Krems

Erstellt am 05. Februar 2019, 04:24

von Franz Aschauer

„Las Vegas“-Studium: Grünen-Kritik lässt Donau-Uni kalt. Helga Krismer nimmt „‚Las Vegas‘-Studium“ an Kremser Uni unter Beschuss. Kurios: Lehrgangsleiter ist Ex-Abgeordneter der Grünen.

Lehrgangsleiter Willibald Gföhler wollte sich zur Kritik seiner ehemaligen Parteikollegen nicht äußern.  |  HOPI-MEDIA

„Leisure, Entertainment and Gaming Business Management“ – das ist jener Lehrgang an der Donau-Universität Krems, der in der Vorwoche großes Aufsehen erregte. Grund war der Landtagsklub der Grünen um Landessprecherin Helga Krismer, der forderte, kein Steuergeld für das „‚Las Vegas‘-Studium“ freizugeben.

Die Grünen-Landtagsabgeordneten Georg Ecker und Helga Krismer. Ihren Versuch, dem Donau-Uni-Lehrgang die finanzielle Unterstützung zu entziehen, schmetterte der Landtag bei seiner jüngsten Sitzung ab.  |  Die Grünen NÖ

„Mit dieser Lehre ernten wir nur noch mehr Leid und Gewalt durch die Sucht Glücksspiel. Denn mit der Glücksspiel-Sucht kommt es zu weiteren sozialen Begleiterscheinungen wie Gewalt generell und vor allem in der Familie“, ließ Krismer per Aussendung ausrichten.

„Mit dieser Lehre ernten wir nur noch mehr Leid und Gewalt durch die Sucht Glücksspiel.“Helga Krismer, Landessprecherin der Grünen NÖ

Die Donau-Uni kommentiert die Unterstellung der Grünen, der Lehrgang und Gewalt in der Familie würden zusammenhängen, nicht, weist ihrerseits aber auf einen Übersetzungsfehler in deren Aussendung hin. So bedeute Gaming Business Management nicht Glücksspiel-Management, wie von den Grünen übersetzt, sondern Spiele-Management.

Die Zielgruppe seien Manager aus der Freizeit,- Unterhaltungs- und Spielebranche. Das würde Personen wie Computerspiele-Programmierer oder auch App-Entwickler umfassen. Der Lehrgang gehe also weit über das Thema Spiele und noch viel weiter über Glücksspiel hinaus, heißt es seitens der Donau-Uni.

Kurzprogramm gibt es schon seit 2017

Seit 2017 können Studierende in Krems das Kurzprogramm „Leisure, Entertainment und Gaming Business“ in unterschiedlichen Formaten absolvieren. Als Vertiefungsmodul im Rahmen vieler Studiengänge, wie zum Beispiel Qualitätsmanagement, Restrukturierung & Unternehmensplanung und Wirtschaftsrecht, gibt es ihn seit 2018. Inhaltlich drehe sich viel um Technologie, Recht, Spieletheorie und Gamification, aber auch um Themen wie Spielerschutz und Suchtprävention, betont die Donau-Uni. Weil gewisse Teilbereiche gesellschaftlich sensibel seien, werde die Verantwortung als Universität wahrgenommen, heißt es.

Zur Finanzierung des Lehrgangs teilt die Donau-Uni mit, dass das Kurzprogramm erst starte, wenn sich genügend Personen anmelden. Für die ist das ein teures Vergnügen. Abhängig vom angestrebten Abschluss belaufen sich die Kosten von 5.900 Euro bis zu 19.900 Euro.

Gföhler reagiert nicht, Novomatic gelassen

Leiter zwei der drei Lehrgangsvarianten ist Willibald Gföhler. Kuriosum: Der Kremser saß von 1994 bis 1996 für die Grünen im Nationalrat. Zur Aussendung seiner früheren Parteikollegen wollte sich Gföhler nicht äußern.

So bewirbt die Donau-Universität Krems den Lehrgang „Leisure, Entertainment and Gaming Business Management“ auf ihrer Internetseite.  |  Screenshot

In die Kritik nehmen die Grünen übrigens auch den niederösterreichischen Glücksspielkonzern Novomatic, bei dem seit dem Vorjahr Ex-Grünen Chefin Eva Glawischnig beschäftigt ist. „Wenn Unternehmen wie die Novomatic AG Schulungen ihrer Mitarbeiter benötigten, dann mögen sie es ohne Steuergeld selbst organisieren.“

Seitens Novomatic reagiert man gelassen. „Wir bieten unseren Mitarbeitern zahlreiche interne Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten an. Natürlich begrüßen wir die Initiative der Donau-Universität, auch öffentlich einen Lehrgang anzubieten, der Themen wie Spielerschutz und Casinomanagement verstärkt wissenschaftlich bearbeitet“, sagt Pressesprecher Bernhard Krumpel.

Einen Antrag der Grünen auf Behandlung des Themas, lehnte der Landtag bei seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag ab.

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