Fäkal-Bakterien von den Schiffen?. Zwei stärker verschmutzte Proben im Donau-Oberlauf wurden nahe bei Anlegestellen entnommen – eine in Oberloiben.

Von Petra Vock. Erstellt am 31. Juli 2018 (04:20)
Ewald Ruhm
Ist sorgloses Baden in der Donau, wie es Robin hier an anderer Stelle genießt, möglich? Die bei Oberloiben festgestellte Verschmutzung im ufernahen Bereich wirft kritische Fragen auf.

Der Name Oberloiben taucht in einer wissenschaftlichen Studie über die Fäkal-Verunreinigung der Donau auf – als einer von drei negativen „Ausreißern“ im sonst sehr sauberen Oberlauf des Flusses.

Durchgeführt wurde die Studie von der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems, der Technischen Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien. Die Forscher untersuchten, welche Bakterien im Wasser zu finden sind. Ergebnis: Die Donau ist insgesamt recht sauber, wobei der Unterlauf stärker verschmutzt ist und die gefundenen Fäkalbakterien vor allem vom Menschen stammen.

Keine Erklärung – außer Nähe zu Anlegestellen

Was aus Sicht der Wachau hellhörig werden lässt, sind die Ergebnisse im Detail: Im sauberen Oberlauf der Donau wurde nämlich an drei Stellen im ufernahen Bereich kritische und starke Verschmutzung festgestellt: Während für die gefundene Verschmutzung bei Wien der Grund klar ist (Donaukanal-Einmündung), ist in der Studie zu lesen: „Keine zufriedenstellende Erklärung konnte für Kelheim und Oberloiben gefunden werden, außer dass sich beide Stellen bei einer Schiffsanlegestelle befinden.“ Sind die Schiffe die Quelle der Verunreinigung?

KL/A. Reischer
Wissenschatfler Andreas Farnleitner: „Derzeit Spekulation.“

„Das ist derzeit reine Spekulation“, erklärt der an der Studie beteiligte Wissenschaftler Andreas Farnleitner von der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems. Der Grund: An jedem Punkt wurde nur eine Probe genommen, und die könnte auch zufällig verunreinigt gewesen sein – zum Beispiel durch einen Vogelschwarm, der sich kurz zuvor erleichtert hat. Ziel der internationalen Studie war es, ein gesamtheitliches Bild der Donau zu entwerfen und keine Detailinformationen über eine Stelle zu geben.

Möglich sei natürlich, dass die Verunreinigung von Schiffen stamme, räumte Farnleitner ein, aber sie könne genauso ein Zufallsergebnis sein, Fäkalien könnten durch Regen in die Donau gespült worden sein, oder die Fäkalbakterien könnten von einer Kläranlage kommen.

Um festzustellen, ob die „Ausreißer“ nur Zufall waren, wird die Karl Landsteiner-Uni mit Kooperationspartnern weitere Untersuchungen durchführen: Im Zuge einer Testung neuer Analysenverfahren werde man an der Donau wiederholt Proben entnehmen, kündigt Farnleitner an. „Sollte sich dabei zeigen, dass etwas dahintersteckt, so würden wir eine genaue Untersuchung planen.“ Wo es dann in der Wachau Messstellen geben könnte, stehe noch nicht fest: „Wir sind gerade erst dabei, mögliche Stellen auf ihre Eignung zu überprüfen“, so Farnleitner.

NÖN-Archiv
Bürgermeister Johann Schmidl:„Schon möglich, dass Schiffe etwas einleiten.“

Die Fäkal-Studie ist auch Dürnsteins Bürgermeister Johann Schmidl bekannt. „Ich halte schon für möglich, dass von den Schiffen etwas eingeleitet wird“, erklärte er gegenüber der NÖN. „Fallweise sieht man ja sogar, dass hinter den Schiffen etwas herschwimmt – keine Fäkalien, aber offenbar wird manchmal Müll entsorgt.“

Und was passiert mit den Fäkalien der Schiffsgäste? „Soweit ich informiert bin, gibt es entlang der Donau einige Anlegestellen, wo sie abgepumpt und entsorgt werden können“, so Schmidl. In Dürnstein würden aber definitiv keine Fäkalwässer abgepumpt, berichtet er: „Wo sollte das hin? Es ist nicht einzusehen, dass die GAV-Anliegergemeinden die Schiffs-Fäkalien mitzahlen müssen.“