Impfungen: „Die Gefahr ist abstrakt geworden“. Österreicher bei Impfraten oft unter WHO-Ziel von 95 Prozent. Apotheker und Ärzte appellieren an Impf-Bewusstsein.

Von Martin Kalchhauser und Johannes Mayerhofer. Erstellt am 11. Februar 2020 (05:17)
Symbolbild
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„Es gibt keine genialere Art, Krankheiten vorzubeugen, als das Impfen“, stellt der Vertreter der Allgemeinmediziner im Bezirk Krems, Peter Tschiesche, klar. Während die Entwicklung von Medikamenten oft Jahrzehnte dauere, sei ein Impfstoff in einem Jahr herstellbar, wie er betont. „Impfen ist besonders für Kinder und für ältere Menschen sinnvoll.“

Trotz dieser wenig komplizierten – Nebenwirkungen sind in der Regel vernachlässigbar – und oft kostenlosen Art, sich vor Grippe, Masern und Co zu schützen, liegen die Durchimpfungsraten in Österreich in vielen Bereichen weit unter der 95-Prozent-Marke der Weltgesundheitsorganisation (WHO). So ist laut Med-Uni Wien nicht einmal jeder zehnte Österreicher gegen Grippe geimpft. Und das bei über 1.000 Grippetoten pro Jahr.

„Impfskeptiker nicht per se verteufeln!“

Zahlreiche Apotheker und Ärzte sind sich einig: Es fehlt an Bewusstsein. „Kaum jemand kennt heute noch die schrecklichen Folgen beispielsweise einer Masern erkrankung. Die Gefahr ist abstrakt geworden“, sagt Gabriele Denk, Chefin der Kremser Adler Apotheke. „Während der Schulzeit wird noch kontrolliert geimpft und danach wird einfach darauf vergessen. Manche haben nicht mal einen Impfpass. Und von manchen Erwachsenen werden Masern und Co als ‚Kinderkrankheiten‘ verharmlost.“

Auch die Ärzte Albert Hörwarthner und Matthias Skopek sehen ein Bewusstseinsproblem. Skopek, der in Langenlois ordiniert, meint zudem: „Die Zahl der Impfgegner ist gering, aber Impfskeptiker gibt es einige.“ Eltern, die aus Skepsis und Falschinformation ihre Kinder nicht impfen lassen, wolle er nicht per se verteufeln, er lege mehr Wert auf engagierte Aufklärung.

Apotheker und Ärzte betonen den relativ einfachen Zugang zu Impfungen und Impfstoffen. „Wir haben hier im Laden sämtliche Impfstoffe zur Verfügung, die im österreichischen Impfplan stehen, und Stoffe für Reiseimpfungen“, erklärt Apothekerin Denk. Immer wieder seien Impfstoffe kurzfristig von Lieferengpässen betroffen. „Hier können wir aber aus Deutschland nachbestellen. Die Wartezeiten sind also recht kurz.“

„Impfpflicht nur als allerletztes Mittel!“

Der Kremser Arzt Hörwarthner blickt nostalgisch auf frühere Zeiten zurück: „Vor einigen Jahren hatte ich noch den Impfstoff in meiner Ordination.“ Das gehe nun nicht mehr. „Die Einführung der Registrierkassa hat hier einiges verkompliziert.“ Um nun alles korrekt zu machen, müsse er zuvor ein Rezept ausstellen und den Patienten zur Apotheke schicken oder selbst Steuern zahlen beim Einkauf. Dennoch seien Impfungen bei ihm leicht durchführbar. „Niemand muss sich extra einen Termin ausmachen.“

Wie können die teils blamablen Durchimpfungsraten in die Höhe gebracht werden? Neben mehr Aufklärung steht die Frage einer Impfberechtigung für Apotheker – wie es sie unter Voraussetzungen in der Schweiz gibt – im Raum. „Dafür bräuchten Apotheker eine Zusatzausbildung“, zeigt sich Apothekerin Denk skeptisch. „Und selbst dann sollten Impfungen nur in enger Absprache mit den Ärzten durchgeführt werden.“

Andere EU-Länder wie Italien haben hingegen die allgemeine Impfpflicht eingeführt – eine Idee, der Hörwarthner durchaus etwas abgewinnen kann. Denk hält sie bei Gesundheitspersonal, welches mit besonders geschwächten Personengruppen arbeitet, für notwendig. Skopek sieht in der Impfpflicht das „letzte Mittel“, sollte die Gefahr drohen, dass eine Krankheit flächendeckend ausbricht. Ärzte-Vertreter Tschiesche kennt auch so manchen Hygiene-Trick, durch den man sich und auch andere schützen kann: „Gründliches Händewaschen ist natürlich vor allem in der Influenza-Zeit wichtig. Und wenn man niesen muss, dann am besten in die Ellenbeuge.“

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