Bezirk Krems: Großteil der Hilfsgelder sind Kredite. Viele Unternehmen müssen Corona-Unterstützung zurückzahlen. Staatliche Garantien teilweise nicht voll ausgeschöpft.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 16. Juni 2021 (05:37)
440_0900_373136_kre24geld_geldscheine_frei_shutterstock_.jpg
Shutterstock/DesignRa, Shutterstock/DesignRa

Für einiges an Aufregung hatte in der vergangenen Woche ein NÖN-Artikel gesorgt, in dem die vom Staat gewährten Corona-Zuschüsse und übernommenen Bürgschaften für die heimischen Unternehmen dargestellt waren. Das Personal in vielen Betrieben sah sich ob der gewährten Gelder zahlreichen Kommentaren ausgesetzt, die von Missgunst und Neid geprägt waren. Vor allem auf Social Media gingen die Wogen hoch.

Großteils Überbrückungskredit

Untergegangen schien dabei vielfach zu sein, dass ein Großteil der erwähnten Unternehmen die angeführten Summen von über 100.000 Euro nicht geschenkt bekamen, sondern dass es sich dabei um Überbrückungskredite handelt, für die die Republik Österreich die Garantie übernahm. Konkret bedeutet das, dass die Betriebe die von ihrer Hausbank ausgeschütteten Gelder, die zur Liquidität und Weiterbeschäftigung des Personals dienten, bis auf den letzten Cent zurückzahlen müssen. Die Garantie dient den Banken als Sicherheit für den Fall der Insolvenz eines Unternehmens.

„Meine Lebensversicherung ist in den Betrieb reingeflossen. Ohne den Kredit hätte ich das nicht über die Bühne gebracht.“ Helmut Preiser, Chef der Disco Apollon

Einen Kredit von 500.000 Euro erhielt das Weingut des Nikolaihofs Mautern, wie in der Transparenzdatenbank der EU-Kommission nachzulesen ist, in der alle im Jahr 2020 gewährten Corona-Hilfsgelder über 100.000 Euro verzeichnet sind. Dass man auf diese Gesamtsumme wegen der Bankgebühren sogar noch etwas draufzahlen müsse, erzählt Geschäftsführer Nikolaus Saahs.

Binnen vier Jahren muss das Familienunternehmen das Geld, das zur Deckung der Fixkosten diente, nun zurückzahlen. „Die Unterstützung war sehr wichtig, weil wir dadurch Planungssicherheit hatten. Deswegen haben wir auch nur eine Person in Kurzarbeit schicken müssen“, sagt Saahs.

Verwirrung um Zahlen in Transparenzdatenbank

Dass nicht alle Gelder wie in der Transparenzdatenbank aufgeschlüsselt tatsächlich geflossen sind, darauf macht die Fleischerei Artner aus Mautern aufmerksam. In der öffentlich einsehbaren Liste ist für den Traditionsbetrieb eine Bürgschaft über einen Überbrückungskredit von 380.000 Euro verzeichnet. Tatsächlich in Anspruch genommen habe man aber nur einen Bruchteil dieses Betrags, teilt das Unternehmen der NÖN gegenüber mit. Die Rückzahlung des Geldes, das „relativ schnell gekommen“ sei, erfolgt halbjährlich und startet noch in diesem Monat.

Seitens der COVID-19-Finanzierungsagentur des Bundes (COFAG) heißt es dazu auf Anfrage: „Bei Garantien (Bürgschaften) hat die COFAG nur die Möglichkeit, bewilligte Garantievolumen anzugeben. Dabei handelt es sich um die von Kreditnehmer und Hausbank beantragte Garantiehöhe und somit um die maximale Summe, für die die Republik für das Kapital haftet.“

Den Höchstbetrag von 170.000 Euro ausgeschöpft hat die Disco Apollon in Großreinprechts. Wie wichtig dieser Kredit war, der eine Laufzeit von fünf Jahren hat, betont Geschäftsführer Helmut Preiser: „Gerade die ersten drei Pandemie-Monate waren ein Riesen-Schlag, weil viele Events geplant waren. Meine Lebensversicherung ist zur Gänze in den Betrieb reingeflossen. Ohne den Kredit hätte ich das nicht über die Bühne gebracht.“

Installateur Menhart: 150.000 statt 300.000

150.000 der in der EU-Datenbank angeführten 300.000 Euro hat der Installateurbetrieb Menhart aus Furth als Überbrückungskredit in Anspruch genommen. Die Rückzahlung erfolgt binnen drei Jahren. „Es war so bedeutend einfacher, diese Krise zu überstehen. Wir haben alle Mitarbeiter halten können und sind insgesamt deshalb relativ gut durchgekommen, weil wir viel Arbeit gehabt haben“, erzählt Geschäftsführer Martin Menhart.

Eine Garantie von 100.000 Euro hat der Staat für den Überbrückungskredit des Weingut und Hotels Malat in Palt übernommen. Auch Winzer Michael Malat stellt klar, dass jeder Euro zurückgezahlt wird und erzählt: „Der Kredit hat unserem Weingut geholfen, trotz erheblicher Umsatzeinbußen, für die wir keine direkten Zuschüsse erhalten haben, die Löhne unserer Mitarbeiter sicherzustellen und die Bearbeitung unserer Weingärten aufrecht erhalten zu können.“

Mit einem Kredit von 400.000 Euro in der Transparenzdatenbank verzeichnet ist das Gesundheitshotel Nuhr in Senftenberg. „Wir haben das voll ausgeschöpft. Das hat uns geholfen, die Liquidität zu bewahren, Arbeitsplätze abzusichern und die Versorgung auf gesundheitlicher Ebene zu garantieren“, sagt Chef Martin Nuhr, der zusammen mit seinem Nuhr Medical Center über 50 Mitarbeiter beschäftigt.

Zu Wort meldete sich auch Barbara Schmidl, Geschäftsführerin der gleichnamigen Bäckerei mit Sitz in Dürnstein und Filialen in Krems: „Das letzte Jahr war für uns eine große Herausforderung. Daher war ich froh, dass wir einen zinsfreien Kredit über 500.000 Euro bekommen konnten. Das hat aber nichts mit Zuschüssen zu tun, wir müssen diesen natürlich zurückzahlen.“