Käferbefall: „Alarmstufe Rot“ für Fichten. Käfer-Alarm!: Hohe Bestände wegen fehlender Frostperioden und extreme Trockenheit setzen dem Wald zu.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 01. Mai 2018 (03:19)
Martin Kalchhauser
NÖN-Lokalaugenschein im Wald: Bezirksförster Richard Zeinzinger (links) und Bezirksforstinspektor Markus Perschl zeigen Rindenstücke einer Fichte mit massiven Borkenkäfer-Spuren. 

„Durchgehend besorgniserregend“ ist für Bezirksforstinspektor Markus Perschl die aktuelle Situation in den Wäldern des Bezirks Krems. Die Borkenkäfer (der Buchdrucker und der Kupferstecher) finden heuer ideale Bedingungen vor. Für die Waldbauern wird es, insbesondere in den Fichtenwäldern, ein hartes Jahr.

„Zahlreiche Bäume wurden schon jetzt durch die Käfer angebohrt“, zeigt Perschl beim Lokalaugenschein in einem Fichtenbestand nahe Reith bei Langenlois Löcher und Bohrmehl der Insekten auf der Rinde. „In drei bis vier Wochen werden die Käfer ausfliegen.“ Die Lage sei dramatisch: Ein einzelnes Käferweibchen könne bis zu 100.000 Nachkommen produzieren. Wie das Bundesamt für Wald warnend feststellt, werde die Lage 2018 „dramatisch“.

„Waldbesitzer müssen bei befallenen Bäumen nicht nur im eigenen Interesse tätig werden, sondern auch im Sinne der Nachbarn!“Bezirksforstinspektor Markus Perschl

Der Bestand an Käfern sei so groß wie nie zuvor. Wegen fehlender langer Kälteperioden sei der Bestand des Schädlings kaum dezimiert worden. Zudem, ergänzt Perschl, führe die starke Trockenheit nach dem heißen April dazu, dass die Bäume zu wenig Abwehrkraft haben. „Wenn der Baum stark ist, kann er die Käfer im Harz ertränken, bei längeren Regenperioden würden die Käfer verpilzen.“ Beides sei heuer, auch aufgrund der nachwirkenden Trockenheit des Jahres 2017, nicht zu erwarten.

Bezirkshauptmannschaft Krems
Das Foto zeigt einen Fichtenbestand, der bereits stark unter dem Befall der Borkenkäfer-Art des Buchdruckers leidet.  

Wenn Schäden festgestellt werden, muss die Behörde tätig werden. Dann ergehen Aufarbeitungsbescheide an die Wald eigentümer. „Geschlägertes Holz muss rasch aus dem Wald gebracht und in ausreichender Entfernung gelagert werden“, betont Perschl. Ein Problem seien „waldferne“ Eigentümer, also Waldbesitzer, die ihren Bestand nicht aktiv bearbeiten oder weit entfernt wohnen. „Im Sinn der Nachbarn müssen aber auch die tätig werden!“

Heimischer Wald muss „klimafit“ werden

Die Behördenvertreter sind aber nicht nur da, um zu strafen. Sie erteilen auch Auskünfte über Wiederaufforstungsprämien, mit denen vor allem auch die Abkehr von der Fichte gefördert wird. Bezirksförster Richard Zeinzinger: „Ziel ist ein klima-fitter Wald, am besten ein Mischwald!“ Auch er sieht dringenden Handlungsbedarf. „Es herrscht ,Alarmstufe Rot‘. Aber wir sind jetzt noch in einer Phase, in der man viel bewegen könnte!“

Ins selbe Horn stößt auch der Forstsekretär der Bezirksbauernkammer (BBK) Krems, Johann Sandler: „Die Aufforstungsförderung wurde im Bezirk Krems seit Oktober 2017 schon von 400 Waldbesitzern in Anspruch genommen.“ Geld gibt es, wenn in weniger als 500 Höhenmetern maximal 30 Prozent, darüber maximal 50 Prozent Fichten gepflanzt werden.

Kalchhauser
Forstsekretär Johann Sandler warnt: „Das Käferjahr fängt heuer besonders früh an!“

„Wir starten mit einem extrem hohen Bestand, weil die Zahl im Herbst 2017 explodiert ist“, meint Sandler zur aktuellen Käfer-Situation im 45.000 Hektar Fläche umfassenden Wald im Bezirk, der auf rund 3.500 Besitzer aufgeteilt ist. „Es ist also eine hohe Masse an Käfern ,am Start‘.“ Zu geringe Niederschläge verschärfen die Situation. „Der Boden ist auch in tieferen Schichten total trocken. Ich befürchte, dass alle Reserven aufgebraucht sind.“

Großer materieller Schaden durch den Verfall des Holzpreises sei eine weitere Sorge der Waldbauern. „Immerhin haben die heimischen Sägewerke zugesagt, ein Drittel mehr als sonst aus Tschechien zu importieren.“ Schwierig genug sei es in vielen Fällen für Waldeigentümer auch, Arbeiter zu finden, die in einem fremden Wald arbeiten. Und schließlich sei es aus Mangel an geeigneten Flächen oft eine Herausforderung, geschlägertes Holz in ausreichendem Abstand vom Wald zu lagern.

Infos für Waldbesitzer gibt es auf der BH unter 02732/9025 (Durchwahl-Klappen: 30615, 30621, 30622 und 30633).