Frauen in Gemeinderäten: 1:3 nach 100 Jahren. Das Gesicht der Politik nimmt nur langsam weiblichere Züge an. Im Bezirk Krems sind noch drei von vier Gemeinderäten Männer.

Von Petra Vock. Erstellt am 12. Februar 2019 (05:30)
Martin Kalchhauser (Hollerer) bzw. Michaela Sommer (Rinke)
Eva Hollerer (links), Vizebürgermeisterin von Krems, und Inge Rinke, die erste Bürgermeisterin von Krems. Fotos: Martin Kalchhauser (Hollerer) bzw. Michaela Sommer (Rinke)

Es ist genau 100 Jahre her: Am 16. Februar 1919 durften Frauen in Österreich erstmals wählen und gewählt werden. Zwei Jahre später war die Kremserin Anna Holzer eine der ersten Frauen, die in den NÖ Landtag einzogen.

In den 100 Jahren, die seither vergangen sind, ist man von „Halbe-halbe“ in der Politik aber immer noch weit entfernt, wie ein Blick in die Gemeinderäte im Bezirk bestätigt: Am meisten Frauenpower findet sich in Droß mit einem Frauenanteil von 40 %, im Bezirks-Schnitt ist aber nicht einmal jeder vierte Gemeinderat weiblich.

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Das Frauenwahlrecht stieß auf viel Widerstand und wurde von mutigen Frauen erkämpft.In Österreich durften Frauen am 16. Februar 1919 erstmals wählen.

„Drei Orte fest in Frauenhand“, berichtete die Kremser NÖN vor 15 Jahren. Inzwischen sind es fünf: Eine Bürgermeisterin haben die Gemeinden Furth (Gudrun Berger), Gföhl (Ludmilla Etzenberger), Hadersdorf (Liselotte Golda), Mühldorf (Beatrix Handl) und St. Leonhard/Hw. (Eva Maria Schachinger).

Vizebürgermeisterinnen gibt es neben Krems (Eva Hollerer) auch in Rossatz (Hedwig Hirnschall), Schönberg (Birgit Eisenbock) und Weißenkirchen (Eva Schwaiger).

„Grauslichkeiten“ und zu wenig Zeit

Warum sind es immer noch nicht mehr?

Martin Kalchhauser
Eva Hollerer, Vizebürgermeisterin von Krems.

„Es liegt daran, dass sich zu wenig Frauen bereit erklären“, sagt Vizebürgermeisterin Eva Hollerer (SPÖ), die dafür auch den rauen Umgangston in der Politik verantwortlich macht: „Man muss schon von besonderer Statur sein, um gewisse verbale Grauslichkeiten aushalten zu wollen.“

Neben Job und Familie mangelt es Frauen oft an Zeit, wie die Mühldorfer Bürgermeisterin Beatrix Handl (ÖVP) nachvollziehen kann: „Ich seh‘s bei mir. Wenn nicht meine Familie dahinterstünde, ginge es nicht.“

„Oft fehlt es den Frauen an Mut“, meint die neue Bundesrätin Doris Berger-Grabner (ÖVP) und appelliert an Frauen, an sich zu glauben: „Nur so ist es möglich, mitzubestimmen und Anliegen aktiv umzusetzen.“

Michaela Sommer
Inge Rinke war die erste Bürgermeisterin von Krems.

Inge Rinke, von 2007 bis 2012 erstes weibliches Stadtoberhaupt von Krems (ÖVP), glaubt, dass es oft einen Anstoß braucht, und begrüßt daher das auf Bundesebene bereits praktizierte „Reißverschluss-System“, bei dem sich Männer und Frauen auf den Listen abwechseln. „Dass Bürgermeister Resch Frau Hollerer so forciert, finde ich gut“, streut sie ihrem Ex-Konkurrenten Rosen.

Dass mehr Frauen in die Politik sollten, darüber sind sich alle befragten Politikerinnen einig. Handl: „Gewisse Sachen werden einfach von Frauen ganz anders angegangen als von Männern.“

Frauen in den Gemeinderäten im Bezirk Krems

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