Ungeimpfte müssen mit Testterminen jonglieren

Kritik an und Verständnis für „3G am Arbeitsplatz“ in Krems. Kastner mit hoher Impfquote.

Erstellt am 10. November 2021 | 04:37
Ungeimpfte müssen mit Testterminen jonglieren
„Impfquote wie Dänemark“: Im Kremser Standort des Lebensmittelgroßhändlers Kastner sind etwa 85 Prozent des Personals geimpft. Im Bild: Kastner-Mitarbeiter Christian Weiß.  
Foto: Johannes Mayerhofer

„Die firmeninterne Impfaktion hat sich ausgezahlt“, zeigt sich Marcus Walter, Chef des Kremser Kastner-Marktes zufrieden. „Wir haben eine Impfquote von 85 Prozent.“ Für die sechs, sieben ungeimpften Mitarbeiter werde es ab 15. November, wenn „2,5G“ – geimpft, genesen oder PCR-negativ – gilt, ein Jonglieren mit Testterminen geben.

„Beim PCR-Test müssen wir ja einen Tag einplanen, bis das Ergebnis da ist. Wenn jemand am Freitag testen geht, um am Samstag Dienst machen zu können, dann kann es sein, dass es mit der 72-stündigen Gültigkeit am Montag schon knapp wird.“ Wenn das Ergebnis eines samstägigen Tests erst am Montag zu Mittag kommt, sei das auch schwierig. Bezüglich der Gültigkeit werde man keine Strafe riskieren und diese auf die Stunde genau nehmen. Ein Problem ist jedenfalls das mangelhafte Test-Angebot. Die Kosten für den PCR-Test sind von den zu Testenden selbst zu tragen. „Die Motivation ist natürlich klar: Man will es Ungeimpften möglichst schwer machen, um mehr Leute zur Impfung zu bringen“, so Walter, der selbst eine Impfung befürwortet. Die stichprobenartigen Kontrollen seien bei 52 Mitarbeitern noch sehr übersichtlich umsetzbar, zumal fast alle davon geimpft sind.

Auch bei der Bäckerei Schmidl sind bereits die meisten der 70 Angestellten geimpft. „Ich habe darüber hinaus alle in meinem Team gebeten, sich freiwillig einmal in der Woche testen zu lassen. Eine Mitarbeiterin kontrolliert die Tests. Und ich danke meinen Mitarbeitern, dass sie die Regelung fast vollständig mittragen“, freut sich Chefin Barbara Schmidl. Firmeneigene Testmöglichkeiten sind – auch aufgrund der ohnehin hohen Impfquote – sowohl bei Kastner, als auch für Schmidl nicht notwendig. Walter betont jedoch: „Unsere Rechtsabteilung in Zwettl hat derzeit jedenfalls viel zu tun mit dieser Verordnung.“

Die Kremser Wirtschaftskammer beantwortet aktuell zahlreiche Anfragen von Betrieben. „Da sind vor allem kleine und auch mittlere Unternehmen dabei. Die Großunternehmen haben sowieso eigene Abteilungen für Rechtsfragen“, erklärt WKO-Mann Holger Lang-Zmeck. „Diese Corona-Verordnungen entstehen in einem ziemlich hohen Tempo. Das ist ja ganz was anderes als ein Gesetzgebungsprozess, wo noch Sachverständige stärker eingebunden sind. Ich habe Verständnis dafür, dass man schnell reagieren muss, aber Unternehmer haben natürlich an vielen Stellen die Frage: ,Was gilt denn nun für mich?‘“

Die Verfügbarkeit der PCR-Tests sei eine der brennenden Fragen. Lang-Zmeck: „Spar arbeitet anscheinend mit Hochdruck an einem Verteilungsnetz. Aber auch da bekommt man immer wieder unterschiedliche Rückmeldungen bezüglich der Verfügbarkeit der Tests.“ Zumindest was die Kontrollen der 3G-Nachweise betrifft, hätten es kleine Unternehmen leichter. „Der Chef muss kontrollieren, darf aber aus Datenschutzgründen keine Aufzeichnungen machen. Bei 300 Mitarbeitern wird es lustig, da den Überblick zu behalten.“

ÖGB: 3G-Regel „steht und fällt mit Testangebot“

Christian Biegler-Powolny, Kremser Regionalsekretär des ÖGB, berichtet, dass sich eine Vielzahl an Betriebsräten gerade in Verhandlungen über die Umsetzung der Kontrollen befindet. „Die Pandemiebekämpfung darf nicht auf dem Rücken der Betriebe und ihrer Beschäftigten stattfinden. Das haben wir Sozialpartner der Bundesregierung immer wieder vermittelt. Die Vorgaben der Regierung stehen und fallen mit dem Testangebot, vor allem im ländlichen Raum.“

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