Nebenwohnsitze im Bezirk Krems: 773 mehr als 2019. Stratzing und Lengenfeld wuchsen besonders stark bei Hauptwohnsitzen. St. Leonhard landet auf Platz eins beim Anteil der Nebenwohnsitzer.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 04. Februar 2021 (05:32)
Quelle: NÖN/Gemeinden
Illustration: GoodStudio/shutterstock.com; Grafik: Hammerl

Geht es um die Bevölkerungsentwicklung in Krems, zeigt sich ein durchmischtes, ambivalentes Bild. Insgesamt verzeichneten Bezirk und Statutarstadt Krems bei den gemeldeten Hauptwohnsitzen im Vergleich 2019 zu 2020 ein gemeinsames, leichtes Minus von 105 bei einer Gesamtzahl von nun 81.628.

Betrachtet man Bezirk und Stadt getrennt, verzeichnet Ersterer ein minimales Plus von 46 zusätzlichen Hauptwohnsitzen, während Letztere 192 Personen mit dortigen Lebensmittelpunkt verlor, was jedoch bei einer Gesamtzahl von nahezu 25.000 auch nur –0,7 Prozent ausmacht. Ein Blick in die einzelnen Gemeinden des Bezirks offenbart bei den Hauptwohnsitzen mehrere Hotspots – unabhängig vom mathematischen Vorzeichen.

Beachtung verdienen aber auch die Zahlen der gemeldeten Nebenwohnsitze. Sie haben deutlich zugenommen: Innerhalb eines Jahres wuchsen sie um 773 auf insgesamt 17.658. Dies macht immerhin ein Plus von 4,6 Prozent aus. Ist dies eine kleine „Flucht aufs Land“, von der im Zusammenhang mit den massiv geänderten Lebensumständen, bedingt durch die restriktive Corona-Politik, immer wieder die Rede ist? Zieht es Städter vermehrt hinaus auf das Land?

Lengenfeld und Stratzing wuchsen am stärksten

19 von 30 Gemeinden des Bezirks erlebten im Zuge des vergangenen Jahres einen Zuzug. Den „ersten Platz“ machte hierbei die Gemeinde Stratzing und zwar in absoluten, wie auch in relativen Zahlen. 63 zusätzliche Personen können sich nun Stratzinger nennen, was im Vergleich zur vorherigen Bevölkerungszahl 845 ein sattes Plus von 7,5 Prozent bedeutet.

Stratzings ÖVP-Bürgermeister Josef Schmid, zeigt sich angesichts der Entwicklung erfreut, klärt aber auf: „Wir wachsen, ja. Aber Zahlen in dieser Größenordnung verzeichnen wir nicht jährlich.“

Beim jüngsten Anstieg spielte vor allem ein Faktor eine Rolle: „Die GEDESAG errichtete in der Waldbadsiedlung 34 neue Wohneinheiten, darunter zehn Reihenhäuser.“ Für die Zukunft werde die Erschließung neuer Bauflächen eine Aufgabe sein. Schmid verweist darauf, dass auch viele private Häuselbauer in Stratzing am Werk sind. „Unser Zuzug besteht zu einem guten Teil aus Abwanderern aus dem höheren Waldviertel, darunter viele jüngere Familien.“

Gefolgt wird Stratzing von der wenige Kilometer nördlich gelegenen Gemeinde Lengenfeld. Hier wuchs die Gemeinschaft um 77 Hauptwohnsitze auf 1.424 Bewohner, also um exakt 5,7 Prozent.

Senftenberg und Gedersdorf „schrumpfen“ geringfügig

Am unteren Ende der Skala ist es dennoch schwer, von einem „Schrumpfen“ zu sprechen. Zwar hat die 1.900-Seelen-Gemeinde Senftenberg als letztplatzierte 48 Hauptwohnsitzer verloren, allerdings entspricht das nur einem pro 41 Bürger. Ein Minus gab es auch in Gedersdorf: Die Hauptwohnsitze sanken um 34 auf 2.134.

Fast jeder Dritte in St. Leonhard hat Nebenwohnsitz

Wie sieht es nun mit den Zahlen der Nebenwohnsitze aus, und wo kann man von einem regelrechten „Boom“ sprechen?

Was den Anteil an Nebenwohnsitzern an der gesamten Gemeindebevölkerung anbelangt, ist St. Leonhard am Hornerwald Vorreiter. Fast jeder Dritte (oder etwa 31 Prozent) hat hier einen Nebenwohnsitz. Der Jahresanstieg betrug 28 Personen. Die NÖN fragte bei Bürgermeisterin Eva Schachinger (ÖVP) nach, wo all die Nebenwohnsitzer herstammen. „Viele unserer Nebenwohnsitzer kommen aus Wien. Für diese Klientel spielen vor allem Faktoren wie die Landschaft, die Idylle und Natur eine Rolle. Der Nebenwohnsitz wird oft als Wochenendort wahrgenommen“, erklärt sie.

Wenn höherpreisige Liegenschaften zu verkaufen sind, werden diese oft von externen Personen erworben. Aber auch mit der längerfristig betrachteten Entwicklung der in St. Leonhard hauptgemeldeten Personen ist Schachinger zufrieden. So habe sich die Abwanderung deutlich abgebremst. Das Minus lag 2020 mit lediglich 19 von etwa 1.100 Hauptwohnsitzen bei 1,7 Prozent. „Junge Familien bleiben, so sie die Möglichkeit haben, hier. Sie schätzen die Infrastruktur: das Gesundheitszentrum, die Volksschule, den Kindergarten. Die beiden nachfolgenden Gemeinden Rossatz-Arnsdorf und Schönberg am Kamp beherbergen 29,5 und 28,9 Prozent an Nebenwohnsitzern.