Corona-Opfer: Geistlicher lag auf Intensivstation!. Der Weißenkirchner Pfarrer Przemyslaw Kocjan (41) brachte Corona-Infektion vermutlich von Israel-Reise mit nach Hause. Mehrere Tage lang verbrachte er auf der Intensivstation. Jetzt geht es langsam bergauf. Die Pfarre startete Gebets-Initiative für ihren Seelsorger.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 25. März 2020 (15:58)

Mit einer knapp 50-köpfigen Pilgergruppe aus seinen Pfarren Weißenkirchen, Wösendorf, St. Johann und Weinzierl sowie Gläubigen aus den Zwettler Pfarren Sallingberg und Grainbrunn verbrachte Kocjan vom 28. Februar bis 6. März eine Woche im Heiligen Land.

Pfarrer Kocjan schwer krank

Dass bei Rückkunft der Gruppe, der auch Generalvikar Eduard Gruber und der Sallingberger Pfarrer Krystian Lubinski angehörten, mehrere Teilnehmer kränkelten (Husten, leichtes Fieber) fiel niemandem weiters auf. Doch den Weißenkirchner Pfarrer erwischte es schwer. Bald lag er mit hohem Fieber und Atembeschwerden darnieder.

 

Geistlicher im Krankenhaus

 Ein Bekannter aus der Pfarre, der den Seelsorger zu Hause betreute, schlug Alarm, als sich der Zustand immer mehr verschlechterte. Auf Initiative des Weinzierler Allgemeinmediziners Klaus Nentwich wurde Kocjan schließlich ins Krankenhaus gebracht. Ein Test ergab, dass er am Corona-Virus erkrankt war.

Behandlung auf Intensivstation

Die Situation entwickelte sich dann dramatisch. Mehrere Tage musste der ins Klinikum Lilienfeld verlegte Pfarrer auf der Intensivstation betreut werden. Am 24. März konnte er aber glückllicherweise auf eine normale Pflegestation verlegt werden. "Er befindet sich auf dem Weg der Besserung", konnte Pfarrgemeinderatssprecher Andreas Pell im NÖN-Telefonat berichten und auf einen guten Ausgang hoffen.

Pfarr-Initiative für Seelsorger

Die Pfarre Weißenkirchen hat für den beliebten Geistlichen, der seit September 2017 dort wirkt und sich auch gesellschaftlich (etwa beim Männergesangsverein "D' Wachauer") engagiert, eine Gebets-Initiative gestartet. Unter dem Titel "(M)ein Licht für Przemek und alle Kranken in der Gemeinde" sollen in der Pfarrkirche, die von 9 bis 18 Uhr offen ist, Kerzen gesammelt werden.

Auch Wösendorfer erkrankt 

Edith Bernhard wird diese dann am Sonntag, 29. März, um 20 Uhr entzünden, ein Bild machen und an den Geistlichen übermitteln. Auch ein Buch, in dem persönliche Gebetsanliegen Platz finden sollen, ist in der Kirche (bei der Madonnenstatue) deponiert. Neben Pfarrer Przemyslaw Kocjan hat es einen betagten Wösendorfer erwischt, der ebenfalls stationär im Spital aufgenommen werden musste. Auch bei ihm gibt es eine Besserung zu vermelden.

Kritik: Test erfolgte spät!

"Wir haben in Weißenkirchen drei positiv getestete Personen", ist Bürgermeister Christian Geppner froh, angesichts des Umstandes, dass es sich um eine Reisegruppe gehandelt hat, froh. "Es hat leider sehr, sehr lange gedauert, bis unser Pfarrer getestet wurde", hält der Gemeindechef aber auch mit Kritik nicht hinterm Berg. "Wir konnten lückenlos vollziehen, mit wem er Kontakt hatte, aber es ist wertvolle Zeit verloren gegangen." Auch heute weiß Geppner nur die Identität der zwei Corona-Opfer in Weißenkirchen und Wösendorf. Der Dritte ist unbekannt.

Datenschutz als Hindernis

Die Bezirkshauptmannschaft darf dies aus Datenschutzgründen nicht bekanntgeben. Gleichzeitig wird so aber auch gezielte Hilfe unmöglich. "Ich bin als Bürgermeister ja auch zur Verschwiegenheit verpflichtet und in vielen anderen Angelegenheiten ,Geheimnisträger'. Wenn wir wüssten, wer betroffen ist, könnte ich gezielt Hilfe anbieten." Im Fall des Wösendorfer Opfers sei die nun allein zu Hause "gefangene" Gattin (in Quarantäne) bereits zweimal auf die Hilfestellung der Gemeinde bzw. freiwilliger Helfer angewiesen gewesen.

Zur Initiative der Pfarre Weißenkirchen: pfarreweissenk-wachau.jimdofree.com