Krems

Erstellt am 28. Dezember 2016, 05:42

von Udo Sagl

Unternehmer Seidl: „Danke, dass ich nicht tot bin“. Der Kremser Unternehmer Othmar Seidl hatte Glück: Auch er hätte unter den Opfern des blutigen Terrorakts auf dem Berliner Weihnachtsmarkt sein können.

Trauer in Berlin: Unzählige Kerzen gedenken der Opfer des unfassbarenTerroranschlags.  |  NOEN, Rainer Jensen/dpa-Bildfunk

„Es ist schlimm. Ganz furchtbar schlimm. Berlin ist für mich fast wie eine Heimatstadt – und dann so etwas!“ Der Immobilien- und Finanz-unternehmer Othmar Seidl (Bild unten) aus Krems zeigt sich erschüttert.

Othmar Seidl möchte im Biergarten seines Hofbräus einen Adventmarkt veranstalten.    |  privat

Zwölf Menschen starben beim brutalen Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, 50 weitere Besucher sind zum Teil schwer verletzt worden. Unter den Opfern hätte auch Seidl sein können, der sich praktisch jede Woche in Berlin aufhält. Er besitzt dort mehrere Firmen und Gebäude. „Mein Haus, in dem ich immer wohne, wenn ich gerade hier bin, liegt ganz in der Nähe des Tatorts Breitscheidplatz.“

„Wahnsinn! Man hat kein bisschen Chance“

Drei Tage vor dem blutigen Attentat machte der erfolgreiche Kremser Finanz-Guru nach einem langen Arbeitstag einen Abstecher zum Weihnachtsmarkt: „Ich habe mir die Zeit genommen und ging noch einen Glühwein trinken. Ein paar Meter neben dem späteren Schauplatz des Terrorakts. Es ist Wahnsinn, was hier geschehen ist. Man hat keine Chance, wenn man von einem Lastwagen an die Wand einer Hütte gedrückt wird. Man wird einfach zerquetscht wie eine Ameise. Schrecklich. Ich danke, dass ich nicht tot bin! Bei so einem Ereignis, da wird einem erst bewusst, was alles passieren kann.“

Zwölf Tote, dutzende Verletzte – und die Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet.  |  NOEN, Rainer Jensen/dpa-Bildfunk

Dass „es“ passiert ist, stellt für Seidl allerdings keine große Überraschung dar. „Irgendwie hat man mit so etwas gerechnet. Es war zu erwarten, dass die deutsche Hauptstadt zum Ziel eines Anschlags wird.“

„Berlin und ich lassen uns nicht unterkriegen“

Eigentlich sei es nur noch eine Frage der Zeit gewesen, wann „es“ geschieht. „Denn leider ist hier in gewissen Kreisen und Vierteln eine starke Radikalisierung bemerkbar. Manche Straßenzüge meide ich mittlerweile“, erklärt Seidl.

Trotzdem wird er seine Aktivitäten in seiner zweiten Heimat unvermindert fortsetzen. Immerhin hat er hier renommierte Projekte wie das Ramada-Hotel am Pragerplatz in die Tat umgesetzt. Seidl: „Berlin lässt sich nicht unterkriegen – und ich auch nicht.“