Digital statt Papier: Sparbuch droht nun das Aus. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer und Petra Vock. Erstellt am 04. Februar 2020 (05:41)
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Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es so weit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt.

Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – des Sparkontos – abgebildet.“ Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

„Nicht so begütert, dass man spekulieren kann“

Insbesondere für ältere Menschen ist das gute alte Sparbuch aber durch nichts zu ersetzen, wie Alfred Scheichel (SPÖ), Vorsitzender des Pensionistenverbandes im Bezirk Krems, bestätigt: „Das Sparbuch ist bei der älteren Generation immer noch sehr beliebt, auch wenn es nichts mehr abwirft.“

Aktien und andere Veranlagungen seien eher die Ausnahme, meint Scheichel: „Unsere Klientel ist ja nicht so begütert, dass sie spekulieren kann.“ Als Alternative zum Sparbuch sieht Scheichel bei der älteren Generation am ehesten Gold – etwa in Form von Golddukaten, die auch gerne verschenkt werden.

Armin Sonnauer (ÖVP), der Obmann des Seniorenbundes im Bezirk Krems, beobachtet zwar eine steigende Bereitschaft zu Anlageformen wie Aktien oder Anleihen, mehrheitlich sei die ältere Generation aber lieber auf der sicheren Seite – auch wenn Sparer aufgrund der geringen Zinsen durch die Inflation laufend an Kaufkraft verlieren: „Die ältere Generation ist natürlich sehr konservativ. Wir sehen das Sparbuch noch als sicheres Anlageobjekt. Es ist keinen Kursschwankungen unterworfen, auch wenn es vom Wert her fällt.“

Eine Rolle spiele auch die Tatsache, dass ältere Menschen nicht so viel Zeit im Internet verbringen: „Viele sagen: ,Die paar Prozent, die ich verliere, sind mir lieber, als dauernd in den Computer reinzuschauen, ob die Aktie steigt oder fällt.‘“

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