2021 sechs Prozent mehr Schusswaffen im Bezirk Krems. Zahlen der registrierungspflichtigen Schusswaffen sowie  Waffenbesitzkarten und -Pässe stiegen von 2020 auf 2021 stark an.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 13. Januar 2021 (05:59)
„Kenne das Modell in- und auswendig“: Bezirksjägermeister Andreas Neumayr präsentiert sein Steyr-Jagdgewehr, auf welches er sich im Wald seit über 30 Jahren verlässt. Auch wenn der Aufwärtstrend bei Waffen und Waffenbesitzkarten seiner Meinung nach teilweise gesetzlich bedingt ist, zeigt er sich skeptisch hinsichtlich der steigenden Zahl von Waffen in privater Hand. Vor allem 2015 seien die Verkäufe gestiegen.
Johannes Mayerhofer

Privater Schusswaffenbesitz ist im Steigen, auch im Bezirk Krems. Das zeigen die aktuellen Zahlen der Bezirkshauptmannschaft. Vom 1. Jänner 2020 bis jetzt ist etwa die Zahl der registrierten Schusswaffen von 9.602 auf 10.146 gestiegen – ein Plus von 5,6 Prozent. Auch die Waffendokumente sind mehr geworden. Hier gab es einen leichten Zuwachs um 2,7 Prozent, von 3.133 auf 3.218 Waffenbesitzkarten und Waffenscheine.

Inhaber einer Waffenbesitzkarte dürfen die Waffe lediglich zu Hause verwahren oder zu einem Schießplatz transportieren. Wer sie am Körper trägt, braucht jedoch einen Waffenschein (im Volksmund „Waffenpass“).

Plus auch während Flüchtlingskrise

Der ansteigende Trend ist nicht neu. Schon 2014 und 2015 gab es ein rapides Plus. Das hatte unter anderem mit der Flüchtlingskrise und damit verbundener allgemeiner Verunsicherung zu tun. Der kontinuierliche Anstieg hat aber nicht ausschließlich mit einem Mehr an „Schießeisen“ in privaten Haushalten zu tun.

„Da spielt auch die Änderung des Waffengesetzes eine Rolle. Dort wurden halbautomatische Modelle zu Kategorie-C-Waffen und damit besitzkartenpflichtig“, erklärt Bezirksjägermeister Andreas Neumayr. Dennoch sieht er den privaten Besitz von Schusswaffen skeptisch. So betont er, dass es lange Zeit bedürfe, bis man ein Modell „wirklich kennenlernt“. Sein bevorzugtes Jagdgewehr verwendet er bereits seit 1984. Er bezweifelt außerdem, dass einem im Falle eines Einbruches mit einer Schusswaffe wirklich geholfen sei.

Anders sieht dies naturgemäß Waffenverkäufer Marcus Huber, in Krems bekannt als „Waffenhuber“. „Kriminelle suchen sich immer die Opfer, die sie für am wehrlosesten halten. Wenn man angegriffen wird und weiß, dass man sich wehren kann, tritt man auch gleich ganz anders auf. Schon das kann einiges verhindern. Die meisten Menschen drücken natürlich nicht ab.“ Auch Huber verweist auf statistische Verzerrungen, etwa durch Vererbung oder Waffenkäufe im Ausland.

Polizei-Chef mahnt zu sorgsamem Umgang

Der Kremser Bezirkspolizeikommandant Manfred Matousovsky mahnt Waffenbesitzer zu einem „sorgsamen Umgang“. „Eine Waffe allein ist noch nicht gefährlich, erst ihre Verwendung!“ Auch Matousovsky, der auf eine mittlerweile bereits 40-jährige Diensterfahrung zurückblicken kann, muss, so wie alle seine Polizisten, noch immer verpflichtend regelmäßig mit der Waffe trainieren.

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