Marillen-Rekordernte: „Kein Grund zum Jammern“. „Wachauer Marille“-Obmann Reisinger: Prävention gegen Marillen-Überangebot ist möglich.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 08. August 2019 (06:53)
Foto: Johannes Mayerhofer
Denken optimistisch: Gerhard Tastl mit Tochter Theresa und Ehefrau Gerti (im Bild von links)

Viele Wachauer Marillenbauern sahen sich mit einer Rekordernte konfrontiert. Franz Reisinger, Obmann der Wachauer Marille, kennt die Situation sehr gut: „In der Tat hatten wir Bäume, die 100 bis 120 Kilogramm Marillen statt 30 bis 40 trugen.“

Allerdings appelliert er an die Landwirte, präventive Schritte zu setzen, um späteres Überangebot zu verhindern: „Das Ausdünnen der Bäume nach der Blüte ist beispielsweise wichtig. Wenn ein Baum zu stark behangen ist, wirkt sich das auch schlecht auf die Qualität der Marillen aus. Die bleiben klein und entwickeln auch keinen guten Geschmack.“ Aber auch wenn es zu einer sehr großen Ernte kommt, gebe es Mittel, um nicht auf den eigenen Marillen sitzenzubleiben.

Eine Möglichkeit sei die Teilnahme an der „Marillenbörse“. Für einen jährlichen Beitrag von 50 Euro können Bauern ihr tagesaktuelles Marillenangebot auf der Homepage der „Wachauer Marille“ listen lassen. Der Kontakt zwischen Kunden und Anbietern werde dadurch erleichtert. Damit könne man den Verkauf auf der Straße zumindest ergänzen. „Im Vorteil sind auch jene Landwirte, die sich Stammkunden erworben haben“, erklärt Reisinger weiter. Dies biete mehr Planungssicherheit.

„Jeder Marillenbetrieb ist etwas anders“

Bei der Marillenproduktion des Rohrendorfer Bürgermeisters Gerhard Tastl sieht man die Situation relativ entspannt. „Auch wir hatten ein starkes Jahr, aber wir würden uns nicht darüber beschweren. Bei uns wurde rechtzeitig ausgedünnt. Wir haben zahlreiche Kunden, davon auch viele aus den Nachbarländern“, betont Tastl. Etwa ein Fünftel seiner Produktion geht in den Export. Ob man als Landwirt nun an der Marillenbörse teilnehme oder den Verkauf auf der Straße abwickle, ob man allein den Binnenmarkt bediene oder auch in den Export gehe, um einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage zu schaffen, hänge von der spezifischen Situation ab.

„Jeder Betrieb ist verschieden.“ Den Begriff „Marillenschwemme“ finde er, zumindest hinsichtlich der Situation des eigenen Hofs, übertrieben. Doch auch die Gesamtsituation versucht er optimistisch zu sehen: „Für viele Jahre hatten wir, soweit ich mich erinnern kann, eher das Problem, zu wenig Marillen in der Region zu haben. Wir hatten Frost, wir hatten auch Hagel“, sinniert er.

„Eine starke Ernte würde ich deshalb nicht katastrophisch als Schwemme bezeichnen. Wir haben zumindest keinen Grund zum Jammern.“

Französische Marillen im Einzelhandel

Angesichts des Überangebotes zahlreicher Wachauer Marillenbauern kann es Kunden verwundern, dass etwa bei BILLA Marillen aus Frankreich zu finden sind. Auf Anfrage der NÖN heißt es bei REWE, dass man zur Sicherstellung des Marillenangebots gezwungen sei, schon lange vor der österreichischen Blüte- und Erntezeit Verträge mit ausländischen Marillenbauern abzuschließen. Die Rekordernte der heimischen Landwirte sei zu dem Zeitpunkt noch nicht absehbar gewesen. Man bemühe sich aber, heimische Marillen in den Vordergrund zu stellen.