Tiere illegal in Beseitigungsstellen entsorgt. Missbräuchliche Verwendung von Tierkadaverstellen zwingt Gemeindeverband zu Investitionen.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 26. November 2019 (05:03)
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Abscheulicher Gestank gepaart mit einem ekelerregenden Erscheinungsbild. Bei den vier Tierkörperbeseitigungsstellen (TKB) im Bezirk Krems kann einem schon einmal übel werden. Und nicht nur das. Sie bergen mittlerweile ein „Infektions- und Hygienerisiko“, wie Gerhard Wildpert, Geschäftsführer des Gemeindeverbands Krems, der NÖN gegenüber sagt. In Langenlois war die Problematik sogar so groß, dass die TKB gesperrt werden musste.

Vor vier Jahren wurden die Sammelstellen in Langenlois, Aggsbach, Mautern und Gföhl installiert. Eine Weitere gibt es in Krems. Konzipiert sind sie als offene Kühlboxen – laut Wildpert im Sommer eine „sehr energiefressende“ Sache –, in denen tote Haustiere bis zu 40 Kilogramm, im Straßenverkehr getötete Tiere und tierische Abfälle aus Haushalten entsorgt werden dürfen. Einmal pro Woche entleert die Firma Saria die Tonnen. Der Inhalt kommt in die Tierkörperbeseitigungsanlage Tulln.

Rituell geschlachtetes Schaf weggeworfen

Sind die Kühlboxen überfüllt, kam es in der Vergangenheit immer wieder vor, dass tote Tiere und ihre Überreste einfach davor abgelegt wurden. Meistens handle es sich um Wildtiere, sagt Wildpert. Gefunden wurde aber auch schon ein totes Schaf, das einer rituellen Schlachtung zum Opfer fiel. In Gföhl landete ein kompletter Stierschädel in der Mülltonne.

Gemeindeverband-Geschäftsführer Gerhard Wildpert will „Saustall nicht weiter dulden“.
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Zur jüngsten ungustiösen Ablagerung kam es kürzlich in Mautern. Weil die TKB völlig überfüllt war, wurde ein Reh ohne Kopf auf dem Boden abgelegt. „Das lockt natürlich Hunde und andere Tiere an“, sagt Wildpert, der den Fall der Bezirkshauptmannschaft mit der Bitte um Einleitung eines Strafverfahrens gemeldet hat. Dort setzt man auf Kommunikation. „Ich hole mir die Jägerschaft her, weil so kann es nicht sein“, sagt Bezirkshauptfrau Elfriede Mayrhofer. Ob ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet wird, müsse man sich anschauen.

Bezirksjägermeister Andreas Neumayr: „Wirke auf die Jäger ein.“
Martin Kalchhauser

Bezirksjägermeister Andreas Neumayr ist sich bei dem toten Reh in Mautern sicher, dass es Fallwild war. Eine Entsorgung in der TKB wäre somit legal. „Die Art und Weise ist natürlich eine Sauerei.“ Neumayr wisse, dass die unsachgemäße Entsorgung toter Wildtiere immer öfter vorkommt, er wirke deswegen auf die Jäger ein.

Wildpert duldet „diesen Saustall“, wie er die Situation in den TKB nennt, jedenfalls nicht weiter. Die offenen Sammelstellen sind künftig nur mit einer Berechtigungskarte zu betreten, eine Kameraüberwachung wird angedacht. Die erste „Tierkadaverfestung“ öffnet in wenigen Wochen in Langenlois. Die drei anderen Sammelstellen werden 2020 aufgerüstet. Gesamtkosten: 120.000 Euro.

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