Erstellt am 11. Dezember 2018, 03:55

von Petra Vock und Martin Kalchhauser

Miteinander in Medizin ist möglich!. Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz hat mit der Forderung, den Verkauf homöopathischer Arzneimittel in Apotheken zu verbieten, für Aufregung gesorgt. Diese Mittel seien nicht wirksam, begründet Pilz ihre Aussage. Die NÖN fragte Mediziner und Apotheker im Bezirk, was sie darüber denken.

Wissenschafter Gerald Gartlehner: „Homöopathie als Placebo einsetzen!“ Homöopath Franz Brunner (Mitte) wendet sich gegen „inquisitorischen Eifer“. Bezirksärztevertreter Thomas Kalmar: „Jeder Mediziner muss seine Grenzen kennen!“  |  Donau-Universität Krems, Martin Kalchhauser, privat

Eine kritische Stimme, wenn es um die wissenschaftliche Absicherung medizinischer Therapien geht, ist Gerald Gartlehner, Leiter des Departments für evidenzbasierte Medizin an der Donau-Uni Krems. Die Plattform „Medizin Transparent“ kam nach der Sichtung von Studien zum Ergebnis, dass Homöopathie nicht besser wirkt als ein Scheinmedikament (Placebo). „Ich muss sagen, dass ich trotzdem Raum für Homöopathie, bewusst als Placebo eingesetzt, sehe.“

Manchmal sei es besser, abzuwarten. Der Großteil der Mittelohrentzündungen bei Kindern etwa sei mit Schmerztherapie nach 48 Stunden deutlich besser. „Es macht manchmal Sinn, Eltern zu überzeugen mit Homöopathie zwei Tage zuzuwarten, statt gleich mit einem Antibiotikum zu beginnen.“

Das ändere aber nichts daran, so Gartlehner, dass im Studium klar gelehrt werden müsse, dass Homöopathie nicht besser sei als ein Placebo. „Ein Verbot halte ich für überzogen, aber ein Hinweis auf der Verpackung wie in den USA wäre sinnvoll.“

Kein Verständnis für „inquisitorischen Eifer“

„Inquisitorischen Eifer“ wirft der Homöopath Franz Brunner Sigrid Pilz vor. „Immer wenn Leute glauben, sie müssen mit aller Gewalt ihre Position durchsetzen, ist das schlecht.“

Er habe 25 Jahre eine Homöopathie-Ordination in Krems betrieben, wo vielen Menschen geholfen wurde. Schon vor einigen Jahren habe es einen derartigen „Sturm im Wasserglas“ gegeben – die Ordination sei aber immer voll gewesen. Brunner gesteht zu, dass man bei vielem nicht wisse, wie, aber dass es funktioniere. „Was heute Wissenschaft ist, ist morgen schon wieder Irrtum.“

Brunner, mit klassischer Schulmedizin-Ausbildung, betont, dass „nur ein Arzt oder ein gut ausgebildeter Heilpraktiker“ Homöopathie anwenden solle, und appelliert an ein Miteinander: „Ich lehne die Schulmedizin nicht ab! Bei einer Chemotherapie etwa kann aber eine homöopathische Therapie Nebenwirkungen lindern.“

„Bin überzeugt, dass die Homöopathie wirkt!“

Ein Nebeneinander hält auch Apotheker Ulf Elser für möglich. In seiner Adler-Apotheke sind einige Mitarbeiterinnen speziell ausgebildet. „Es gibt keine Systemstudien, aber ich bin persönlich überzeugt, dass die Homöopathie wirkt.“ Elser will statt des Begriffs Alternativmedizin lieber das Wort Komplementärmedizin verwenden. „Homöopathie ist eine ergänzende Methode.“

Der Pharmazeut, der davor warnt, dass sich „an den Rändern leider auch unseriöse Anbieter mit ,Zauberei‘ anbieten“, appelliert an gegenseitiges Verständnis: „Wer den anderen verdammt, ist von vornherein suspekt. Das gilt für beide Seiten!“

Bezirksärztevertreter Thomas Kalmar sieht die Sache nüchtern: „In meiner orthopädischen Praxis verwende ich homöopathische Methoden nicht – nicht zu verwechseln mit pflanzlichen Präparaten, die ich sehr wohl einsetze.“ Homöopathie sollte „immer in Kombination mit der Schulmedizin“ verwendet werden. „Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile sowie Limitierungen, die ein Arzt kennen und erkennen muss.“

Durch die aktuelle, oft kontroversielle Debatte befürchtet Kalmar keinen Vertrauensverlust in die Ärzte. „Wenn Homöopathie eingebettet in schulmedizinische Methoden verwendet wird, sollte das dem Vertrauen in die Ärzte nicht schaden, zumal ja für das Behandeln auch eine Haftung besteht.“

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