Helmut Buchegger: Brückenbauer zwischen Lebenswelten. 23 Jahren Missionsarbeit in der Republik Zentralafrika flossen in das Buch des ehemaligen Kremser Stadtpfarrers Helmut Buchegger ein.

Von Martin Kalchhauser und Bernhard Bruckbauer. Erstellt am 23. Juli 2021 (05:23)
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Missionar Helmut Buchegger im Einsatz in Zentralafrika.
privat

Mehr als 23 Jahre war das langjährige Kuratoriumsmitglied der MIVA (Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft der katholischen Kirche), Helmut Buchegger, als Priester und Missionar in der Zentralafrikanischen Republik tätig. Sowohl an Land, als auch in der Luft war der heute 82-Jährige als Brückenbauer zwischen den „Lebenswelten“ unterwegs, um Menschen zu helfen. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Tätigkeit und vieler hautnaher Erfahrungen weiß der pensionierte Priester der Stadtpfarre Krems-St. Veit den hohen Stellenwert der Mobilität zu schätzen.

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Helmut Buchegger am Steuer des Flugzeuges: Auf diese Weise waren die riesigen Distanzen seines Einsatzgebietes bewältigbar.
privat

In seinem soeben im Waldviertler Verlag Bibliothek der Provinz erschienenen Buch „Wenn der Fisch im Wasser weint …“ (siehe Infobox!) gibt er dazu Einblicke in sein abwechslungsreiches Leben.

Sie waren ein knappes Vierteljahrhundert auf Mission. Welche Herausforderungen sind Ihnen noch in besonderer Erinnerung?

Helmut Buchegger: So eigenartig es klingen mag, die Straßenverhältnisse sind bei der Ankunft meist das erste Thema. Hunderte Kilometer von einer Stadt in die andere gibt es unbefestigte und schlechte Straßen, in der Regenzeit zusätzlich mit tiefen Löchern und lehmiger, rutschiger Fahrbahn. Zu den Buschdörfern gibt es oft überhaupt nur Wege, verwachsen und mit unsicheren Brücken. Als Gegensatz dazu ist überall die Herzlichkeit der Menschen zu spüren, die einen auch in fordernden Zeiten ermutigt und viel Kraft gibt.

Wie unterscheidet sich die Zentralafrikanische Republik von Österreich?

Buchegger: Gleich vorweg: Der Kulturschock ist größer, wenn man nach einiger Zeit wieder zurück in die Heimat kommt. Es gibt bis heute weder eine flächendeckende Strom- oder Telefonversorgung noch einen Zugang zum Internet oder zu fließendem Wasser – mit Ausnahme einiger größerer Städte. Das Land ist ungefähr siebeneinhalb Mal so groß wie Österreich und zählt nur 4 Millionen Einwohner. Es sind große Entfernungen zurückzulegen, wobei es nur rund 650 Kilometer asphaltierte Straßen gibt. Für einen Einkauf in der Hauptstadt ist man oft mehrere Tage unterwegs – nicht viel für afrikanische Verhältnisse, für uns in Niederösterreich jedoch völlig unvorstellbar.

Wie kam es dazu, dass Sie Missionar wurden?

Buchegger: Das Interesse dafür wurde in meiner Kinder- und Jugendzeit geweckt. Fremde Länder, vor allem Afrika, haben mich schon immer fasziniert. Nach dem Abschluss des Priesterseminars und fünfjähriger Tätigkeit als Kaplan in der Diözese St. Pölten erhielt ich 1972 vom damaligen Bischof Franz Žak die gewünschte Freistellung für die Mission. Schon in der Zeit der Vorbereitung hatte ich Kontakt mit Bischof Maanicus in Zentralafrika, der mich bat, wenn möglich ein Fahrzeug mitzubringen. Bei der Finanzierung half auch die Diözese St. Pölten mit, sodass ich bereits ein Jahr später mit dem auf ein Schiff verladenen MIVA-Fahrzeug nach Douala aufbrechen konnte. Dieses Auto war später in der Diözese Bangassou im Einsatz.

Es sollten insgesamt fast 24 Jahre in Zentralafrika werden …

Buchegger: Ich war in zwei Etappen in der Zentralafrikanischen Republik. Nach dem ersten Einsatz kehrte ich 1982 nach Österreich zurück, war 13 Jahre Pfarrer in Krems-St. Veit und entschied mich 1997 zu einem zweiten Einsatz für 14 Jahre. Es waren glückliche und erfüllte Jahre, geprägt von pastoraler Tätigkeit aber auch konkreter Hilfe für die Bevölkerung durch Bauten für den öffentlichen und kirchlichen Dienst.

Sie waren auch mit dem Flieger unterwegs. Warum?

Buchegger: Trotz einiger Bedenken leistete ich mir 1993 den Luxus und machte den Pilotenschein. Im Rückblick war es eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Als ich dem afrikanischen Bischof davon erzählte, war er begeistert, weil die Diözesen Bambari und Bangassou (ca. 300.000 km² Ausdehnung) ein Flugzeug gekauft hatten, das von holländischen „Piloten ohne Grenzen“ geflogen wurde. Natürlich waren sie manchmal krank, machten Urlaub, oder wurden bei politisch unsicherer Lage abgezogen, sodass der Flieger am Boden blieb. Als zusätzlicher Pilot konnte ich diese Ausfälle kompensieren. So packe ich mit 57 Jahren und nach dreizehnjähriger Priestertätigkeit meine Koffer und startete in der „dritten Jugendphase“ zum zweiten Missionseinsatz. Mit dem Flieger sollte ich fast 2000 Stunden in der Luft sein.

Liegt Ihnen die Mobilität in den ärmsten Regionen unserer Welt generell am Herzen?

Buchegger: Ja, weil ich erlebt habe, wie wichtig Mobilität in armen Ländern ist. Wird der Kontakt mit den Gemeinden, die oft weit voneinander entfernt sind, aufrecht erhalten, dann dient dies der Seelsorge, der Gesundheit und der konkreten Hilfe. Bei uns haben wir einen Überfluss an Straßenverkehr. Geben wir als Dank und aus Solidarität einen Beitrag und helfen wir so den Ärmsten in anderen Ländern. Im Juli, zum Festtag des Schutzpatrons der Reisenden, des heiligen Christophorus, bittet die MIVA jährlich alle Autofahrer um einen „Zehntel Cent“ pro unfallfrei gefahrenem Kilometer, damit für die Arbeit in armen Ländern Fahrzeuge gekauft werden können. In meinem gesamten Missionsdienst konnte ich in Summe fünf Überstellungsfahrten von Österreich nach Zentralafrika durchführen. Die Übergabe am Zielort war jedes Mal ein Fest voll Freude und Dankbarkeit, denn ein MIVA-Auto ist eine Hilfe für alle.