfreundliche Verbindung der beiden Waldviertler Flüsse mit der Donau wieder her.

„Zusammen mit fischfreundlichen Maßnahmen im Bereich des Gießgangs im Oberlauf des Kraftwerks Greifenstein entsteht somit das Projekt „LIFE Network Danube Plus“ in Partnerschaft und Mitfinanzierung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus, dem Land Niederösterreich und dem Niederösterreichischen Landesfischereiverband sowie der Europäischen Union im Rahmen der LIFE+-Projekte“, sagt Verbund-Pressesprecher Florian Seidl.

„Solche erfreulichen Projektfortschritte erfüllen uns mit besonderem Stolz, weil wir damit ökologischen Mehrwert für kommende Generationen schaffen“, so Verbund-Chef Michael Strugl. „Wir bringen Wasserkraft und Ökologie so weit wie möglich in Einklang. Nachhaltige Stromerzeugung und Rückzugsräume der Artenvielfalt sind an der Donau selten geworden, wir schaffen hier eine Wende.“

Naturlandschaften sind große Schätze

„Intakte Naturlandschaften und Gewässer zählen zu den größten Schätzen unseres Landes und der sorgsame Umgang damit ist in allen Bereichen die Basis für eine gesicherte Zukunft. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus stellt für die Sanierung von Gewässern 200 Millionen Euro an Finanzmitteln zur Verfügung. Deswegen unterstützt mein Ressort die Umsetzung der Fischaufstiegshilfe beim Kraftwerk Altenwörth als Teil des Projektes LIFE Network Danube Plus, da der Naturraum Donau dadurch wesentlich aufgewertet wird,“ stellt Bundesministerin Elisabeth Köstinger dazu fest.

„Wir schützen, was wir lieben und geben der Natur wieder mehr Platz. Durch dieses Projekt können Fische wieder ungehindert passieren und über weite Strecken ziehen“, freut sich Landeshauptfrau-Stv. Stephan Pernkopf. „Außerdem zeigt es, dass Energiewende und Ökologisierung im Naturland Niederösterreich Hand in Hand gehen.“

Bis Anfang Juni wird die Überquerung des Altarmes und des Kraftwerks für Radfahrer weiterhin nur erschwert passierbar sein. Die Projektleitung ist bemüht, wie gewohnt an den arbeitsfreien Wochenenden die Querung zu ermöglichen. Vollsperren sind aber während der Adaptierung der Altarm-Schwelle leider nicht auszuschließen. Bis Sommerbeginn ist geplant, diese endgültig wieder für den Radverkehr freizugeben.

12,5 Kilometer für die Rettung der Artenvielfalt

Die Fischwanderhilfe, welche sich über 12,5 Kilometer erstreckt, wird die längste Niederösterreichs. Sie verbindet Renaturierungsprojekte an der Donau mit ihren Zubringerflüssen und stärkt damit die Artenvielfalt der Donau. Vom Eisernen Tor in Rumänien bis nach Ybbs wird die Donau damit wieder durchgängig, die ökologischen Rückzugsmöglichkeiten entlang des Flusses werden aufgewertet.

Zusätzlich zur Fischwanderhilfe verbessert die Verbund AG als Kraftwerksbetreiber zusammen mit der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram die Badequalität am Altenwörther Altarm. Hier wird ein künstliches Biotop errichtet. Sinn dieses „constructed wetlands“ ist die Selbstreinigung des Wassers. Das Überangebot an Nährstoffen wird gefiltert und reduziert. So soll das Algenwachstum auf ein natürliches Maß gebremst werden. Vorbild für die Wasserqualität ist der Altarm beim Donaukraftwerk Greifenstein.