Drei Jahre nach der Krise. Vorzeigebeispiele gelungener Integration aber auch unschöne Zwischenfälle im Bezirk Krems.

Von Petra Vock, Martin Kalchhauser und Franz Aschauer. Erstellt am 20. November 2018 (04:19)
Gemeinde Langenlois/Ulli Paur
Das Lerncafé am Langenloiser Holzplatz ist eine wichtige Einrichtung der Flüchtlingshilfe in der Weinstadt. Rund 30 ehrenamtliche Helfer rund um die Initiatoren Gabrielle Erd (links) und Wolfgang Almstädter (Vierter von links) helfen dort beim Erwerb der deutschen Sprache. Bei Speis und Trank überzeugte sich jüngst auch Bürgermeister Harald Leopold (vorne, M.) davon.

Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass ein wahrer Flüchtlingsstrom über Europa hereinbrach. Kriegswirren und Terror, aber auch Armut und die Aussicht auf ein besseres Leben veranlasste Menschen aus verschiedenen Ländern, ihre Heimat zu verlassen. Nicht wenige suchten ihr Heil in Niederösterreich.

Auch der Bezirk Krems bekam das zu spüren. Zwar federte die Stadt Krems den Bärenanteil der Migranten ab, es mussten aber auch die Landgemeinden ihren Teil zur Entschärfung der Situation beitragen. In Regionen, in denen die Skepsis gegenüber Zuwanderern traditionell groß ist, keine leichte Aufgabe.

Ein Vorzeigeprojekt im Einsatz für Flüchtlinge ist die Flüchtlingshilfe Langenlois. 110 Migranten betreuten die Initiatoren Gabrielle Erd, Wolfgang Almstädter und Charlotte Ennser mit ihrem rund 30-köpfigen Team in Hoch-Zeiten. Heute sind es noch 58. Viele haben schon einen positiven Bescheid auf ihren Asylantrag erhalten und sind dann weitergezogen.

"Großteil ist nach Wien gegangen"

„Ein Großteil ist nach Wien gegangen, weil dort ihre Community ist und, weil Wien eine höhere Mindestsicherung hat. Etliche sind aber auch schon wieder zurückgekommen, weil sie gesagt haben, in Langenlois ist es ihnen besser gegangen“, schildert Erd.

Die Resonanz der Langenloiser Bevölkerung auf die Flüchtlingshilfe war nicht nur positiv, wie Erd erzählt. „Es gab etliche Vandalenakte auf die Privatautos des Teams. Aufseiten der Gemeindepolitik habe ich parallel zum Wechsel auf bundespolitischer Ebene einen Rückzug der Bemühungen erlebt.“ Dankbar ist Erd der Gemeinde dennoch. „Sie hat Arbeitsplätze im Bauhof zur Verfügung gestellt.“

"Aufgabe ohne Negativ-Wellen bewältigt"

Rund 200 ehrenamtliche Helfer hatte Manuela Leoni, die die Flüchtlingshilfe in der Stadt Krems koordiniert, anfangs. Immerhin 50 sind es nach wie vor. Bis zu 300 Asylwerber waren 2015 in Krems untergebracht. Als Flüchtlinge anerkannt sind etwa 150 Personen, die in Krems leben. Probleme gibt es kaum: „Es ist uns gelungen, die anfangs gute Stimmung mitzunehmen und die Aufgabe ohne große Konflikte und ohne Negativ-Wellen zu bewältigen.“

Massive Probleme gab es hingegen in Hadersdorf, wo eine Vergewaltigung durch einen Afghanen die Wogen hochgehen ließ. Brigitte Britton beherbergte dort 2015 bis zu 30 Fremde. Aktuell sind es nur mehr 14. Über ihre Erfahrungen darf Britton nach eigener Auskunft wegen eines Verbots des Landes nichts sagen. Der Auskunft des Landes, dass die Stilllegung des Quartiers beabsichtigt sei, widerspricht Bürgermeisterin Liselotte Golda, aber: „Wir wollen kein Hauptstandort bleiben und schauen wachsam auf die Entwicklung.“

Der Ausbildung junger Flüchtlinge hat sich das BORG Krems verschrieben. Die Schule bietet als einzige AHS in NÖ heuer zum zweiten Mal einen „Übergangslehrgang“ an, in dem 16 Teilnehmer aus Afghanistan, Irak, Iran und Syrien für eine Schule oder eine Lehre fit gemacht werden. Unterrichtet wird von einem Team aus mehreren Schulen, die Teilnehmer kommen aus Krems, Langenlois, Straß, Horn und St. Pölten.

Zahlen und Fakten

  • Mit Stichtag 6. November zählte die Stadt Krems 164 asylberechtigte Personen, die eine bedarfsorientierte Mindestsicherung beziehen. Im Bezirk Krems-Land sind es 75. Zum Vergleich: In den Nachbarbezirken Zwettl bekommen 52 asylberechtigte Personen bedarfsorientierte Mindestsicherung, in Melk 196.
  • Die meisten Asylberechtigten, die eine bedarfsorientierte Mindestsicherung beziehen, leben in St. Pölten (1.125).

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