Jagdhund wurde von Wildschwein getötet. Tiere werden wehrhafter und für Vierbeiner gefährlicher. Frei laufende Hunde sind Gefahr für Wild und gefährden sich selbst.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 19. November 2019 (04:55)
„Winnie“, der fünfjährige Wachtelhund des Wösendorfer Jägers Christian Lengsteiner, hatte Glück: Er hat den Angriff des Wildschweines knapp überlebt.
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Ein Zwischenfall bei einer Treibjagd in Rossatz sorgte am 9. November für Aufsehen: Wildschweine töteten einen Jagdhund, ein zweiter überlebte die Attacke schwer verletzt nach einer Not-Operation.

„Ein Hund wurde von einem Keiler aufgeschnitten und getötet, der andere erlitt Stiche in die Lunge“, erzählt Jagdleiter Christian Klachl, der den Vorfall auf mehrere Umstände zurückführt. Erstens hätten sich die Wildschweine massiv vermehrt, zweitens erlebe man gerade ein „Mastjahr“, die Tiere stünden gut im Futter und seien stärker als sonst.

Klachl denkt aber, dass die Verhaltensänderung auf das Auftreten des Wolfs zurückzuführen sei. „Wir haben etliche Risse von Rehen und Muffelwild, bei denen mittels DNA ein Wolf als Verursacher nachgewiesen wurde.“ Die Schweine bilden deshalb bei Gefahr (als die auch ein Jagdhund empfunden wird) eine Abwehrstellung in der Funktion einer Wagenburg.

Die Zunahme der Aggressivität von Wildschweinen bestätigt auch Bezirksjägermeister Andreas Neumayr, der auch aus anderen Bezirken ähnliche Erfahrungen kennt.

Oft bis zu 40 Tiere in einer einzigen Rotte

„Verletzte Hunde hat es bei der Jagd immer gegeben, aber die Zahl der Vorfälle nimmt enorm zu. Die Rotten werden größer, oft sind 30 bis 40 Tiere beisammen, und sie werden wehrhafter.“ Neumayr, der Klachls Argumente für diese Entwicklung teilt, nennt den Zusammenhang mit dem Wolf aber „nicht erwiesen“.

Normalerweise laufen Wildschweine davon, wenn sie auf Menschen treffen. „Wenn ein Hund ohne Leine dabei ist und den Tieren zu nahe kommt, ist er aber in Gefahr“, warnt Neumayr die Besitzer von Vierbeinern, auf ihre Lieblinge im Wald gut aufzupassen. „Hunde gehören in der freien Wildbahn an die Leine!“

Von einem frei laufenden Hund wurde in der vorvergangenen Woche ein Reh so schwer verletzt, dass es dann in der Riede Kremsleithen qualvoll verendete.
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Dass dies oft nicht der Fall ist, zeigen Risse von Rehwild, die immer wieder vorkommen. Lukas Hirmke von der Jagdgesellschaft Krems übermittelte der NÖN ein Foto eines Rehs, das von einem frei laufenden Hund schwer verletzt wurde und verendete. „Schon im Frühjahr gab es einen ähnlichen Fall. Wir hoffen, Hinweise auf den Hundehalter zu erhalten.“

Hundebesitzer sind also aus mehreren Gründen angehalten, ihre Vierbeiner nicht frei laufen zu lassen. Sind die Wildschweine auch für die Menschen, die im Wald spazieren gehen oder Pilze suchen, gefährlich? Neumayr: „In Gefahr wäre der Mensch nur, wenn er zwischen eine Bache und ihre Frischlinge kommt. Aber das ist höchst unwahrscheinlich, denn die Tiere riechen einen schon sehr früh und flüchten.“