Deutliches Minus für Autohandel im Bezirk Krems. Corona und Lockdown-Politik sorgten für Einbrüche. Lokale Autohändler im Bezirk Krems ziehen dennoch kein allzu negatives Fazit.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 27. Januar 2021 (05:25)
Quelle: Statistik Austria; Foto: maradon 333/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Der Fahrzeughandel fuhr 2020 ein Minus von 22,1 Prozent ein, allein bei den Pkw. Wie sah die Statistik der Neuzulassungen für Krems aus?

In Krems-Stadt wurden vergangenes Jahr 1.136 Pkw neu zugelassen. 2019 waren es noch 1.377, was einem Einbruch um 17,4 Prozent entspricht. Im Bezirk fielen die Zahlen sogar um etwa 25 Prozent von 1.352 auf 1.016.

Wie erging es den einzelnen Autohändlern im Bezirk? Stefan Röglsperger sieht für das Autohaus Birngruber keinen Grund zum Jammern. „Wir konnten dieses Jahr sogar ein gutes Ergebnis hinlegen“, erklärt der Geschäftsführer. Er verweist auf gewisse Verzerrungen in der Neuzulassungs-Statistik. „Man muss etwa auf die Zahlen der Kurzzulassungen achten.“

Beim Autohändler Auer in Krems sah man im Nutzfahrzeuggeschäft keinen Einbruch. „Bei Neuwägen im mittleren Preissegment hatten wir in etwa das landesweite Minus von 22 Prozent“, schildert Geschäftsführer Florian Auer. Dieses Minus verteilte sich allerdings nicht über alle Marken gleichmäßig. Während Opel im Marktanteil zurückging, war es für Suzuki ein sensationelles Jahr. „Das hängt unter anderem damit zusammen, dass wir die Flotte des Hilfswerks NÖ mit 300 Modellen ausrüsten.“

Gerhard Teuschl: „Wer gut mit E- und Hybridangebot ausgestattet ist, ist im Vorteil.“
Foto: WK NÖ

Auch beim Autohaus Teuschl blickt man auf „kein schlechtes Jahr“ zurück. „Das gilt vor allem, wenn man die schwierigen Rahmenbedingungen beachtet“, so Gerhard Teuschl. „Der Verkauf läuft zumeist über den Schauraum. Wenn der geschlossen ist, bremst das natürlich.“

E-Autos erlebten 2020 eine Verdoppelung

Entgegen dem Trend bei Benzinern und Diesel erlebten E-Autos einen deutlichen Anstieg um landesweit 79 Prozent in NÖ. In Krems-Stadt verdoppelten sich vollelektrische Autos von 2019 auf 2020 beinahe von 31 auf 58 Neuzulassungen, im Bezirk von 38 auf 73. Der Bezirk liegt mit einem Anteil von 7,2 Prozent NÖ-weit auf Platz fünf. Platz eins hält Klosterneuburg mit 9,3 Prozent. „Der Anstieg hat auch mit diversen Förderungen zu tun“, meint Teuschl. Laut Röglsperger sei der, auch bei Birngruber angebotene, vollelektrische VW ID 3 im vergangenen Dezember österreichweit auf Platz eins gestanden. „Das ist nur eine Momentaufnahme, aber immerhin!“

Stefan Röglsperger: „Für eine erneute Erhöhung der NoVA fehlt mir das Verständnis.“
MK

Vonseiten der WK NÖ wird bereits von einem „Autohaus-Sterben“ und einer ebenfalls dunklen Aussicht auf 2021 gewarnt. Während keiner der befragten Autohändler sich in einer schlechten Situation sieht, meint Auer immerhin: „Es wird zu einer Marktbereinigung kommen. Die Autohäuser, die bereits vor der Krise geschwächelt haben, werden sie wohl nicht überleben.“ Gleiches gelte für Autohäuser, bei denen Ruhestände anstehen, aber keine Weiterführung geregelt sei. „Im Vorteil ist der, der breit aufgestellt ist und ein starkes Segment an E-Autos und Hybridautos hat“, ergänzt Teuschl. Auch Letztere hätten bei ihm „angezogen“. Röglsperger berichtet für Birngruber sogar von einem 100-prozentigen Boom.

Das die im Juli anstehende erneute Erhöhung der Normverbrauchsabgabe (NoVA) unter den Autohändlern keinen Jubel auslösen wird, überrascht nicht. „Kein Verständnis“ habe Röglsperger dafür, dass manche Fahrzeuge, wie ein gewöhnlicher Crafter, mit einem Schlag um tausende Euro teurer werden könnten. Autohändler rechnen mit Vorzugskäufen im Laufe des Frühjahres und langfristig mit einer längeren Nutzungsdauer. „Wenn man im Extremfall bis zu 8.000 Euro mehr hinlegen muss, überlegt man sich gut, wie lange man ein Auto nutzt und ob man sich so bald ein neues kauft“, so Auer.

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