Erstellt am 04. Dezember 2018, 08:20

von Petra Vock, Daniel Lohninger und Christian Eplinger

„Online-Buchungen stark gestiegen“. Zwei von drei Gästen reservieren im Internet. Aber nicht jedes Hotel ist auf booking.com und Co. zu finden.

Seit Sommer auf einer Online-Buchungsplattform und sehr zufrieden mit der Entwicklung: Josef Eibl, Betreiber des Hotels Mariandl in Spitz.
 
 |  Johann Lechner

Der Weihnachtsurlaub naht. Etwa 65 Prozent buchen ihn online, zeigt eine Umfrage in Bayern. In Österreich, darüber sind sich die Touristiker einig, ist das Verhältnis praktisch ident. Die meisten Online-Buchungen laufen dabei über die großen Plattformen wie booking.com, hotels.com oder expedia.at. Ein wesentlich geringerer Anteil bucht über die Website des Betriebes oder des Tourismusverbandes, telefonische Buchungen sind die Ausnahme.

Genau das ist die Herausforderung für die Tourismusbetriebe: Viele, vor allem kleinere Betriebe, sind auf den großen Plattformen nicht zu finden. „Die häufigsten Gründe dafür sind, dass die Anbieter kein Vertrauen in die Online-Vertriebspartner, Probleme im Umgang mit der Datenpflege oder auch Angst vor dem unbekannten Gast haben“, weiß Andreas Purt, Geschäftsführer der Tourismus-Destination Mostviertel. Die Herausforderung sei es, diese Schwellenängste abzubauen. Gelingt das nicht, drohen diesen Betrieben auf Sicht massive Probleme. „Betriebe, die nicht auf diesen Plattformen zu finden sind, werden Gäste verlieren“, ist Purt überzeugt. Das Mostviertel baut deshalb als erste Destination ein umfangreiches Vertriebsnetzwerk und Channel-Management auf, das Onlinebuchungen bei allen Betrieben ermöglichen soll.

Generell gilt laut der zuständigen Landesrätin Petra Bohuslav: Größere Betriebe nutzen Online-Plattformen eher als kleine. Bohuslav gab deshalb als Ziel aus, so viele Betriebe wie möglich auf Online-Buchungsportale zu bringen. Aus diesem Grund arbeiten Niederösterreich-Werbung und Tourismusdestinationen mit dem Online-Buchungssystem „TOMAS“ zusammen. Die Kunden nutzen dieses Angebot von Jahr zu Jahr häufiger: Die Zahl der Zugriffe stieg im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 4,3 Millionen. Für Betriebe, die ein Online-Buchungssystem implementieren wollen, gibt es seit einigen Monaten zudem sogenannte Tourismus-4.0-Betriebscoaches. Sie beraten, unterstützen und schulen Betriebe bei der Digitalisierung der Buchungssysteme.

Wie viele Hotels und Pensionen in Niederösterreich nicht online gebucht werden können, lässt sich seriös nicht sagen. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Für die Wachau schätzt Bernhard Schröder, Geschäftsführer der Donau NÖ Tourismus GmbH, dass circa 30 Prozent aller Betriebe über Plattformen wie booking.com buchbar sind. Insbesondere kleine Zimmervermieter würden oft bewusst darauf verzichten – denn die Online-Plattformen kassieren Provisionen. „Allerdings können diese Prozente seit einiger Zeit in die Zimmerpreise auf der Plattform hineinkalkuliert werden“, so Schröder.

Gute Erfahrungen mit den Rankings und Bewertungen im Internet machte das Hotel Sole-Felsen-Bad in Gmünd. Viermal in Folge wurde es beim größten deutschsprachigen Tourismusportal Holiday-Check als „Bestes Hotel Niederösterreichs“ ausgezeichnet. 50 bis 60 Prozent der etwa 40.000 Nächtigungen pro Jahr kommen mittlerweile über Online-Plattformen.

„Die jungen Hoteliers schwören auf Plattformen wie booking.com. Aber auch etwas ältere Hotelbetreiber setzen zunehmend auf Online-Buchungen“, berichtet auch Manuela Kaiser vom Tourismusbüro Semmering. Denn anrufen, um zu buchen, würden nur mehr Stammgäste.

Einen Nachteil sieht Krems- Tourismus-Chefin Gabriela Hüther darin, dass die Online-Plattformen meist nur Zimmer anbieten: „Gerade für Kurzurlauber sind Gesamtpakete attraktiv – etwa mit Museumsbesuchen oder Führungen. Wenn man Einzel-Bausteine bucht, ist es oft teurer.“

Für heimische Hotels haben Online-Buchungsplattformen Werbe-Effekt

„Die Kollegen hatten recht!“ Josef Eibl ist mit seinem „Hotel Mariandl“ samt Gunther-Philipp-Museum in Spitz seit heurigem Sommer auf der Internet-Buchungsplattform booking.com vertreten und beobachtet seither einen starken Anstieg der Buchungen. „80 Prozent davon sind junge Leute“, so Eibl. Die hohe Bewertung (8,6 = Fabelhaft) freut ihn sehr.

Auch der neue, kleine Beherbergungsbetrieb „Bioweingut Schmidl“ in Dürnstein profitiert von der Internet-Buchungsplattform, wie Theresa Harm berichtet: „Das hat uns von Anfang an eine gewisse Kundenfrequenz gesichert.“ Inzwischen werden viele wegen der Spitzen-Bewertungen auf sie aufmerksam.

Schon seit 2009 ist das Hotel Klinglhuber in Krems auf booking.com vertreten. Etwa die Hälfte der Gäste buche online, berichtet Astrid Klinglhuber-Berger: „Man kann aber auch direkt bei uns online buchen. Dann sind die Preise günstiger, da die Provision wegfällt.“

Umfrage beendet

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