Krems

Erstellt am 28. Februar 2017, 04:40

von Petra Vock

Tricksende Gymnasiasten? „Schreiben Arbeiten selbst!“. Gymnasiasten protestieren gegen die Behauptung, jeder Dritte würde tricksen.

Piaristen-Schulsprecher Simon Strobl.  |  NOEN

Das wollen sie nicht auf sich sitzen lassen: „Dagegen wehren wir uns vehement“, erklärt Landesschülervertreter Sebastian Miegl (Piaristengymnasium Krems, Bild unten).

Landesschülervertreter Sebastian Miegl.  |  LSV

Er widerspricht damit der Behauptung des Bundeselternverbandes, dass ein Viertel bis ein Drittel der „Vorwissenschaftlichen Arbeiten“ (VWA) nicht von Schülern alleine gemacht würden.

„Sollten dafür auch die Anerkennung haben“

„Ich habe mich in Krems an den AHS umgehört, und ich kenne keinen einzigen Fall, wo die VWA nicht selbst geschrieben wurde“, so Miegl. „Jede Person, die ich kenne, hat diese Arbeit selbst geschrieben, und dafür sollten wir auch die Anerkennung haben.“

BRG-Ringstraße-Schulleiter Erich Böck.  |  NOEN

„Man muss unterscheiden, ob eine Arbeit nicht selbst verfasst wurde oder ob sich die Schüler nur Hilfe beim Layout oder bei der Rechtschreibung geholt haben – was sie durchaus dürfen“, erklärt BRG-Schulleiter Erich Böck. „Ich glaube nicht, dass in so vielen Fällen ein fremder Verfasser dahintersteckt.“ Auch Abschreiben von früheren Maturanten sei nicht möglich, so Böck: „Das wird mit einer Plagiats-Software überprüft.“

Die etwa 20 Seiten lange „Vorwissenschaftliche Arbeit“ ist ein Teil der neuen Matura. Das Thema und den betreuenden Lehrer suchen sich die Schüler selbst aus. Schreiben müssen sie die Arbeit (einschließlich Literatursuche und Lektüre) vor der Matura in ihrer Freizeit, das geschieht meist in den Ferien.

„Ja, der Zeitaufwand ist enorm“, bestätigt Simon Strobl, Schulsprecher des Piaristengymnasiums (Foto ganz oben). „Mit ausreichend Vorbereitung ist es aber sicher zu schaffen“, ist er überzeugt und verweist auf Vorbereitungslehrgänge ab der 6. Klasse, in welchen die Grundlagen vermittelt werden.

„Es wird immer Schüler geben, die schummeln“

Schulleiterin Sandra Köhl: „Fürchte mich nicht.“  |  NOEN, privat

Der Schlüssel, um Betrug zu verhindern, sei eine gute Betreuung, meint Sandra Köhl, Schulleiterin des Mary Ward Privat-ORG: „Es wird immer Schüler geben, die schummeln, aber wenn man sich mit dem Schüler auseinandersetzt, müsste man eigentlich draufkommen, wenn der keine Ahnung hat, wovon er spricht. Außerdem müssen die Schüler ein Arbeitsprotokoll führen, ihre Arbeit präsentieren und sich einer Diskussion stellen.“

Alexandra Koschier, Elternvereinsobfrau des BRG Ringstraße, hat den Eindruck, dass es der Schule gut gelingt, die Schüler vorzubereiten: „Von den Eltern ist nichts an mich herangetragen worden, dass es da große Herausforderungen gäbe.“

BRG-Elternvereinsobfrau Alexandra Koschier.  |  NOEN

Dass Eltern bei diesen Arbeiten viel helfen können, bezweifelt sie: „Die meisten Eltern haben nicht wirklich Erfahrung mit wissenschaftlichem Arbeiten.“ Müssen die Eltern also, wenn doch Probleme auftauchen, private Hilfe finanzieren? „Vielleicht sollte es generell von den Schulen noch breitere Unterstützung geben – am BRG sehe ich das aber sehr gut aufgestellt“, meint Koschier.

„Bei kleinen Fehlern sind die Punkte weg“

Aus Sicht der Schüler ist die Qualität der Betreuung sehr unterschiedlich: „Die Betreuung ist sehr stark von den einzelnen Lehrern abhängig“, so Strobl. Das bestätigt auch Miegl: „Das hört man stark heraus, wenn man sich unter Schülern umhört. Es gibt Lehrer, die den Schülern vor der Abgabe der Arbeit alle Fehler ausbessern, und andere, die das gar nicht tun.“

Miegl fordert einheitliche Maßstäbe: „Man sollte das Lehrpersonal vielleicht in Form von Ausbildungen auf eine Stufe bringen, zumindest was die Richtlinien für die Vorwissenschaftliche Arbeit betrifft.“

Außerdem wünschen sich die Schüler eine Lockerung bei den formalen Anforderungen: „Die Maßstäbe sind genauso wie an Universitäten“, so Miegl. Dass bei der Punktevergabe so viel Wert auf Formales gelegt wird, findet er als Schülervertreter nicht richtig: „Wenn man auch nur kleine Fehler macht, sind die Punkte sehr schnell weg.“