Empörung in Langenlois: Ziesel Opfer von Rattengift

Nicht nur Tierschützer sind besorgt. Haustiere und Kinder in Gefahr. Anzeige bei Polizei erstattet.

Erstellt am 02. Juni 2021 | 06:08
Bezirk Krems - Empörung in Langenlois: Ziesel Opfer von Rattengift
Wildtierpflegerin Karin Brunner mit einem der beiden Ziesel, die dem Gift zum Opfer gefallen sind.  Foto: Johann Lechner
Foto: Johann Lechner

Mindestens zwei Ziesel sind in der vergangenen Woche zwischen Langenlois und Kronsegg Rattengift zum Opfer gefallen. Jetzt wird gerätselt, ob die geschützten Tiere gezielt getötet wurden. Eine Anzeige an die Langenloiser Polizei wurde erstattet.

Bei einem Spaziergang fiel einem jungen Mann ein Ziesel auf, das sich eigenartig benahm. Als er merkte, dass das Tier das Maul voller Körner hatte, dachte der Spaziergänger zuerst, es würge an seinem Fressen. Doch es befand sich im Todeskampf …

Tiere hatten noch den Giftweizen im Maul

Während dieses Tier die Wildtierpflegestation Karin Brunners in Gföhl noch lebend erreichte, wurde ein weiteres, in unmittelbarer Nähe gefunden. Dieses war bereits tot. Gemein hatten die beiden kleinen Nager um ihr Maul die roten Spuren eines für sie tödlichen Stoffes, der unter Rodex, RatStop oder Ratron-Giftweizen vertrieben wird.

„Das kann jedes andere Tier erwischen“, ist Brunner entsetzt, dass jemand das Gift womöglich frei zugänglich platziert hat. „Auch Hunde und sogar Kinder könnten von dem Stoff erwischen!“

Giftstoff ist auch für Menschen bedenklich

In der Beschreibung eines der Produkte heißt es ausdrücklich, dass das Gift „auch für Menschen und Haustiere nicht unbedenklich ist und Langzeitschäden hervorrufen kann“.

Seitens der Polizei wird ermittelt, ob vorliegendes Delikt „nur“ Tierquälerei ist oder sogar eine „Gefährdung der körperlichen Sicherheit“ (bei Gefahr für Menschen) darstellt. Die Empörung bei Tierschützern ist groß: „Ich hoffe, dass der Verdacht, dass die Ziesel gezielt vergiftet wurden, nicht stimmt“, meint etwa Andrea Specht, die Präsidentin der Tierschutzverbandes NÖ. Ihren eigenen Beobachtungen nach werden die streng geschützten Tiere merkbar weniger. „Sie sind bei Bauern, vor allem Winzern, oft ungeliebt, weil sie ihre Höhlen in die Böden graben.“

Sorgen um die vom Aussterben bedrohten putzigen Tierchen macht sich auch Tom Putzgruber vom Verein RespekTiere. „Dass sie schädlich sind, ist falsch. Das ist nur in den Köpfen mancher Menschen tief drinnen.“ Es gebe in den Weingärten keine nachweisbaren Schäden durch die Erdhörnchen. „Dass sie die Wurzeln der Weinstöcke abfressen und diese dann absterben, ist zum Beispiel nur ein Märchen.“

Wenn die Nager an Weizenfeldern nachweisbare Schäden verursachen, werde dies den Landwirten sogar abgegolten, weiß Putzgruber. Der einzige Ärger, der durch die Tiere entstehen könne, sei, wenn sie Gänge in die Abhänge der Weingärten graben. „Dann kann dies eventuell Böschungen unterminieren.“

Wie Putzgruber mitteilt, ist Krems eine der westlichsten Populationen der Ziesel. „Sie werden aber durch Bautätigkeit (vor allem Straßenbau, Anm.) immer mehr verdrängt, und es gibt Prognosen, die ihnen ein Aussterben innerhalb der nächsten 20 Jahre voraussagen!“