Viel Ungewissheit um Corona-Seuche. Zahl steigt wie erwartet. Kranker (77) im Kremser Spital gestorben. Patienten und Politiker bekritteln mangelnde Info.

Von Martin Kalchhauser und Franz Aschauer. Erstellt am 31. März 2020 (17:10)
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Teils dramatische Entwicklungen gab es um die Corona-Pandemie im Bereich der Region Krems. Ein daheim verstorbener 82-Jähriger aus der Gemeinde Rastenfeld wird – durch einen positiven COVID19-Test untermauert – ebenso als Opfer des neuen Virus geführt wie ein 77-Jähriger, der am Wochenende im Kremser Krankenhaus starb.

Gläubige bangten um Pfarrer Przemyslaw Kocjan, Pfarrer in Weißenkirchen.
Fotos: Martin Kalchhauser

Gut ausgehen dürfte die Krankheit beim Weißenkirchner Pfarrer Przemyslaw Kocjan (41). Er zeigte nach der Rückkehr von einer Pilgerreise nach Israel schwere Symptome, musste im Spital in Lilienfeld behandelt und sogar mehrere Tage intensivmedizinisch betreut werden. In Weißenkirchen gibt es mindestens zwei weitere Fälle, die mit der Reise zusammenhängen könnten, ebenso mehrere in Weinzierl am Wald, von wo Gläubige der (von Kocjan betreuten) Pfarre St. Johann an der Reise teilgenommen hatten.

Gemeinde Jaidhof schwer getroffen

Laboriert an Viruserkrankung: Jaidhofs Bürgermeister Franz Aschauer.
NOEN

Außer Gefecht gesetzt wurde vom Virus die Gemeinde Jaidhof. Ortschef Franz Aschauer laborierte zu Redaktionsschluss noch an starkem Husten und Fieber. Bis auf eine Person ist das gesamte Gemeindeteam betroffen. „Das Amt ist aktuell geschlossen, Bürgeranliegen werden aber per Mail und Telefon entgegengenommen und bearbeitet“, betont Aschauer.

Weil eine Mitarbeiterin positiv war, musste der Lengenfelder Arzt Rainer Ludhammer seine Ordination einige Tage auf Telefon-Medizin umstellen. Er macht aber, nachdem er negativ getestet worden ist, kommende Woche wieder auf. Das tut auch die Langenloiser Ärztin Larissa Trybus, bei der ebenfalls eine positiv getestete Mitarbeiterin für einen Stopp der Patientenbetreuung gesorgt hatte. „Wir waren nur prophylaktisch vorsichtig“, möchte sie potenziellen Patienten die Angst nehmen.

Weil ein Pfleger der sogenannten „gesperrten Abteilung“ des Kremser Klinikums (für Häftlinge aus der Justizanstalt Stein) positiv getestet wurde, war dieser Bereich des Spitals einige Tage geschlossen. Um ein Risiko zu vermeiden, wurden mehr als 20 Beamte aus der StVA Stein vorsorglich „in Dienstbereitschaft“ versetzt. Krankheitsfälle sind aber keine bekannt.

Kritik seitens einiger Bürgermeister gibt es an der aktuellen Informationspolitik im Zusammenhang mit der Pandemie. Unter anderem brachte diese Weißenkirchens Gemeindechef Christian Geppner zum Ausdruck. Die Zahl der in der Gemeinde erkrankten Personen erfahre man nach Urgenz jetzt tagesaktuell. „Für uns wäre es aber wichtig, zu wissen, um wen es geht, dann können wir auch Hilfe anbieten“, verweist Geppner darauf, dass die Gemeinde der Gattin eines im Spital befindlichen Wösendorfers schon zweimal Hilfestellungen anbieten konnte. Ein Datenschutzproblem sieht Geppner nicht: „Als Bürgermeister bin ich ja auch in anderen Angelegenheiten ,Geheimnisträger‘.“

Behörde beruft sich auf Bundes-Vorgaben

Bezirkshauptfrau Elfriede Mayrhofer, die unter Berufung auf die Amtsverschwiegenheit der NÖN keine Angabe zur aktuellen Zahl der nachweislich erkrankten Personen in den einzelnen Gemeinden geben konnte, betont: „Alle Mitarbeiter der BH sind bemüht, Anliegen bestmöglich abzuarbeiten. Wir müssen dabei aber detaillierte Vorgaben von Bundesebene beachten.“ Die Daten-Weitergabe unterliege natürlich besonders strengen Regelungen.

Kritik gibt es an der Ungewissheit wegen zu weniger Tests. Kurios: Eine Bürgerin aus der Region Gföhl, der ein Test in Aussicht gestellt war, erfuhr bei Nachfrage, dass sie als „bereits getestet“ geführt wurde …