Kremser Schillerstraße: Denkmalamt hält sich zurück. 1999 ins Auge gefasste Unterschutzstellung der Schillerstraße „nicht nachvollziehbar“.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 12. Februar 2020 (11:13)
Kehrtwende: Eine 1999 in Aussicht gestellte Unterschutzstellung der Schillerstraße ist für das Denkmalamt heute undenkbar.
Johann Lechner

Für die Anrainer, die gegen das viel diskutierte Bauprojekt in der Schillerstraße ankämpfen ( die NÖN berichtete mehrmals, siehe hier oder weiter unten), ist das keine gute Nachricht. Das Bundesdenkmalamt (BDA) sieht keinen Bedarf, Schutzmaßnahmen für den Erhalt der rund 150 Jahre alten Häuser 2 und 4 zu ergreifen.

„Eine aktuelle Überprüfung ergab, dass die Bedeutung die Einleitung eines Unterschutzstellungsverfahrens nicht rechtfertigt“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung des BDA.

In Krems zu Hause: die Abteilung Niederösterreich des Denkmalamts.
NOEN

Krems-Bonus von der in der Gozzoburg ansässigen Abteilung für Niederösterreich gibt es also keinen. Dabei erachtete 1999 sogar der damalige Landeskonservator Werner Kitlitschka die Schillerstraße für historisch wertvoll. Bezugnehmend auf das Haus Nummer 3 schrieb der 2018 verstorbene Kunsthistoriker: „Das gegenständliche Gebäude liegt in einer städtebaulich bedeutenden Zone des Historismus in Krems und bildet aufgrund seiner relativ guten Erhaltung ein wichtiges Strukturelement derselben.“

Es sei daher „für eine künftige Unterschutzstellung vorgesehen“, schrieb Kitlitschka weiter. Wie es zu einer solchen Kehrtwende binnen 21 Jahren kommen kann, erklärt das Denkmalamt nicht. Die 1999 ins Auge gefasste Unterschutzstellung sei aus heutiger Sicht jedenfalls nicht nachvollziehbar, heißt es.

Der Ball liegt jetzt also bei der Stadt Krems, die in Person von Baudirektor Reinhard Weitzer die Einrichtung von Schutzzonen prüft – für das Denkmalamt der richtige Weg: „Diese Straßenzüge bilden einen städtebaulichen Bereich, für den das niederösterreichische Schutzzonenmodell ein gut geeignetes Instrumentarium ist.“

Der Weg zur Schutzzone ist allerdings so lang, dass es für die Schillerstraße zu spät kommt. Bei der Grundlagenerhebung muss nämlich nicht nur das Ausmaß der Zone definiert werden, sondern auch eine Typisierung der einzelnen Gebäude erfolgen.

Beispiele in anderen Städten haben gezeigt, dass ein Bürgerbeteiligungsprozess erst startet, wenn der Änderungsentwurf des Bebauungsplans sechs Wochen zur allgemeinen Einsicht aufliegt und der Gemeinderat entscheiden kann. In der Schillerstraße ist der Widerstand gegen das Bauprojekt der Haring Group jedenfalls ungebrochen. Rund 500 Unterstützungserklärungen geben den Anwohnern Rückendeckung.