„Tote Hose“ im Kremser Polizei-Stützpunkt. Polizei betrat Innenstadt-Außenstelle in ersten zwei Monaten zwei Mal. Rosenkranz bemängelt „Willen“.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 10. September 2019 (05:04)
Von Spok83, Shutterstock.com
Symbolbild

Martin Kalchhauser
Bürgermeister Reinhard Resch (SPÖ) sieht die Urlaubszeit als Grund für die geringe Auslastung.

Zwei Monate nachdem Bürgermeister Reinhard Resch der Polizei den Schlüssel für den neuen Stützpunkt im ehemaligen Bürgerspital übergeben hat, gibt es eine erste Bilanz. Und die fällt mager aus.

Erst zwei Mal nützten Beamte die Räumlichkeiten in der Dachsberggasse, acht Mal betätigten Bürger die Türglocke, die sie mit der Polizeiinspektion in der Rechten Kremszeile verbindet. Netto war das 44 Quadratmeter große Zimmer also in den ersten zwei Monaten nicht länger als eine Stunde besetzt.

Dem Wunsch der Bevölkerung nach einem besetzten Wachzimmer entspricht das nicht.

F: MK (3), privat
Innenstadt-Trafikantin Barbara Görg: „Nichts besser, seit Stützpunkt existiert.“

Barbara Görg, Trafikantin am Täglichen Markt, fühlt sich nicht ernst genommen. „Erst kürzlich haben zwei junge Burschen in der Nacht das Moped meines Sohnes und meine Vespa beschädigt, mein Zigarettenautomat ist regelmäßig kaputt, Blumenkisterl werden umgeschmissen. Es hat sich nichts gebessert, seit der Polizeistützpunkt existiert.“ Görgs subjektiver Eindruck: „Man sieht keine Polizei durch die Stadt gehen. Es wäre wichtig, dass sie gerade von Donnerstag bis Samstag präsent ist.“

„Es wird mehr Sicherheit verkauft, der Stützpunkt schafft aber nicht mehr Sicherheit.“Bezirkspolizeikommandant Manfred Matousovsky

Ein großer Befürworter des Streifendienstes ist Bezirkspolizeikommandant Manfred Matousovsky. „Sicherheit ist gegeben, wenn die Polizei sichtbar ist“, versichert er die Präsenz seiner Leute.

Kalchhauser
Bezirkspolizeikommandant Manfred Matousovsky war von Anfang an kein Fan des Stützpunktes.

Dass der neue Stützpunkt so selten genützt werde, sei auf Personalengpässe und eine fehlende Vorgabe der Landespolizeidirektion zurückzuführen. „Wir haben keine fixen Zeiten, zu denen der Stützpunkt genützt werden muss.“

Matousovsky war von Anfang an ein Gegner des Projekts – und ist das auch heute noch. „Der Stützpunkt ist unnötig. Verschiedene politische Couleurs haben ihn forciert, um damit Versprechen zu erfüllen. Es wird mehr Sicherheit verkauft, der Stützpunkt schafft aber nicht mehr Sicherheit.“

Kalchhauser
FPÖ-Stadträtin Susanne Rosenkranz legt sich mit der Polizei an: „Der Wille der handelnden Personen fehlt!“

Stets für eine Polizei-Außenstelle in der Innenstadt war die FPÖ. Sicherheitsstadträtin Susanne Rosenkranz bemängelt, angesprochen auf die geringe Nutzung, die Einstellung der Polizei: „Ich verstehe nicht, warum sie diesen Stützpunkt nicht annimmt. Krems hat eine der bestbesetzten Inspektionen. Da fehlt es am Willen der handelnden Personen.“

Bürgermeister Resch hält den Stützpunkt trotz bisher geringer Auslastung für sinnvoll. „Jetzt war Urlaubszeit und dadurch auch nachts sehr wenig Frequenz. Außerdem fehlt noch die ausreichende Beschilderung in der Fußgängerzone.“ Leuchtschilder seien bereits bestellt. Für Resch hat sich das subjektive Sicherheitsgefühl verbessert, objektiv sei die Polizei leichter erreichbar.

Die Stadt Krems kostet der Polizeistützpunkt jährlich 7.000 Euro.