Anfragen in Tierheimen stark gestiegen. Gestiegenes Bedürfnis nach Haustieren war auch im Kremser Tierheim spürbar. Obfrau spricht über kuriose Anfragen, Beschränkungen und erfreuliche Spenden-Trends.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 03. Februar 2021 (05:20)
„Im Lockdown viele Anfragen und kaum Abgaben“: Die Möglichkeiten, Spenden und Einnahmen zu akquirieren, wurden durch die Lockdowns eingeschränkt. Die Arbeitsplätze konnten aber gehalten werden, das Tierheim stockt sogar auf. Aktuell kümmern sich zwölf Personen, wie etwa hier die Tierpflegerin Anikó Péter, um das Wohl von Hund, Katz, Nager oder Vogel.
Johannes Mayerhofer

“Solche Überraschungen kommen immer wieder vor“, sagt Nina-Maria Zinn-Zinnenburg, die Obfrau des Kremser Tierschutzverbandes. Gerade als das NÖN-Interview beginnen sollte, klopft nämlich ein Mann an die Eingangstür des zu diesem Zeitpunkt geschlossenen Kremser Tierheimes: Er möchte gerne eine Futterspende abgeben. Nach wenigen Minuten hat Zinn-Zinnenburg fünf Gefäße mit Katzenfutter gefüllt und reflektiert die aktuelle Situation des Tierheims und die vergangenen zehn Monate.

Zahl der Anfragen stieg mit jedem Lockdown

„Wir haben mit Beginn des ersten Lockdowns einen gewaltigen Anstieg der Zahlen von Anfragen von Leuten erlebt, die sich ein Tier zulegen wollen“, erzählt Zinn-Zinnenburg. Gleichzeitig habe es in diesen März- und Aprilwochen keinen einzigen Menschen gegeben, der ein Tier abgeben wollte. Die Zahl der Anfragen habe sich fast im Gleichklang mit dem gesundheitspolitischen Wechselbad aus Lockdowns und Lockerungen wellenartig mitbewegt. „In der warmen Jahreszeit gingen die Anfragen wieder zurück, mit dem erneuten Lockdown seit Herbst ist das Interesse an Heimtieren wieder am Steigen.“

Auch in „normalen Zeiten“ appelliert die Tierheim-Chefin an alle Interessenten, sich die Anschaffung eines Tieres - egal ob aus dem Heim oder vom Züchter - gut zu überlegen und sich die Frage zu stellen, ob, und wenn ja, welches Tier in den eigenen Lebensalltag passen würde. Wenn aber das eigene Leben durch pandemiebedingte ökonomische und soziale Unberechenbarkeit immer weniger planbar wird, sollte die Anschaffung eines Tieres besonders gut überlegt sein. „ Das Motiv, sich ein Tier zuzulegen, weil man alleine ist oder zu viel Zeit hat, war dabei oft ausschlaggebend“, erklärt Zinn-Zinnenburg.

Zwar nicht regelmäßig, jedoch immer wieder, sei es auch zu kuriosen Anfragen gekommen. „Wir erlebten einige Male, dass Interessenten zu uns kamen, die dachten, sie könnten sich ein Tier quasi ,mieten‘. Wenn sich etwa jemand für die Zeit im Homeoffice oder in der Kurzarbeit eine Katze oder einen Hund anschaffen und dann wieder zurückgeben will.“ Das habe man seitens des Tierheimes „dankend abgelehnt“. Das Tier habe eine Seele, gewöhne sich an die neue Umgebung und wisse dabei nicht, dass es bald wieder zurückgegeben wird. Andere Tierheime berichten davon, derartige Interessenten würden dies als kurzweiligen Zeitvertreib für sich und als „eine Art Urlaub vom Tierheim“ für den Vierbeiner betrachten. Ein weiterer Aspekt: Durch die zeitweiligen Grenzschließungen sei der Ankauf von Tieren aus dem Ausland erschwert worden.

Spendenbereitschaft hat auch 2020 nicht gelitten

Die restriktive Pandemie-Politik führte teilweise dazu, dass das Tierheim Krems sich auf Kernaufgaben beschränken musste. Zu leichten Änderungen kam es bei den Schulungen für interessierte Hundeausführer. „Diese finden über ein Wochenende statt. Der Theorieteil wird online durchgeführt, der Praxisteil in kleinem Rahmen an der frischen Luft.“ Stärkere Restriktionen gab es an anderer Stelle.

„Frühlingsfest, Weihnachtsfest und Flohmärkte konnten nicht stattfinden“, bedauert Zinn-Zinnenburg. Damit verbunden sei natürlich ein Wegfall der Einnahmen. Gleiches gelte für die Spendenboxen des Tierheimes, welche in Kremser Geschäften, die nun aber geschlossen sind, positioniert seien. Die allgemeine Spendenbereitschaft der Bevölkerung habe aber auch im Ausnahmejahr nicht gelitten. Zahlreiche Kleinspenden und auch Überweisungen von Tier-Paten liefen gewohnt weiter. Subventionen decken etwa die Hälfte der Ausgaben des Tierheimes ab.

Allerdings „rutsche“ man finanziell „immer so durchs Jahr“ – dies gelte nicht nur für 2020. Zinn-Zinnenburg berichtet von einem interessanten aktuellen Phänomen. „Wenn Menschen sterben, die große Tierfreunde waren, dann erleben wir nun stärker als in den vergangenen Jahren, dass bei den Beerdigungen anstelle von Kränzen Geld für das Tierheim gesammelt wird. Keine Riesenbeträge, aber da zeichnet sich definitiv ein Trend ab!“

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