Alles bereit für die Gastro-Öffnung am 19. Mai. Kremser Gastro-Branche blickt mit Vorsicht und Zuversicht auf 19. Mai. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:12)

Für das NÖN-Foto wirft sich Stefan Horky, Chef der Hadersdorfer „Färber stub’n“, schnell in seine gewohnt adrette Gastwirt-Gewandung, doch abseits davon ist er in privater Arbeitskleidung mit allerlei Vorbereitungen für die Öffnung der Gastronomiebranche am 19. Mai beschäftigt.

„Dass die Öffnung dieses Mal hält, da bin ich heute zuversichtlicher als beim zuletzt angekündigten Öffnungstermin für Ostern, der ja nicht eingehalten werden konnte“, erklärt der Gastronom und erfolgreiche „Wetten, dass...?“-Teilnehmer. „Wir werden zunächst mit einer kleineren Karte starten, mit fünf bis sechs Hauptspeisen, dazu einige Suppen. Danach werden wir das schrittweise ausbauen.“

Ähnlich optimistisch äußern sich auch weitere Gastwirte und Lokalbetreiber aus Stadt und Bezirk Krems hinsichtlich der angekündigten Öffnungsschritte. Christoph Jäger, Wirt im Gasthaus „Zum wilden Jäger“ in Rührsdorf, betont, dass der „Druck“ vonseiten der Wirtschaft mittlerweile zu groß sei, als dass ein politischer Rückzieher noch möglich sei. „Zumindest für den Beginn rechnen wir mit großem Andrang.“

Die Kremser Gastro-Größe Harry Schindlegger hat noch Restzweifel. „Outdoor-Gastronomie wird wohl fix kein Problem sein – was das Geschäft im Innenbereich angeht, da mache ich noch ein kleines Fragezeichen.“ Öffnen werde er mit 19. Mai alle seine Betriebe. Einzige Ausnahme ist die Filmbar am Kremser Campus. Diese wird am 21. Mai gemeinsam mit dem Kino im Kesselhaus ihre Tore öffnen.

Keine Ablehnung, aber Skepsis bei Maßnahmen

Registrierungspflicht für Gäste, obligatorische Corona-Testungen- und Impfungen, strikt beschränkte Gruppengrößen und weitere Maßnahmen lösen bei den befragten Gastronomen naturgemäß keinen Jubel aus. Pragmatisch zeigt sich Schindlegger: „Man kann sich darüber aufregen, oder man kann das Beste daraus machen.“

Helmut Preiser, Disco- , Gasthaus- und Heurigenbetreiber in Großreinprechts, treibt so manche Sorge um, was die Akzeptanz der Maßnahmen im ländlichen Raum betrifft. „Auf unserer Facebookseite gab es einiges an negativen Rückmeldungen vonseiten mancher Follower“, erklärt er. Der Tenor: „Nicht mit diesen Maßnahmen!“ Natürlich, so betont Preiser, könne man das nicht verallgemeinern, da sich vor allem die Unzufriedenen zu Wort melden.

Günstige Menüs zum Start

„Skeptisch stimmt mich das dennoch.“ Zum Startschuss werde er zwei günstige Menüs anbieten und den „Testballon starten lassen“. Bis zur geplanten Öffnung seines Erlebnisheurigen am 10. Juni werde er sich die Entwicklungen ansehen, und dann „Schlussfolgerungen ziehen.“

Verärgert zeigt er sich, dass die Nachtgastronomie weder von Politik noch vonseiten der Interessensvertreter auch nur erwähnt worden sei. „Mein wichtigstes Standbein ist ja bekanntlich meine Diskothek Apollon.“ Harald Kirchberger, Junior-Chef des gleichnamigen Gasthauses und Kegelbahnbetriebes in Himberg, berichtet, dass sein Betrieb für Abwicklung der zuletzt gültigen Registrierungspflicht beinahe einen eigenen Mitarbeiter einstellen hätte müssen.

„Immerhin haben wir einen großen Außenbereich, den wir zusätzlich noch ausbauen. Da viele Leute auch in Zukunft lieber draußen sitzen wollen, ist das ganz bestimmt von Vorteil für uns.“

Die „Färberstub’n“ hat nur einen relativ kleinen Außenbereich geplant, weshalb Chefwirt Horky schon die Aufteilung freier und besetzter Tische in seinem recht kleinen Betrieb genau durchdenkt. „Die Einhaltung der Maßnahmen wird sich schon einspielen. Aber für den Beginn kann ich mir kaum vorstellen, dass ein Wirt die Zeit aufbringen kann, mit Gästen einen Corona-Test und mehr durchzuführen.“

Christoph Jäger blickt „unguten Diskussionen und Streitereien“ mit Stammkunden entgegen, die aufgrund des guten persönlichen Verhältnisses meinen könnten, ohne Test, Impfung oder Maske ins Lokal zu dürfen. Wenig Probleme sehe er bei Familien und Wanderergruppen, die einen Gasthausbesuch einplanen. „Leute, die sich nur spontan auf ein Bier oder ein Achterl zu mir reinsetzen wollen, könnten diese Maßnahmen aber abschrecken.“

Mitarbeiter blieben weitgehend erhalten

Dass die heimische Gastronomie- und Tourismusbranche auf der Beliebtheitsskala potenzieller Arbeitnehmer weit unten rangiert, war schon vor Corona bekannt. Die Corona-Zeit, welche mit lange andauernder Kurzarbeit oder Kündigung mit „Wiedereinstellungszusage“ verbunden war, hat die Situation mancherorts verschärft. So mancher Gastromitarbeiter wechselte in andere Branchen. „Was das Service-Personal betrifft, ist die Situation katastrophal“, bilanziert Jäger die Suche nach Aushilfskräften düster. Die „Färberstub’n“ hat ihr kleines Team über die Pandemie erhalten. „Bei uns hat eine Mitarbeiterin gekündigt und sich mit einem Nahversorgerladen selbstständig gemacht“, berichtet hingegen Kirchberger. „Sie war unsere 40-Stunden-Kraft. Wir halten als Familie den Betrieb natürlich am Laufen und helfen eng zusammen.“

Seit jeher einen Ein-Mann-Job macht Max Flaschberger im Würstelstand in der Kremser Innenstadt. Für „Bosna Max“, wie der Imbiss in der Stiebargasse neuerdings heißt, gelten besondere Regeln, wie Wirte-Sprecher Mario Pulker auf Nachfrage bestätigt: „Gäste brauchen hier keine Tests, weil es keinen Gastraum und keinen Gastgarten gibt.“

Außerdem ist durch die Öffnungsverordnung auch die 50-Meter-Regel gefallen, die eine Konsumation im unmittelbaren Nahbereich der Speisen- und Getränkeausgabe verbot. Würstelstandbesucher dürfen ihre Mahlzeit unter Einhaltung der Abstandsregeln in der Altstadtgasse verdrücken. Inhaber Flaschberger hofft auf „einen halbwegs normalen Betrieb, vernünftige Leute und keine Streitereien.“ Keine Selbstverständlichkeit für den Wirt, der schon vor der Schließung im Spätherbst eine zunehmende Gereiztheit beim Diskussionsthema Corona bemerkte.

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