Kremser Innenstadt-Initiative hat sich formiert. Geschäftsleute nehmen unter dem Namen „Unternehmen zur Belebung der Innenstadt“ selbst das Heft in die Hand. Vorschlagsliste wird Bürgermeister übergeben.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 11. Februar 2020 (04:45)
Rund 70 Unternehmer fanden sich am vergangenen Dienstag im Café Berger (Hintergrund) ein, um über die Innenstadt zu diskutieren. Café-Berger-Chef Christian Ilkerl (links) ist einer der treibenden Kräfte der neuen Bewegung. ÖVP-Bundesrätin Doris Berger-Grabner (re.) plädiert für ein Parkleitsystem. Fotos: Johann Lechner (Café Berger, im Hintergrund), Aschauer (Ilkerl), Kalchhauser (Grabner-Berger)
Johann Lechner (Café Berger), Aschauer (Ilkerl), Kalchhauser (Grabner-Berger)

Ärger ist oft der größte Motor. So war es auch bei Barbara Görg. Als die Trafikantin vom Täglichen Markt erfuhr, dass die Stadtmarketing GmbH eine öffentliche Diskussion zu den Problemen und Möglichkeiten der Innenstadt zugunsten eines Fragebogens absagte, nahm sie selbst das Heft in die Hand. Via Facebook-Posting rief Görg die anderen Geschäftsleute aus dem Herzen von Krems auf, selbst eine derartige Veranstaltung zu organisieren.

„Touristen haben in Krems keine Ahnung, wo sie hinmüssen“

Am vergangenen Dienstag, exakt zwei Wochen danach, saßen rund 70 Vertreter von Unternehmen und Wirtschaft in der randvollen Gaststube des Café Berger beisammen – ganz ohne Politiker und ohne Stadtmarketing. „Wir wollen weder eine Konkurrenz zum Stadtmarketing sein noch eine politische Veranstaltung“, erklärt Gastgeber Christian Ilkerl.

Zwei Ausnahmen gab es dann aber doch. ÖVP-Bundesrätin Doris Berger-Grabner durfte in Vertretung von Wirtschaftskammer-Obmann Thomas Hagmann ebenso teilnehmen wie FPÖ-Gemeinderat Christoph Hofbauer in seiner Rolle als Sohn von Mama Brigitta, die eine Boutique in der Oberen Landstraße führt.

ÖVP-Bundesrätin Doris Berger-Grabner plädiert für ein Parkleitsystem.
Martin Kalchhaueser

Während sich der freiheitliche Mandatar als Schreiber an der Flipchart eher zurückhielt, brachte sich Berger-Grabner mit Vorschlägen in die angeregte Diskussion ein. Ihr großes Anliegen: die Entwicklung eines Parkleitsystems. „Touristen haben in Krems keine Ahnung, wo sie hinmüssen. Das Parken gehört so einfach wie möglich und überall gleich gemacht.“

An die Parksheriffs, die keinen guten Ruf unter den Geschäftsleuten genießen, adressierte Berger-Grabner: „Bei zwei Minuten über der Zeit einen Strafzettel auszustellen, das geht nicht!“

„Unsere Wünsche sollen wahr- und ernstgenommen werden“

Das Thema Parken machten auch die übrigen Diskutanten als den Bremsklotz des Handels in der Innenstadt aus. Forderungen, die Grüne Zone abzuschaffen, fanden wie die Errichtung zusätzlicher Parkplätze breite Zustimmung.

Rund 70 Unternehmer fanden sich am vergangenen Dienstag im Café Berger ein, um über die Innenstadt zu diskutieren.
Johann Lechner

Applaus gab es auch für eine Kritik von Goldschmied Walter Kalteis: „Es ist ein wichtiger Punkt, wie man seine Gäste empfängt. In Krems gibt es für sie keine Möglichkeiten, zu verweilen. Wo sind die Bänke? Es fehlt an der qualitativen Willkommenskultur.“

Café-Berger-Chef Christian Ilkerl ist einer der treibenden Kräfte der neuen Bewegung.
Aschauer

Kommenden Donnerstag, um 7.30 Uhr, ruft Ilkerl seine Unternehmerkollegen auf, Bürgermeister Reinhard Resch im Rathaus eine Liste mit den gesammelten Vorschlägen zu übergeben. Die Forderung an den Stadtchef: „Unsere Wünsche sollen wahr- und ernstgenommen werden.“

Der gestärkte Zusammenhalt unter den Geschäftsleuten soll unabhängig vom Erfolg ihres Vorhabens weiter bestehen. Als Initiative „Unternehmen zur Belebung der Innenstadt“ haben sie ihr Schicksal in die eigene Hand genommen.