Breitband auf dem Vormarsch. Breitband für alle? Die NÖN hat sich die Lage der digitalen Infrastruktur in den Kremser Gemeinden angesehen.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 19. August 2020 (05:32)
„Habe mich schon vor zehn Jahren für Glasfaserausbau eingesetzt“: Für den Langenloiser Bürgermeister Harald Leopold hat nicht erst die Lockdown-Zeit die Notwendigkeit schneller Internetanbindung gezeigt.
Johann Lechner

„Eines Tages kam mein Sohn zu mir und beschwerte sich: ,Das Internet ist viel zu langsam. Könnt ihr da auf der Gemeinde nix tun?‘“, erzählt der Langenloiser Bürgermeister Harald Leopold (ÖVP) im Gespräch mit der NÖN. „Sechs bis sieben Mbit/s sind als Downloadrate wirklich völlig unzureichend“, bekräftigt er.

Er habe sich schon vor zehn Jahren für den Breitbandausbau eingesetzt. Was Förderungen betraf, so wurde zu dem Zeitpunkt der politische Schwerpunkt auf äußerst strukturschwache Regionen – was Langenlois nicht ist – gesetzt. Was ist seit 2015 und dem damals gestarteten Förderprogramm für den Breitbandausbau geschehen? Welche Kremser Gemeinden profitierten besonders stark oder schwach?

Das sind die Top fünf bei Breitbandförderung

Der Bezirk Krems erhielt seit 2015 5,3 Millionen Euro an Breitbandförderung vom Bund. Der Fokus lag hierbei stark auf Krems-Land. In der Stadt Krems wurden nur 3,6 Prozent dieser Fördersumme eingesetzt, obwohl dort immerhin rund 43 Prozent der Bezirksbevölkerung leben.

Platz eins der Gemeinden mit den meisten Breitbandförderungen macht Paudorf. 2,2 Millionen Euro wurden für die 2.560-Seelen-Gemeinde bereitgestellt, also 859 Euro pro Kopf. Die darauf folgenden vier Plätze belegen Furth bei Göttweig mit 322, Senftenberg mit 195, Aggsbach Markt mit 132 und Langenlois mit 115 Förder-Euros pro Einwohner.

Breitband-Atlas zeigt „digitale Landkarte“

Die Förderungen zum Breitbandausbau gehen nicht an Gemeinden, sondern an Unternehmen, welche die Glasfaser-Infrastruktur bereitstellen. Während von A

1 bis Redaktionsschluss keine Antworten kamen, gab die NÖ Glasfaserinfrastrukturgesellschaft (nöGIG) technischen Einblick und genauere Auskünfte in die Situation in den Gemeinden. Sie verweist auf den sogenannten „Breitband-Atlas“, welcher laut nöGIG-Sprecher Werner Reiter „dem Bund als Grundlage für Breitbandförderungen dient“.

Durch diese digitale Landkarte wird ersichtlich: Senftenberg verfügt über Downloadraten zwischen 10 und 30 Mbits/s. Während digitale Netze den Bewohnern von Krems-Stadt fast flächendeckend zwischen 100 und 1.000 Mbit/s ermöglichen, ist dies in Furth, Langenlois und Paudorf nur stellenweise der Fall. Hier liegen die Downloadraten zwischen 30 und 100 Mbit/s. „Gigabitfähige“ Gemeinden, also solche, die eine Rate von mehr als 1.000 Mbit/s aufweisen, sucht man in den Daten, welche aus dem Jahr 2019 stammen, allerdings noch vergeblich.

Mindestens 40 Prozent müssen zustimmen

Was sagen die Bürgermeister und Gemeindevertreter zur aktuellen Situation?

Martin Rennhofer (ÖVP) in Paudorf sieht weitgehend zuversichtlich in die Zukunft. „Phase zwei des Breitbandausbaus hat vergangenes Jahr begonnen. Bis 2022 sollen flächendeckende und direkte Glasfaseranschlüsse für private Haushalte zur Verfügung stehen.“ Bei nöGIG heißt es: „Die Zustimmung der Bevölkerung ist hier zentral. Paudorf hat die 40-prozentige Mindestbestellquote, welche für den weiteren Ausbau notwendig ist, bereits im Frühjahr erreicht.“ Der Bau könne deshalb schon „voraussichtlich diesen Herbst beginnen“.

Gewisse Anteile an Glasfaserinfrastruktur gibt es in vielen Gemeinden. „Häufig sieht das aber so aus, dass Glasfaserleitungen bei den entsprechenden Kästen zusammenlaufen und die Haushalte dann mit herkömmlichen Kupferleitungen angeschlossen sind“, erklärt der Langenloiser Stadtchef Leopold.

Konzern-Wettstreit nervt Bürgermeister

Etwas genervt oder irritiert zeigen sich einige Bürgermeister hinsichtlich des Breitband-Wettstreits der Telekommunikations-Konzerne. „nöGIG baut sehr viel, und A 1 will sich nichts wegnehmen lassen. Unsere lokale Glasfaserinfrastruktur kommt momentan jedoch ausschließlich von A 1. Der Konzern hatte ein Förderausschreiben gewonnen“, meint etwa Leopold. Rennhofer: „Diese Konkurrenzsituation stellt uns Ortschefs vor Unsicherheiten.“ So sei es sogar immer wieder zu Spekulationen gekommen, ob A 1 jene Grundstrukturen, welche von nöGIG aufgebaut wurden, überhaupt nutzen wolle.

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