ÖVP-Bastionen verteidigt: SPÖ-Ortschefs „wackeln“. ÖVP hielt alle 28 absoluten Mehrheiten. Grüne und Bürgerlisten konnten überraschen.

Von Martin Kalchhauser und Isabel Schmidt. Erstellt am 28. Januar 2020 (06:07)
Über fast durchwegs erfreuliche Resultate durfte man sich in der ÖVP-Bezirksgeschäftsstelle freuen. Im Bild: Bezirksobmann Hans Penz, Jungbauern-Bundesobmann Franz Xaver Broidl, Bezirksgeschäftsführer Raimund Pichler und Landtagsabgeordneter Josef Edlinger.
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Bei den Gemeinderatswahlen am Sonntag, 26. Jänner, konnte die ÖVP alle 28 absoluten Mehrheiten im Bezirk Krems halten. In den beiden umkämpften Kommunen, in denen SPÖ-Ortschefs regierten – in Paudorf mit absoluter Mehrheit, in Lengenfeld in einer Koalition mit der Bürgerliste – ist alles offen. Hier bleibt die Spannung auch über den Wahltag hinaus aufrecht.

„Wir haben in vielen Gemeinden stark zugelegt, das ist erfreulich“, zog Bezirksobmann Hans Penz am Wahlabend zufrieden Bilanz. „Wir haben in einem Drittel der Gemeinden über 70 % Zustimmung!“ Natürlich gebe es auch den einen oder anderen „Schönheitsfehler“, spielt Penz auf Rohrendorf, Senftenberg und Grafenegg an. Gerade in letzterem Fall seien aber „Probleme von außen gekommen“.

„In den Gemeinderat einziehen ist das eine, Mandate zu halten, das andere.“ Grünen-Bezirkssprecherin Sandra Mayer über die Erfolge der Grün-Gruppierungen

In Paudorf hätten die Wähler „gezeigt, dass sie eine Veränderung wollen“. Der Kandidat der ÖVP, Martin Rennhofer, würde einen hervorragenden Bürgermeister-Kandidaten abgeben. Jetzt gelte es, auszuloten, was man dort gemeinsam machen könne. In Lengenfeld gab es ein denkbar knappes Ergebnis. „Da geht es um zwei Stimmen, um die wir das zehnte Mandat verpasst haben. Das muss man sich nochmals anschauen – und zwar, ohne jemandem etwas zu unterstellen.“

„SPÖ-Bürgermeister haben gut gearbeitet!“

„Kein erfreuliches Ergebnis“, kommentiert SPÖ-Bezirksvorsitzender Reinhard Resch den Wahlausgang – auch wenn man mit einem Verlust von 2,5 % im NÖ-Vergleich noch gut davongekommen sei. Da könnten auch erfreuliche Ausreißer wie Mautern nicht darüber hinwegtrösten. Dass die Mehrheit in Lengenfeld und Paudorf an der Kippe stehe, sei schade. „In beiden Gemeinden wurde gute Arbeit gemacht.“ Es werde Gespräche geben, kündigt Resch an. Generell sei der große Einsatz der Mandatare leider nicht in Mandate umsetzbar gewesen.

Nur wenige freudige Augenblicke erlebten in der SPÖ-Zentrale Geschäftsführer Werner Stöberl und Bezirksvorsitzender Reinhard Resch.Kalchhauser
Foto: Martin

„Hochzufrieden“ zeigt sich Grünen-Bezirkssprecherin Sandra Mayer mit dem Ergebnis. In Langenlois wurden die fünf Mandate gehalten, die Grünen sind weiter zweitstärkste Kraft. In Schönberg (drei Mandate) und Furth (vier) habe es auf Anhieb Erfolge gegeben, und die sechs Sitze im Grafenegger Gemeindeparlament seien „ein ordentlicher Erfolg“. Mayer: „Die Latte für die Wahl in der Stadt Krems 2022 liegt hoch!“

Hat sich der Bundestrend oder lokales Engagement mehr auf das gute Ergebnis ausgewirkt? „Das ist sicher eine ,Goldene Mischung‘“, meint Mayer und warnt die Neuen: „Einziehen ist das eine, Halten der Mandate das andere.“ Auch wenn es meist eine absolute Mehrheit der ÖVP gebe, wolle man etwas bewirken: „Man kann auch in diesem Fall sicher ,lästig‘ sein.“

FPÖ-Mann in Paudorf Zünglein an der Waage

FPÖ-Bezirksparteichef Walter Rosenkranz wollte das Ergebnis gegenüber der NÖN nicht kommentieren. In einigen Fällen gab es herbe Verluste, bei denen sich Landesobmann Udo Landbauer auf eine „Vertrauenskrise“ ausredete. Eine der wenigen positiven Ausnahmen ist Gföhl, wo die Mandatszahl von zwei auf vier verdoppelt werden konnte.

Erich Spiegl, FPÖ: Entscheidet er die Bürgermeister-Wahl in Paudorf?
Foto: FPÖ

Kurios: Ausgerechnet in Paudorf, wo ein Mandat verloren ging und Erich Spiegl nun als einziger FPÖ-Mandatar agieren wird, ist die Partei in einer Machtposition. Beim Gleichstand von je zehn Mandaten zwischen Rot und Schwarz spielt er das „Zünglein an der Waage“.

Ob er Josef Böck (SPÖ) oder Martin Rennhofer (ÖVP) unterstützen wird, kann er noch nicht sagen. „Ich lasse das Ergebnis jetzt einmal auf mich einwirken und schlafe darüber.“ Beide hätten jedoch bereits den Kontakt zu ihm gesucht. „Ich werde abwägen, was das Beste für Paudorf ist.“

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