Kremser Technik für ÖBB: Sicherheit im Mittelpunkt. AVI Systems forscht im Bereich künstlicher Intelligenz. Nebeneffekt der verbesserten Sicherheit durch Überwachung der Bahnsteige: Mehr Pünktlichkeit der Öffis.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 22. Juli 2019 (05:53)
Shutterstock/Lestertair (Bahnhof) bzw. Kalchhauser (Traxler)
Eine Möglichkeit, die neue Technik einzusetzen, bieten U-Bahn-Stationen. Geschäftsführer Johannes Traxler (kleines Foto) will mit seinem Unternehmen AVI Systems aber eine universelle Einsetzbarkeit des Systems für Züge, Busse und Straßenbahnen erreichen. Fotos: Shutterstock/Lestertair, MK

Steigende Passagierzahlen im öffentlichen Verkehr erfordern höhere Taktfrequenzen. Der enorme Andrang auf den Bahnsteigen zu Stoßzeiten steht dem aber oft entgegen. Neben zeitlichen Verzögerungen ist auch das gesteigerte Sicherheitsrisiko eine Folge. Das Kremser Unternehmen AVI Systems forscht nun in diesem Bereich und will einschneidende Verbesserungen erreichen.

Ziel der Maßnahmen: optimale Überwachung

Innovative Lösungen sind gefragt, um die Kundenerwartungen in Bezug auf Pünktlichkeit und Verlässlichkeit zu erfüllen. Im Forschungsprojekt beschäftigen sich nun AVI Systems, die ÖBB Personenverkehr AG und das Austrian Institute of Technology (AIT) mit künstlicher Intelligenz, basierend auf dem Generic Neurochip (einer AVI-Entwicklung), die eine automatische Überwachung der gesamten Außenseite eines Zuges inklusive aller Türbereiche ermöglicht.

Mit einer speziellen Sensor-Hardware werden in Frage kommende Verfahren beurteilt und weiterentwickelt. Eine konkrete Anwendung ist etwa die Bestimmung, wie viele Personen sich auf einem Bahnsteig befinden. So kann dem Fahrer beispielsweise mittels eines 3D-Sensors die voraussichtliche Haltedauer angezeigt werden.

AVI-Geschäftsführer Johannes Traxler verrät: „Mit diesem Projekt gehen wir einen Schritt weiter, um – wie auch schon bei unserem Lkw-Abbiegeassistenten ,Careye’ – neue Maßstäbe in der sicheren Erkennung von Gefahrensituationen zu setzen. Der Generic Neurochip von AVI Systems ermöglicht hier anhand von Stereoaufnahmen die hochsichere Erkennung von Personen, Kinderwägen und Rollstuhlfahrern auf dem Bahnsteig und entlang des Fahrzeugs.“

Pünktlichkeit könnte noch weiter steigen

Aktuell liegen die Pünktlichkeitswerte der ÖBB bei rund 96 Prozent. Traxler ist zuversichtlich: „Bei einer Optimierung des Abfertigungsvorganges können weitere kostbare Prozentpunkte erreicht werden.“

Die Herausforderungen liegen in der großen Ausdehnung des Überwachungsbereichs (Seitenfläche des Zugs) und der Vielfalt der Geometrien (unterschiedliche Wagentypen, Beschaffenheit der verschiedenen Stationen, …). Es gibt deshalb besonders hohe Anforderungen an das räumliche Auflösungsvermögen und die Trennschärfe (Unterscheidung zwischen Zugwand und Personen).

Das Verkehrsministerium unterstützt mit dem Programm „Mobilität der Zukunft“ das vielversprechende Projekt.