Der Heilige Nikolaus trotzt der Corona-Pandemie. Kindergärten halten Feiern auf unterschiedliche Weise hygienegerecht ab. Auch langgediente Straßen-Nikolos werden unterwegs sein.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 02. Dezember 2020 (05:18)
Ein Nikolaus-Veteran in Berufskleidung: Der Mediziner Wolfgang Schuhmayer wird heuer zum neunten Mal als Heiliger Nikolaus seine Runden drehen.
Johannes Mayerhofer

„Wissen Sie, mit dieser Nikolaus-Verkleidung ist es oft kompliziert“, erklärt Wolfgang Schuhmayer leicht verschmitzt. „Man muss aufpassen, was man darunter anzieht. Ist die Kleidung nur etwas zu leicht, friert man sich bei unwirtlichem Wetter schnell ab, umgekehrt läuft einem sofort der Schweiß hinunter. Man braucht auch gutes Schuhwerk. An den Füßen beginnt man zuerst zu frieren.“

Schuhmayer muss es wissen. Immerhin wird er am 6. Dezember zum neunten Mal als Nikolo in seinem Heimatdorf Großmotten unterwegs sein. Bevor er aus Gars am Kamp hierher zog, hatte er mit dem Heiligen Nikolaus nichts zu tun.

Nur durch einen Zufall rutschte er in diese Rolle: „Im Wirtshaus hörte ich die Leute vom Dorferneuerungsverein darüber diskutieren, wer den nun den Nikolaus ,machen‘ solle. Aber niemand meldete sich freiwillig. Aus einem spontanen Impuls heraus setzte ich mich dazu und meinte: Ich wäre dabei!“ Kinder habe er außerdem sehr gerne, und an die Nikolaus-Feiern seiner eigenen Kindheit denke er auch liebend gerne zurück.

„Ich werde mit Süßigkeiten durch die Straßen ziehen. Private Nikolobesuche gibt es aber heuer nicht.“ Andreas Murhammer alias Kremser Weihnachtsmann

Aufgrund der Corona-Pandemie und der gesundheitspolitischen Antworten wollte Schuhmayer dieses Jahr rechtlich ganz sicher sein. „Ich habe mich davor mehrfach schlau gemacht, ob eine Nikolo-Tour durch den Ort von der Verordnung gedeckt ist“, erzählt er. Er habe auf die angekündigte Überarbeitung der besagten Verordnung gesetzt. Diese sollte dahingehend geändert werden, dass das Verteilen von Süßigkeiten am 6. Dezember als „Ausübung eines Berufes“ definiert.

Nikolo als „normaler Spazierer“ unterwegs

Aber auch ohne Änderung sei Schuhmayer gelassen. „Ich bin ein normaler Bürger, der verordnungsgemäß im Freien spazieren geht. Nur eben als Nikolaus verkleidet und mit Süßigkeiten“, witzelt er auf trockene Art und Weise. Immerhin betrete er keine Häuser, und eine Runde durch den Ort koste ihn nur etwa eine halbe Stunde.

Hinsichtlich der Risiken der aktuellen Pandemie zeigt der Mediziner sich gelassen. „Ich bin als damaliger Manager eines Pharmabetriebs und später als Journalist auf der ganzen Welt unterwegs gewesen, Ich fürchte mich nicht vor Viren“, erzählt Schuhmayer, der aktuell in Großmotten tiergestützte Therapien anbietet. „Ich arbeite fast täglich im Stall, also in einem Gemenge aus Viren, Bakterien und Pilzen.“

Auch Andreas Murhammer, bekannter als der „Kremser Weihnachtsmann“ oder auch „Kremser Nikolaus“, trotzt der Pandemie und wird ab Ende des Lockdowns auf den Straßen der Kremser Innenstadt unterwegs sein. Die konkreten Termine sind auf der Homepage der Stadt Krems einsehbar.

Murhammer ist für gewöhnlich nicht nur auf den Straßen unterwegs, um Süßigkeiten zu verteilen. „Normalerweise nehme ich auch Anfragen für private Besuche als Nikolaus oder Weihnachtsmann entgegen.“ Er sieht sich in der Funktion des „Briefboten“, wenn Kinder ihn bitten, dem Christkind ihre Wünsche zu übermitteln. „In diesem Jahr fallen diese Privatbesuche natürlich vollständig weg“, so Murhammer.

Landeskindergärten: Sackerl durch Fenster

Wie sieht die Situation dort aus, wo die „größten“ Nikolaus-Fans anzutreffen sind?

Hinsichtlich der Landeskindergärten heißt es vom zuständigen Büro in St. Pölten: „Jeder Landeskindergarten wird seine eigene Nikolaus-Feier abhalten. Die hygienischen Vorschriften müssen eingehalten werden, aber abseits davon kann jeder Kindergarten den genauen Ablauf je nach den lokalen Begebenheiten selbst bestimmen.“

So könne der Nikolo seine Sackerl durch ein Fenster überreichen. „Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Kinder sich mit den Betreuern auf die Suche nach dem Nikolaus machen, und bei der Rückkehr hat dieser dann schon die Sackerln vorbeigebracht.“ Zur Not könnten Betreuer, obwohl im Regelfall weiblich, in die Rolle des Nikolos schlüpfen.

Im Kremser Landeskindergarten Stein-Göttweigerhof wird der Nikolaus seine Gaben im Garten hinterlassen. „Das haben wir auch schon im Rahmen des Martinifestes so praktiziert“, heißt es auf NÖN-Anfrage.

Der privat geführte „St. Nikolaus“-Kindergarten Mitterau der Erzdiözese St. Pölten wird seinem Namen gerecht und wird den Nikolo empfangen. Allerdings wird auf einen externen Heiligen-Darsteller verzichtet. Der Vater eines dort betreuten Kindes springt in dieser Rolle ein. Auch das ist eine pandemiebedingte Sicherheitsmaßnahme.

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