High-Tech für die Gföhler Pfarrkirche. Gefährlicher Riss im Gföhler Gotteshaus beseitigt, Gewölbe um 16 Zentimeter gehoben.

Von Gerald Mayerhofer. Erstellt am 22. November 2020 (05:28)
Herbert Heigl (links) begleitete als Experte für besonders alte Gebäude sowohl die statischen Arbeiten als auch die Montage der Sensoren. Mit im Bild: Herbert Weitensfelder und Roman Windl (von links).
Fotos: GM

Eine der einzigartigsten und spannendsten Baustellen der letzten Jahre in der Region konnte nach rund sechs Monaten Bauzeit abgeschlossen werden: Die Pfarrkirche Gföhl erstrahlt mit ihrem restaurierten Gewölbe in neuem Glanz.

Gewölbe saniert und um 16 Zentimeter gehoben

Die meisten ausgeführten Arbeiten bleiben den Augen der Kirchenbesucher aber verborgen. Im Laufe der letzten 300 Jahre hat sich der Dachstuhl des Kirchenschiffs stark gesenkt.

Maler Michael Schretthauser hatte große Freude an den Arbeiten am Fresko der Pfarrkirche, das im Jahr 1955 von seinem Tiroler Landsmann Wolfram Köberl geschaffen wurde.
Fotos: GM

Die Konstruktion drückte das gesamte Mauerwerk nord-südseitig um je rund acht Zentimeter nach außen, wodurch das Gewölbe sichtbar einknickte und von einem gefährlichen Riss am Scheitel durchzogen war, die NÖN berichtete:

Zur Behebung des statischen Problems wurde in einem ersten Schritt der Dachstuhl des Gotteshauses mit Stahlstreben verstärkt. Diese Stahlstützen ruhen auf neuen Betonsockeln, die auf die tragenden Außenmauern aufgebracht wurden. Die Konstruktion verhindert zukünftig nicht nur ein nochmaliges Absenken des Dachstuhls, sondern auch ein neuerliches Auseinanderdriften des Mauerwerks.

Im zweiten Schritt wurde die Bestuhlung im Kirchenschiff entfernt und ein riesiges Gerüst aufgebaut, das eine Tragkraft von 800 Kilogramm pro Quadratmeter hatte. Mit diesem Gerüst wurde das Gewölbe in einer bis dato in der Region einmaligen Aktion wieder nach oben gedrückt und gleichzeitig die Außenmauern mit den Stahlstreben im Dachstuhl zusammengezogen.

Das Gewölbe konnte so um unglaubliche 16 Zentimeter angehoben und in seine ursprüngliche Position zurückgebracht werden. Große Holzbalken, die im Kirchenschiff unter dem Hochlast-Gerüst ausgelegt wurden, leiteten das große Gewicht in den Boden der Kirche ab. Diese Arbeiten wurden vom Familienunternehmen Heigl aus Herzogenburg abgewickelt.

Sanierung mit historischen Materialien

Nach der statischen Stabilisierung und der Sicherung des Gesimses an den Außenmauern begannen die Wiederherstellungsarbeiten im Innenbereich: Das Gewölbe wurde vom Dachboden aus neu verfugt und die sichtbaren Risse im Kirchenschiff mit ursprünglichen Baumaterialien, die hauptsächlich auf Kalk basieren, beseitigt.

Die Risse des rund 14 Meter hohen, tragenden Bogens, der das Kirchenschiff mit dem Presbyterium verbindet, wurden zusätzlich unter Druck mit Epoxidharz verstärkt. Im Zuge des Anhebens sind im Kircheninneren mehrere Quadratmeter Verputz abgefallen, die ebenfalls mit historischen Materialien ergänzt wurden.

Unter der Leitung von Diplomrestaurator Jörg Riedel stellte der aus Tirol stammende Maler Michael Schretthauser die Deckenfresken in barockem Geist wieder her. Die Fresken stammen aus dem Jahr 1955 und wurden von Wolfram Köberl erschaffen, der heute 93-jährig in Innsbruck lebt.

Im Advent wieder Messen in der Kirche

Im Zuge der Baumaßnahmen bekam die Kirche auch ein automatisches Lüftungssystem, das die Luftfeuchtigkeit steuert. Digitale Sensoren am Gewölbe – einer am tragenden Bogen vor dem Presbyterium und einer im Dachboden – überwachen zukünftig Bewegungen des Mauerwerks. Diese Sensoren wurden vom Start-Up-Unternehmen Suessco Sensors montiert. Zu den gesamten angefallenen Sanierungskosten gab das Bauamt der Diözese St. Pölten keine Auskunft.

Die Pfarrkirche zum Hl. Andreas wird an ihrem „Namenstag“, am 28. November, wieder bezogen.