Enttäuschung über vierten Lockdown

Meinungen aus dem Bezirk Krems: ÖVP sieht „verantwortungslose FPÖ“, diese ortet „einfach lächerliche Kritik“. SPÖ und KLS für Impfpflicht, NEOS skeptisch.

Erstellt am 24. November 2021 | 04:48
Kremser Landstraße
Tote Hose: Unter „normalen“ Bedingungen würde in der Kremser Landstraße vorweihnachtliches Treiben herrschen.
Foto: Johannes Mayerhofer

Lockdown Nummer vier und die angekündigte Impfpflicht lassen politisch die Wogen hochgehen.

„Der Bundeskanzler hat sich am vergangenen Freitag entschuldigt, dass dieser Lockdown für alle kommen musste“, sagt VP-Landtagsabgeordneter Josef Edlinger. Die Bundesregierung sei sicher „nicht unfehlbar“, jedoch gebe es in Ländern mit guter Covid-Situation hohe Impfraten und keine „verantwortungslose Partei“, welche „Menschen aufwiegle und fragwürdige Medikamentenempfehlungen abgebe“. Damit ist die FPÖ gemeint, deren Obmann Herbert Kickl das Pferdeentwurmungsmittel Ivermectin empfohlen hat. Bei den Blauen sieht man das wenig überraschend anders. „Schuld an der Misere sind alle anderen, vor allem die FPÖ – einfach lächerlich“, kommentiert FPÖ-Bezirksobmann Walter Rosenkranz. Die Regierung sei wie „ein Ertrinkender, der wild um sich schlägt“. Auch dass Kickl in Bezug auf eine Impfpflicht Österreich „Diktatur“ nannte, hält Rosenkranz für legitim. 

„Ich habe darauf gehofft, dass sich ein allgemeiner Lockdown in der Ostregion vermeiden lässt“, sagt Markus Schwarz, Bezirkssprecher der Grünen. Er sieht zwar die Langzeitfolgen, er sei zum Schutz des Gesundheitssystems aber die „richtige Entscheidung“. G-Regelungen hätten nicht ausgereicht, nur mit Impfaktionen lasse sich Covid-19 eindämmen. Die von der Regierung für Februar 2022 verkündete Impfpflicht sei kein Mittel, welches „die Grünen leichtfertig in die Hand nehmen“, so Schwarz. Angesichts der aggressiven Deltavariante seien aber Impfraten von etwa 90 Prozent angesagt.

Unmissverständlich äußert sich SPÖ-Bürgermeister Reinhard Resch, Krems: „Ja zur Impfpflicht!“ Er verweist auf in Europa – und andernorts – längst ausgerottete Krankheiten wie Polio, Pocken usw. Während manche Politikbeobachter hinsichtlich des Krisenmanagements von „Staatsversagen“ sprechen, schätzt er die Situation als „Regierungsversagen mit ,Unterstützung‘ einiger Landeshauptleute“ ein.

Ton in Debatten wird rauer – nicht nur in der Politik

Ähnlich sieht es der Kremser KLS-Gemeinderat Nikolaus Lackner: „Die Impfpflicht hätte vor Monaten kommen müssen.“ Das FPÖ-Freiheits-Argument sei für Lackner nichts als „Wissenschaftsfeindlichkeit und Realitätsverweigerung“.

Bei den NEOS sieht man sowohl den Lockdown wie auch die Impfpflicht als Zeichen des „Totalversagens“ der Bundesregierung. „Auch wir sehen Kontaktbeschränkungen als notwendig, ein kompletter Lockdown geht uns aber zu weit“, meint der Kremser NEOS-Nationalrat Douglas Hoyos. Die Geimpften seien nun „die Dummen“, die Regierungsmitglieder sollten sich „überlegen, ob sie am richtigen Platz sitzen“.

Die Corona-Krise wühlt nicht nur die politische Klasse auf. Auch in der Gesellschaft wird der Ton rauer, bekommen Extremisten Aufwind. Lackner erteilt Kickls „Diktatur“-Sager zwar eine Abfuhr, sieht aber schon länger ablaufende autoritäre Tendenzen durch eine „Orbanisierung“. Pauschale Urteile über Corona-Demonstranten wie jene in Wien und Linz maße er sich zwar nicht an, jedoch müsse ihnen klar sein, „dass sie mit dem rechten Bodensatz marschieren“.

Edlinger hat „kein Verständnis, dass im Netz von Parteien und Gruppierungen Desinformationen gestreut werden“. Der Frage, wieso die Regierung selbst immer wieder Fakten von Experten ignoriert habe, weicht er aber aus.

Frage der Woche

  • Ist die Corona-Impfpflicht gerechtfertigt?